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Studieren in Deutschland

Stipendien in Deutschland

Ein Stipendium bringt finanzielle Unterstützung und macht sich gut im Lebenslauf. Zwei Prozent der Studenten in Deutschland profitieren davon, Tendenz steigend. Doch wie kommt man an die begehrte Förderung?

Die Tage nach dem Auswahlseminar - der reinste Krimi. Unter den Bewerbern hatte sich das Gerücht längst verbreitet: Großer Brief Zusage, kleiner Brief Absage. "Eigentlich hat man nur noch darauf gewartet, ob ein großer oder kleiner Umschlag im Briefkasten liegt", erinnert sich Hua-Jing Han an die Zeit danach. Nach zwei Wochen die Erleichterung: Es kommt der große Brief.

Hua-Jing Han, Studentin an der Uni Bonn (Foto: DW/ Antje Binder)

Hua-Jing Han

Das ganze liegt über ein Jahr zurück, doch Hua-Jing Han erinnert sich an die Bewerbung für ein Stipendium der Studienstiftung Deutsches Volk, als sei es gestern gewesen. Als eine der besten ihres Abiturjahrgangs wurde sie von ihrer Schule vorgeschlagen und zum dreitägigen Auswahlverfahren eingeladen. Unter den besten 10.000, die jedes Jahr zu den Tests gehen, ranken sich viele Mythen. "Man sagt, dass man sich überhaupt nicht darauf vorbereiten kann", erzählt Hua-Jing Han. Jeder Teilnehmer muss ein Referat halten, Diskussionsrunden leiten und zwei Gespräche mit der Kommission überstehen.

Nicht nur privilegierte Hochbegabte

Hua-Jings Lebenslauf gleicht dem vieler anderer Bewerber: Abitur von 1,0, sie spielt Geige und engagiert sich in ihrer Freizeit für die Umweltorganisation Greenpeace. Obwohl die gebürtige Chinesin eine sehr interessierte und begabte Studentin ist, rechnete sie nicht mit dem Stipendium. "Ich dachte immer, die suchen ganz andere Leute", erzählt sie. Hochbegabte Privilegierte vom Internat mit extravaganten Lebensläufen etwa. Nach der Zusage stellte sie aber fest, dass das nicht stimmt. "Die anderen Stipendiaten, die ich bis jetzt kennen gelernt habe, sind eine ziemlich bunte Gruppe."

Gerhard Teufel, Generalsekretär der Studienstiftung des Deutschen Volkes (Foto: DW / Heike Mohr)

Gerhard Teufel

Das Grundrezept für eine erfolgreiche Aufnahme bestehe aus drei Komponenten, erklärt Generalsekretär Gerhard Teufel: "Gute Noten in der Schule, Engagement in Vereinen oder Initiativen und Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft." Nicht nur Privilegierte sollen die Chance auf ein Stipendium haben. Deshalb könne das Engagement sehr vielseitig ausfallen, so Teufel. In akademischen Gesellschaften setze man sich gerne für Weltverbesserungsorganisationen wie Amnesty International, Greenpeace oder Tierschutzorganisationen ein, sagt er. "In nichtakademischen Familien spielt man vielleicht eher in der Blaskapelle, engagiert sich in der Feuerwehr und melkt vielleicht auch einfach nur Kühe."

Keine Kaderschmiede für Eliten

Die Stiftung will offenbar weg von ihrem Image als Kaderschmiede nur für die Eliten. Seit 2010 spielen die sehr guten Abiturnoten daher eine deutlich geringere Rolle. Gern gesehen sind ebenfalls Bewerbungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Unabhängig von einer Empfehlung der Schule kann sich heute jeder direkt bei der Stiftung bewerben und wird in einem gesonderten Verfahren auf seine Begabung geprüft. 150 Euro Büchergeld gibt es für die Stipendiaten, außerdem Unterstützung abhängig vom Gehalt der Eltern. Dazu Sommerakademien, Sprachkurse und - nicht zu vergessen - ein großes Netzwerk.

Martin Lipper, Student an der Uni Köln (Foto: DW/ Antje Binder)

Martin Lippert

Das weiß auch Martin Lippert, der eine Karriere beim Auswärtigen Amt anstrebt. "Mich interessiert der Kontakt mit anderen Stipendiaten", sagt er. "Die Freundschaften und Bekanntschaften, die man schließt, können Jahre halten." Er bewarb sich und ging locker in das Testwochenende. "Ich habe mir gesagt: Das ist das I-Pünktchen fürs Studium und es ist schön, wenn man's hat, aber wenn's nicht klappt, dann halt nicht", erzählt er.

Mit dieser Einstellung schien Martin Lippert genau richtig zu liegen. Gemeinsam mit Hua-Jing Han gehört er nun zu den rund 3000 Stipendiaten, die jedes Jahr bei der Studienstiftung aufgenommen werden. Vorerst für vier Semester Probezeit, wie bei jedem Stipendiaten, der vorgeschlagen wird. Zählt er dann noch zu den besten 15 Prozent seines Studiengangs, wird er bis zum Ende des Studiums weiter gefördert.

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