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Afrika

Stichwahl in Guinea wird verschoben

Eigentlich sollten die Guinea am kommenden Sonntag in einer Stichwahl über den zukünftigen Präsidenten ihres Landes abstimmen. Doch aufgrund organisatorischer Probleme wird die Wahl verschoben.

Cellou Dalein Diallo bei der Abgabe seines Stimmzettels(Bild: AP)

Cellou Dalein Diallo bei der ersten Abstimmung, aus der er als Sieger hervorging

Die für Sonntag (19.09.2010) geplante Stichwahl um das Präsidentenamt in Guinea wird nicht stattfinden. Die organisatorischen Voraussetzungen für die Wahl seien nicht gegeben, erklärte der Sprecher der Nationalen Wahlkommission, Thierno Ceydou Bayo, am Mittwochabend in der Hauptstadt Conakry. Unter anderem fehlten noch mehr als eine halbe Million Wahlzettel. Die Wahlkommission brauche für die Vorbereitung noch mindestens zwei Wochen. Außerdem habe sie nach der ersten Runde festgestellt, dass es nicht genügend Wahllokale in Guinea gebe.

Unruhen im Wahlkampf

Sekou Touré (Foto: AP)

Vom Freiheitshelden zum Diktator: Sékou Touré

Am vergangenen Sonntag (12.09.2010) waren bei Zusammenstößen zwischen Anhängern der beiden Kandidaten für die Stichwahl mindestens 50 Menschen verletzt worden. Laut Augenzeugen wurde ein Mensch getötet. Die Polizei ging bei den Ausschreitungen mit Tränengas gegen die Menschenmenge vor. Alle Wahlkampfveranstaltungen wurden bis auf weiteres verboten. Zur Wahl stellen sich nach der ersten Runde Ex-Ministerpräsident Cellou Dalein Diallo und der Oppositionspolitiker Alpha Condé. Diallo gilt als Favorit. Er hatte im ersten Wahlgang 44 Prozent der Stimmen bekommen, Alpha Condé 18 Prozent. Die Spannungen zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten hatten in den vergangenen Wochen zugenommen.

Ethnische Spannungen

Die Unruhen vom Wochenende haben auch einen ethnischen Hintergrund. Diallo gehört der größten ethnischen Gruppe in Guinea, den Peul, an. Bisher haben die Peul in Guinea noch nie einen Präsidenten gestellt. Diallos Konkurrent Condé ist Malinké und gehört damit zur zweitgrößten Ethnie.

Für Unruhe hatte außerdem die Verurteilung des verstorbenen Chefs der Wahlkommission, Ben Sekou Sylla, gesorgt. Die RPG, die Partei von Alpha Condé, hatte Sylla Wahlbetrug vorgeworfen. Kritiker glauben, mit der Verurteilung solle das Wahlergebnis zugunsten von Condé geändert werden.

Historische Wahl

Lange Schlange vor einem Wahlbüro in Guinea vor der Abstimmung (Foto: AP)

Großer Andrang bei den ersten freien Wahlen in Guinea seit 52 Jahren

Die erste Wahlrunde war friedlich verlaufen. Die Stichwahl sollte zunächst am 18. Juli stattfinden, wurde dann aber auf den 19. September verschoben. Zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit von Frankreich 1958 stimmen die Guineer in einer demokratischen Wahl über ihren Präsidenten ab.

Nach der Unabhängigkeit war Guinea von 1958 bis 1984 von Ahmed Sékou Touré regiert worden. Touré war brutal gegen seine Gegner vorgegangen und hatte sich so bis zu seinem Tod an der Macht gehalten. Nach dem Tod von Sékou Touré putschte sich Lansana Conté an die Macht und regierte das Land bis 2008 mit harter Hand. Ihm folgte der Militär-Hauptmann Moussa "Dadis" Camara als Staatschef. Seine Junta hatte sich nach Contés Tod an die Macht geputscht. 2009 überlebte Camara knapp ein Attentat. Er ging ins Exil. Sein Stellvertreter Sékouba Konaté rief schließlich demokratische Wahlen aus. Weder Konaté selbst noch Angehörige der Übergangsregierung waren zu den Wahlen Ende Juni zugelassen.

Autorin: Christine Harjes/ Stephanie Gebert (dpa, ap, afp, rtr)

Redaktion: Marco Müller

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