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Aktuell Europa

Stilles Gedenken an Stalingrad

Stalingrad war eines der schlimmsten Schlachtfelder im Zweiten Weltkrieg. Im heutigen Wolgograd gedenken der deutsche und der russische Außenminister den Toten. Auch ein anderer Krieg kam zur Sprache.

Gemeinsam mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow besuchte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Wolgograd die Gräber deutscher und sowjetischer Soldaten. Beide erinnerten mit dem Besuch der Kriegsgräberstätte Rossoschka im früheren Stalingrad an die Opfer des Zweiten Weltkrieges. Dieser endete in Europa vor 70 Jahren mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht.

Verbindendes staat Trennendes

Die beiden Außenminister wollen im Anschluss an den Besuch der Gräber in Wolgograd die Gedenkstätte Mamajew Kurgan besuchen und am Abend gemeinsam an einem "Friedenskonzert" der Symphonieorchester Wolgograds und Osnabrücks teilnehmen.

"Wir wollen in diesen Tagen des Gedenkens an das Ende des Zweiten Weltkriegs in den Mittelpunkt stellen, was uns verbindet, und nicht das, was uns trennt", sagte Steinmeier vor seiner Abreise am Vormittag in Berlin. "Es ist mir wichtig, das Gedenken an das Grauen des Zweiten Weltkriegs in Russland und gemeinsam mit meinem russischen Kollegen zu begehen - trotz und gerade wegen unseres schwierigen Verhältnisses mit Moskau im Zuge der Ukraine-Krise." Dafür sei Wolgograd, das frühere Stalingrad, der richtige Ort. Es gebe die Chance, "an den Gräbern Zehntausender Verständigung über alte Feindbilder zu stellen und gemeinsam daran zu arbeiten, Gegensätze friedlich zu überwinden."

Gespräche über Ukraine-Konflikt

Auch das Thema Ukraine kam bei dem Treffen zur Sprache. Beide Minister sehen Fortschritte in dem Konflikt. Steinmeier und Lawrow lobten, dass sich einen Tag zuvor erstmals Arbeitsgruppen der ukrainischen Regierung, der prorussischen Separatisten und Russlands unter Moderation der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) getroffen hätten. "Das ist ein wichtiger Schritt insofern, als dass uns der Einstieg in die nächste Phase der Umsetzung der Minsker Vereinbarung gelingen kann", sagte Steinmeier mit Hinweis auf das Abkommen zur Befriedung der Ostukraine. Das Blutvergießen müsse "auch im letzten Winkel der Ukraine endlich enden", forderte er.

Lawrow lobte die Fortschritte ebenfalls, machte aber der ukrainischen Regierung den Vorwurf, sie würde sich passiv verhalten und ihre Verpflichtungen nicht erfüllen. Dazu gehöre ein Sonderstatus für die von den prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiete. Zumindest habe die Regierung in Kiew aber nun akzeptiert, dass sie direkte Gespräche mit den Separatisten führen müsse.

Sowjetunion Deutschland Zweiter Weltkrieg Ruinen von Stalingrad

Die Niederlage der deutschen Wehrmacht in Stalingrad Anfang 1943 gilt als Anfang vom Ende des NS-Regimes

Auftakt zum Gedenkwochenende

Die Niederlage der Wehrmacht im damaligen Stalingrad gilt als Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs und damit als Anfang vom Ende des NS-Regimes. Das Treffen der beiden Außenminister ist quasi der Auftakt eines ganzen Gedenkwochenendes. Am Freitag ist die zentrale Gedenkstunde im Bundestag. Parallel dazu fährt Altbundespräsident Horst Köhler zu den 70-Jahr-Feiern nach Polen. Am Samstag dann hält Wladimir Putin in Moskau seine große Militärparade ab, zu der auch viele andere Staats- und Regierungschefs erwartet werden. Deutschland ist wegen des Ukraine-Konflikts nur mit seinem Botschafter dabei.

Am Sonntag kommt dann Kanzlerin Angela Merkel doch noch nach Moskau, um zusammen mit Putin am Grab des Unbekannten Soldaten einen Kranz niederzulegen. Wer wann wohin fährt, das wurde in den vergangenen Wochen innerhalb der Bundesregierung genau abgestimmt. Bilder wie vor zehn Jahren, als bei den 60-Jahr-Feiern der damalige Kanzler Gerhard Schröder vor der Kremlmauer russischen Soldaten zuwinkte, wollte niemand. Zu groß ist die Befürchtung, für Propaganda instrumentalisiert zu werden.

cr/kle (afp, dpa)