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Sport-News

Strafanzeige nach Tod von Kugelstoßer Jacobs

Der frühere DDR-Kugelstoßer Gerd Jacobs stirbt im Alter von 55 Jahren. Der Doping-Opfer-Hilfeverein zeigt daraufhin Jacobs' frühere Trainer an.

Der Doping-Opfer-Hilfe-Verein (DOH) trauert um den früheren Kugelstoßer Gerd Jacobs. Das staatlich anerkannte Dopingopfer starb bereits am 4. Dezember im Alter von 55 Jahren in Neuhardenberg bei Berlin. Der DOH nahm seinen Tod zum Anlass, um zusammen mit dem Heidelberger Molekularbiologen und Dopingjäger Werner Franke Strafanzeige wegen vorsätzlicher Körperverletzung gegen die Leichtathletik-Trainer Werner Goldmann, Peter Paul Börner und Helga Börner zu stellen, die Jacobs während seiner aktiven Zeit laut DOH mit Doping-Mitteln versorgt haben.

Als Vitaminpillen getarnt

Jacobs hatte nach eigenen Worten bereits als Jugendlicher Dopingmittel erhalten, die ihm seine Trainer zunächst als Vitaminpillen getarnt, später aber auch ganz offen gaben. Als ihn die Mutter einer Freundin, eine Krankenschwester, auf die Gefahren der Medikamente aufmerksam machte, forschte der Kugelstoßer nach. Von 1983 an nahm er die Pillen nicht mehr, seine Leistungen stagnierten. 1998 wurde bei Jacobs ein schwerer Herzschaden festgestellt, wahrscheinlich Folge des jahrelangen Dopings. Jacobs wurde als Dopingopfer anerkannt. 2004 erhielt er ein Spenderherz und war laut DOH in der Folge auf eine erhöhte Medikamenteneinnahme angewiesen. Diese habe schließlich zu seinem Tod geführt.

DOH kritisiert DOSB scharf

Vor den Olympischen Spielen 2008 hatte Jacobs gegen seinen früheren Trainer Goldmann schwere Dopingvorwürfe erhoben und damit eine Debatte über mangelnde Aufarbeitung des ostdeutschen Zwangsdoping-Systems ausgelöst. Der Fall sorgte damals für großes Aufsehen, weil Goldmann trotz der Vorwürfe und trotz einer Strafzahlung von 4000 D-Mark, die er 1999 im Zusammenhang mit seiner Doping-Vergangenheit in der DDR hatte leisten müssen, als Trainer mit nach Peking durfte.

"Die DOH-Todesliste wächst rasant. Das ist ungemein bitter", sagte die DOH-Vorsitzende Ines Geipel, eine ehemalige DDR-Leichtathletin, die ebenfalls als Dopingopfer anerkannt ist. "Was muss eigentlich noch passieren, wie oft muss noch gestorben werden, bis der organisierte Sport seinen Opfern endlich die Hand reicht und ihnen konkrete Hilfe anbietet?"

Die Bundesregierung hat mittlerweile auf die Not der Dopingopfer reagiert und für die nächsten zwei Jahre jeweils fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig ermunterte der Bund den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), in den Fond für die Dopingopfer eine ähnliche Summe zu zahlen, doch der DOSB ziert sich bislang. "Die Null-Verantwortungs-Politik des DOSB ist nur noch als Zynismus zu bezeichnen", findet Geipel.

sn/jk (sid, FR)

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