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Jahrestag der Anschläge von Paris

Stille und Trauer: Paris gedenkt der Opfer

Am Vorabend war das Bataclan mit einem Konzert von Sting wieder eröffnet worden - am Jahrestag der Terroranschläge gab es ein stilles Gedenken für die Opfer vom 13. November. Aus Paris Barbara Wesel.

Keine Musik und keine Reden - es ist über Stunden ein schweigendes Gedenken in Paris. Das haben sich die Opferverbände so gewünscht. Und doch gibt es bewegende Momente.

Noch bevor Präsident François Hollande vor dem Musikclub Bataclan eintrifft, tritt ein Mann an den Zaun gegenüber. Hier hatten im vergangenen November die Pariser ihre Gefühle mit einem Meer von Blumen und Kerzen ausgedrückt. Der Mann legt einen ganzen Arm voll einzelner Rosen ab, wohl eine für jedes der 90 Opfer, die vor einem Jahr im Kugelhagel der islamistischen Terroristen in dem Musikclub starben. Und dann beginnt er leise zu weinen.

Keines der Dutzende Kamerateams aus aller Welt, die hier Position bezogen haben, wagt es, ihn in seiner Trauer zu stören. An einem dicken Baum daneben haben Angehörige von Opfern und Überlebenden Botschaften auf Karten hinterlassen. Ein Vater schreibt vom liebevollen Andenken an seinen Sohn: Einmal mehr werden die Schicksale der Familien lebendig, die hier ihre Nächsten verloren.

Erinnerung an allen Orten des Terrors

An den Orten der Anschläge werden Gedenktafeln enthüllt. Die Inschrift ist schlicht: "Zur Erinnerung an die Opfer, die Verletzten und die Toten der Attentate vom 13. November 2015." Die erste dieser Tafeln hat Präsident Hollande ganz früh am Morgen am Stade de France enthüllt, wo der Terrorschlag weitgehend misslang und es das erste Todesopfer gab.

Paris Gedenken an IS Attentate am 13.11.2015 (Reuters/P. Wojazer)

Gedenktafeln enthüllt: Bürgermeisterin Anne Hidalgo, Präsident François Hollande

Danach machen Hollande und Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris, die Runde zu den Restaurants, wo die Attentäter die Gäste vor dem Bonne Bière und vier weiteren Cafés mit ihren Maschinengewehren niedergemäht hatten. Überall erinnern jetzt die Namen der Opfer an der Hauswand an den furchtbaren Abend.

"Botschaft des Friedens"

Die muslimische Vereinigung von Paris hat zwei Abgesandte mit Blumen und einem Plakat entsandt. "Wir bringen eine Botschaft der Liebe und des Friedens", sagt Hussein Azzadi. Er räumt ein, dass die Atmosphäre in Paris im vergangenen Jahr etwas drückend geworden ist, aber dennoch sei die Stadt tolerant und weltoffen geblieben.

Ob er und sein Begleiter Sebastien Ataouhay nach der Wiedereröffnung des Bataclan dort auch ein Konzert besuchen würden? Sebastien will bald Karten kaufen, er liebe Musik, sagt er. Und Hussein glaubt, dass seine Kinder das auch wollten: "Sie lieben das Leben in Paris, die Kultur und die Musik."

Frankreich Paris - Gedenkfeier zum Attentat im Bataclan (DW/B. Wesel)

"Liebe für alle": Botschaft der muslimischen Gemeinde in Paris

Symbolischer Akt für die Überlebenden

Gekommen ist zu diesem stillen Vormittag des Gedenkens auch der Frontmann der Band Eagles of Death Metal, die bei der Mordattacke vor einem Jahr von der Bühne flüchten konnte: Jesse "the Devil" Hughes. Am Samstagabend hatte es bei der Wiedereröffnung des Musikclubs Streit über seine Anwesenheit gegeben. Das Management wollte ihn nicht dabei haben, weil er nach dem Anschlag muslimische Sicherheitsleute im Bataclan beschuldigt hatte, den Terroristen geholfen zu haben. Aber da am Sonntagmorgen alles schweigend vonstatten geht, kann er mit den Familien, den politischen Vertretern und ein paar hundert Parisern still vor dem Club verharren.

Auch Daniel Psenny, ein Journalist der Zeitung "Le Monde", ist gekommen. Er war bei dem Anschlag von einem Streifschuss getroffen worden, als er einen Verletzten in seine Wohnung hinter dem Bataclan gezogen hatte. "Das hier ist ein sehr symbolischer Akt und wichtig für die Überlebenden", sagt er. Es sei gut, dass sich Präsident Hollande die Zeit genommen habe, ihnen die Hände zu schütteln und mit allen zu sprechen.

Viele der Betroffenen verarbeiten das Trauma der Terroranschläge nur langsam: 600 Familienmitglieder und Überlebende sind nach wie vor in psychologischer Behandlung.

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