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Bücher

Steckbrief: Thomas Brussig

Ein Kritiker hat ihn einmal zum "Heimatsachverständigen“ erklärt - für alles Ostdeutsche, versteht sich. Denn Thomas Brussig, Jahrgang 1965, geboren in Berlin, kennt sich aus mit dem untergegangenen Teil Deutschlands.

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Thomas Brussig (Archivbild)

Natürlich hat Thomas Brussig selbst viel dafür getan, dass er heute in diese "Ost-Schublade“ gesteckt wird. Aber ebenso möchte er - das machen viele seiner Äußerungen und Zeitungsartikel deutlich - raus aus dieser Ecke, Thomas Brussig will nicht immer nur als Heimatsachverständiger für Ostangelegenheiten gelten.

Geboren vier Jahre nach dem Mauerbau im Osten der Stadt, wuchs Brussig auf in einer Stadt, die vom Kalten Krieg und von Propaganda geprägt war. Dieses Stimmungsgemisch sollte ihn begleiten bis zu den Jahren der Wende. Anfang der 80er Jahre machte er eine Berufsausbildung zum Baufacharbeiter, später dann auch das Abitur. Nach Wehrdienst und diversen Jobs folgte ein Studium der Soziologie an der Freien Universität zu Berlin, nach der Wende wohlgemerkt. Doch nach drei Jahren hatte Brussig genug von der trockenen Materie und wechselte zur Filmhochschule Konrad Wolf nach Potsdam-Babelsberg und schulte sich dort in Dramaturgie.

Entweder kam ihm dieses Studium zu Gute oder er hatte immer schon ein Talent für ausgefeilte Dialoge und Szenenaufbau, denn sein Roman, mit dem er 1995 schlagartig berühmt wurde, "Helden wie wir“, war ein ungemein witziges, schlagfertiges, fast surreales Buch über die Wende, mit der Hauptfigur Klaus Uhltzscht, der die Mauer in Berlin doch tatsächlich ganz allein zum fallen bringt und das nicht mit den Händen …

Fortan galt Brussig, der zuvor unter Pseudonym bereits den Roman "Wasserfarben" veröffentlicht hatte, als derjenige unter Deutschlands jungen Schriftstellern, der den doch an sich so ernsten deutsch-deutschen Themen so bissig-ironische Seiten abgewinnen konnte. Mit seinem gemeinsam mit Leander Haußmann verfassten Filmdrehbuch "Am kürzeren Ende der Sonnenallee“, das er später zu einem Kurzroman umschrieb, bestätigte er diesen Ruf.

Brussig wurde immer dann gerufen, wenn es galt, die DDR-Geschichte zu ironisieren. Das hat ihn in eine Position gebracht innerhalb der deutschen Literaturszene, die ihm selbst gar nicht so behagte. Wenn man ihn dann auch traf und mit ihm sprach, dann begegnete man ganz und gar nicht einem lustig-heiteren Zeitgenossen, der immer einen humorigen Spruch zum besten gab, wie die Helden seiner Prosa es so gut können. Brussig ist im Gespräch eigentlich immer ernst, nachdenklich, auch ein wenig widerborstig, man merkt ihm deutlich an, dass er alle Schubladen hasst, dass er weder als "Vorzeigeossie“ noch als "Ostliterat“ gelten will.

Doch auch sein nächster Roman "Wie es leuchtet“ beschäftigte sich auf über 600 Seiten wieder mit der Wende, warf einen Blick auf ein halbes Dutzend Protagonisten und erzählte deren Erlebnisse während der entscheidenden Jahre 89/90 nach. Es scheint, als ob Brussig nicht los kommt von seinem Thema. Dabei schreibt er für alle große Tageszeitungen in Deutschland recht fleißig auch über andere Themen, bespricht Bücher und Filme, schreibt gern Kolumnen, gerade auch über Fußball.