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Bildung

Der Druck des Titelverteidigers

Neun Universitäten in Deutschland dürfen sich bereits "Elite" auf die Fahnen schreiben, darunter die RWTH Aachen. Um Elite zu bleiben, müssen sie sich erneut bewerben – und dabei mit einem großen Erfolgsdruck leben.

Elite oder nicht? Die Entscheidung fällt am 15. Juni. "Natürlich haben wir alles getan, was wir uns als Team vorstellen konnten, um uns eine gute Ausgangsposition zu verschaffen“, sagt Ernst Schmachtenberg, Rektor der Rheinisch-Westfälischen Technischen Universität (RWTH) Aachen. "Jetzt hoffen wir, dass die Gutachter das auch anerkennen." Denn nur dann darf die RWTH Aachen, die sich seit 2007 offiziell Exzellenz-Universität nennen darf, den Titel auch bis 2017 noch halten.

Vor sieben Jahren fiel der Startschuss zur Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Dabei geht es um die Förderung von Graduiertenschulen, Exzellenzclustern und – vor allem – um die Zukunftskonzepte zum Ausbau der Spitzenforschung, die mit den höchsten Summen gefördert werden. In den Jahren 2006 und 2007 wurden insgesamt neun Universitäten herausgesiebt, die sich mit ihren Zukunftskonzepten im Rennen um den begehrten Titel "Exzellenz-Universität" durchsetzen konnten. Dazu zählt auch die RWTH Aachen.

Auch die neun Exzellenz-Unis müssen sich bewähren

Innenansicht SuperC der RWTH Aachen (Foto: Thomas Riehle)

Das "SuperC" der RWTH Aachen

In der letzten Runde des Wettbewerbs gilt nun: Alles ist offen. Wer in der ersten Runde in den Jahren 2006 und 2007 das Rennen für sich entscheiden konnte, muss trotzdem auch in diesem Jahr wieder um einen Platz kämpfen. Das gilt auch für die neun Universitäten, die sich damals mit ihren Zukunftskonzepten durchsetzen konnten und seitdem zur Riege der Elite-Universitäten in Deutschland gehören. Wenn sie ihren Titel behalten möchten, müssen sie sich jetzt erneut durchsetzen.

Für die neue Runde der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern sind 143 Anträge eingereicht worden. Insgesamt fließen im Exzellenzwettbewerb rund 2,5 Milliarden Euro in exzellente Projekte. Ein saftiger Geldbetrag, mit dem sich in der Wissenschaftswelt einiges bewegen lässt. Auch deshalb ist die Teilnahme am Wettbewerb so rege. Dass es dabei Auf- und Absteiger geben soll, das machen sich auch die Bewerber klar: "Es handelt sich um einen Wettbewerb", sagt Ernst Schmachtenberg, Rektor der RWTH Aachen, "da ist es völlig legitim, nachzuprüfen, wie gut die Hochschulen ihre Konzepte umsetzen."

Den Leistungsdruck kennt die RWTH Aachen aus den Vorrunden

Ein Hörsaal im Hauptgebäude der RWTH Aachen (Foto: Peter Winandy)

Interdisziplinäres Arbeiten wird an der Hochschule groß geschrieben

Eine Drucksituation, die die Verantwortlichen der RWTH Aachen gut kennen. Dass es nicht einfach ist, auf der Gewinnerseite zu stehen, spürten sie schon bei der ersten Runde am eigenen Leib. Damals bekam die technische Universität zunächst nicht den Zuschlag für ihr Zukunftskonzept, durfte aber noch einmal nachbessern: "Die Hochschule hat das in ihren Grundfesten erschüttert", sagt Matthias Wuttig, Sprecher des Strategierates, der die Universität in Zukunftsfragen berät. "Wir dachten, wie kann das sein, dass eine Hochschule, die aus unserer Sicht so gut ist, nicht überzeugen kann?"

Die Verantwortlichen besserten nach, mobilisierten die ganze Hochschule – und konnten so mit ihrem Zukunftskonzept überzeugen. Es trägt den Titel: "RWTH 2020: Meeting Global Challenges." Es gehe darum, eine integrierte interdisziplinäre Hochschule aufzubauen. Schon heute arbeiten an der RWTH Aachen viele Fachrichtungen Hand in Hand, das solle in Zukunft weiter ausgebaut werden.

Von der Exzellenzinitiative profitieren auch die Studenten

Studierende vor dem SuperC der RWTH Aachen (Foto: Peter Winandy)

Auch die Studenten haben durch die Exzellenzinitiative gewonnen

So wurde zum Beispiel die Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum in Jülich bei Aachen in den vergangenen Jahren gestärkt, einer der größten Forschungseinrichtungen in Deutschland mit Schwerpunkten in den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Außerdem werden Mittel bereitgestellt, damit Wissenschaftler neue Ideen schnell und unbürokratisch angehen können. Ein eigenes Team kümmert sich darum, dass alle gemeinsam am Zukunftskonzept arbeiten. Davon profitieren auch die Studenten. Sie bekommen zum Beispiel mehr Möglichkeiten, an aktuellen Forschungsprojekten mitzuarbeiten.

Schon jetzt hat die RWTH Aachen also in mehrfacher Hinsicht gewonnen: Durch die Exzellenzinitiative sind neue Netzwerke und Projekte entstanden. Die Fördersumme von jährlich 30 Millionen Euro kann sich sehen lassen, auch wenn sie nur einen kleinen Teil des Gesamtbudgets ausmacht. Nach fünf Jahren als Verlierer dastehen, möchte also niemand gerne. Schon alleine wegen des guten Rufes, sagt Rektor Ernst Schmachtenberg.

Im Wettbewerb zu verlieren, wäre ein großer Image-Schaden

'BeBuddy', ein Betreuungsprogramm des International Office der RWTH Aachen (Foto: Peter Winandy)

Internationale Studierende sind in Aachen willkommen

In ihren Anträgen können die Hochschulen jetzt erneut beweisen, dass sie in den vergangenen fünf Jahren an ihrer Ausrichtung gearbeitet haben. Denn nur dann können sie mit ihren bisherigen und neuen Clustern, Graduiertenschulen und Zukunftskonzepten überzeugen. Gelingt ihnen das nicht, gehen sie leer aus oder verlieren die Förderung – und eine andere Hochschule wird profitieren. Gerade für die neun Elite-Universitäten wäre das ein herber Rückschlag: "Wir wurden durch den Exzellenzstatus enorm gestärkt", sagt Ernst Schmachtenberg, "verlieren wir diesen Status, wäre das ein großer Schaden für unser Image."

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