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Afrika

Steinmeier fordert entschiedenen Kampf gegen Boko Haram

Deutschland will sich stärker für die Opfer von Boko Haram einsetzen. Das machte Außenminister Steinmeier bei seinem Kurzbesuch in Nigeria deutlich. An ein schnelles Ende des Konfliktes glaubt auch er nicht.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (r) und der französische Außenminister Laurent Fabius mit einer Vertreterin der Initiative BringBackOurGirls

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (r) und der französische Außenminister Laurent Fabius mit einer Vertreterin der Initiative "BringBackOurGirls"

Ihr Mann ist tot, zwei ihrer sieben Kinder sind verschwunden. Sie selbst konnte sich in einem Flüchtlingslager in der Nähe der Stadt Yola im Nordosten Nigerias in Sicherheit bringen. Wenn Hanatu Maracus über ihre Erlebnisse der vergangenen Wochen erzählt, steht ihr der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Die Nigerianerin kommt aus Gwoza, einer Region, die seit mehr als zwei Monaten in der Hand der Terroristen von Boko Haram ist. "Sie kamen und haben die ganze Gegend eingekesselt", erinnert sich Hanatu Maracus. "Mein Mann hatte sich eigentlich schon in Sicherheit gebracht. Dann ist er aber nochmal zurückgekommen, um nach uns zu schauen. Dabei haben sie ihn dann umgebracht."

Konfusion um Waffenstillstand

Außenminister Steinmeier im Pressegespräch

Steinmeier kündigt mögliche Hilfe für traumatisierte Opfer von Boko Haram an

Die islamistische Terrororganisation Boko Haram führt im Nordosten Nigerias einen blutigen Kampf gegen die nigerianische Regierung. Allein in diesem Jahr wurden dabei mehr als 2500 Menschen getötet - meist Zivilisten wie Hanatu Maracus' Ehemann. Vor knapp zwei Wochen gab es einen kurzen Hoffnungsschimmer: Alex Badeh, Chef des Generalstabs der nigerianischen Armee, verkündete eine Waffenruhe mit den Islamisten.

Diese Zuversicht war allerdings nur von kurzer Dauer, denn bereits einen Tag später verübte Boko Haram

neue Anschläge

, bei denen mehrere Menschen starben. In der vergangenen Woche wurden bei einem Überfall mutmaßlicher Boko-Haram-Kämpfer auf ein Dorf im Bundesstaat Borno

30 Jugendliche verschleppt

.

Beim gemeinsamen Nigeria-Besuch mit seinem französischen Amtskollegen Laurent Fabius machte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier nun deutlich, dass Deutschland Nigeria mehr unterstützen will. "Wir wurden ganz dringend um Hilfsprogramme für traumatisierte Opfer von Boko Haram gebeten. Da könnten sich Deutschland und Frankreich zusammen engagieren", so Steinmeier. Außerdem würden Gespräche über eine Unterstützung bei der Ausbildung der Polizei und dem Grenzmanagement geführt, denn viele Boko-Haram-Kämpfer zögen sich nach Angriffen in Nigeria über die Grenze in Nachbarstaaten wie Kamerun zurück.

Gemeinsame Reise als Zeichen enger Zusammenarbeit

Drei nigerianische Mädchen, die vor Boko Haram geflüchtet sind

Bisher gibt es kaum professionelle Hilfe für Menschen, die Boko Haram entkommen sind

Steinmeier erklärte auch, dass bei seinen Gesprächen mit Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft deutlich wurde, wie schwierig es sei, einen belastbaren Waffenstillstand mit Boko Haram auszuhandeln. "Es gibt ganz offensichtlich konkurrierende Gruppen innerhalb der Organisation und auch Trittbrettfahrer", so der Außenminister. Deshalb müssten noch mehr relevante Gruppen innerhalb der Organisationsstruktur von Boko Haram in die Friedensverhandlungen einbezogen werden.

Steinmeier und Fabius reisen das erste Mal gemeinsam nach Subsahara-Afrika und wollen so die enge Zusammenarbeit beider Länder unterstreichen. Frankreich versucht bereits seit Monaten, sich für eine Verbesserung der Sicherheitslage in der Region einzusetzen. Im Mai lud der französische Präsident François Hollande seinen nigerianischen Amtskollegen Goodluck Jonathan und weitere Regierungschefs aus der Region zu einem Krisengipfel nach Paris ein. Dort wurde unter anderem ein gemeinsamer "Aktionsplan" gegen die Islamisten beschlossen, passiert ist seitdem jedoch wenig.

Verzweifelte Lage für Flüchtlinge

Flüchtling Hanatu Maracus hofft trotz allem, dass sie bald zusammen mit ihren Kindern in ihre Heimat zurückkehren kann - und erwartet dabei auch Hilfe aus dem Ausland. Am politischen Willen der nigerianischen Regierung mit allen Kräften an einer Befriedung der Region zu arbeiten, hat sie ihre Zweifel. "Alles, was ich machen kann, ist unsere politische Führung anzuflehen, dass sie unser Leid beendet, so dass wir mit unseren Familien in Frieden leben können."

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