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Kultur

Stichwort: Primitive Kunst

Der Begriff "Primitive Kunst" bezeichnet Kunst der Naturvölker Afrikas, Ozeaniens und der Ureinwohner Amerikas. Fälschlicherweise oft abwertend verstanden, meint "Primitiv" dabei im etymologischen Sinn "uranfänglich".

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Afrikanische Masken: Ein typisches Beispiel für so genannte "Primitive Kunst"

Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts hat die "Primitive Kunst" - französisch "Art Primitif" - Eingang in den Kanon westeuropäischer Künstler gefunden. Allen voran interessierten sich die Kubisten und Expressionisten für dieses Thema, verstanden die Objekte jedoch meist nur als religiöse oder kultische Gegenstände. Eine Einordnung der "Primitiven Kunst" nach Schulen und Stilrichtungen erfolgte erst spät, besonders in den 1970er Jahren durch den Franzosen Jean Laude.

Des Öfteren werden auch heute noch die Begriffe "Primitive Kunst" und "Primitivismus" miteinander verwechselt. Der "Primitivismus" jedoch meint ausschließlich das moderne Phänomen, das 1973 erstmals im Duden richtig erfasst wurde: "Moderne Kunstrichtung, die sich von der Kunst der Primitiven anregen lässt". Zusätzlich irreführend ist der Begriff, da die Kunstwissenschaft auch noch die so genannte "Flämische Primitive" für eine Gruppe altniederländischer Künstler des 15. Jahrhunderts kennt - eine unglückliche wörtliche Übersetzung der französischen Bezeichnung "Les Primitifs flamands", wobei primitiv hier lediglich als "früh" zu verstehen ist.

Die größte Ausstellung zum Komplex der "Primitiven Kunst" zeigte bisher das New Yorker Museum of Modern Art 1984. Sie zeigte unter dem Titel "Primitivism in Twentieth Century Art: Affinity of the Tribal and the Modern" den Einfluss der so genannten "Primitiven Kunst" auf Westeuropa auf, indem sie 200 Objekte wie Masken, Skulpturen und andere Kultgegenstände Werken moderner, europäischer Künstler gegenüber stellte - darunter Paul Gauguin, Henri Matisse und Pablo Picasso.

Heutzutage wird der Begriff "Primitive Kunst" wissenschaftlich nicht mehr verwendet, da er die Gefahr birgt, die behandelten Objekte abzuwerten und zu Kuriositäten zu erklären. Es gab zahlreiche Versuche, politisch korrekte Definitionen zu finden, darunter in Frankreich den Begriff "art premier" (frühe Kunst), der jedoch nicht mehr als eine Verlegenheitslösung darstellt und sich bis heute nicht durchgesetzt hat. In den meisten Fällen ist man dazu übergegangen, die Kunstobjekte nach ihrer genauen Herkunft zu benennen, so beispielsweise "Afrikanische Kunst" oder "Ozeanische Kunst".