Stadionverbot für Frauen | Asien | DW | 31.03.2015
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Asien

Stadionverbot für Frauen

Frauen gehören nicht ins Stadion. Dieser Meinung ist zumindest Irans Regierung. Doch es formiert sich Widerstand. Aktivisten planen Aktionen rund um das Testspiel der iranischen Nationalelf der Männer gegen Schweden.

Iranische Fußballfans. (Foto: Picture-Alliance)

Iranische Fußballfans

Die 25-jährige Ghoncheh Ghavami reiste in ihre Heimat Iran und wollte dort an einem harmlosen Vergnügen teilnehmen: einem Volleyballspiel. Doch seit der islamischen Revolution im Jahr 1979 ist es Frauen im Iran verboten, an öffentlichen Sportveranstaltungen teilzunehmen.

Ghavami verkleidete sich mit einigen Freundinnen als Männer, um ins Stadion zu gelangen. Doch beim Jubeln fielen sie wegen ihrer Stimmen auf. Sie wurden alle am 20. Juni 2014 verhaftet und einige Tage später ihren Familien übergeben. Sie waren noch einmal mit dem Schrecken davongekommen.

Kein Zutritt für Frauen, auch hier im Azadi-Stadion in der iranischen Hauptstadt Teheran. (Foto: farsnews)

Kein Zutritt für Frauen, auch hier im Azadi-Stadion in der iranischen Hauptstadt Teheran

Lange Haftstrafe für Stadionbesuch

Doch Ghavami wurde kurz darauf erneut festgenommen. Der Vorwurf: Propaganda gegen den Staat. Das Urteil: Ein Jahr Haft. Bis heute sitzt sie im Gefängnis. Laut Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist es "empörend, dass eine junge Frau hinter Gitter gebracht wird, nur weil sie friedlich ihre Meinung zur Diskriminierung von Frauen im Iran geäußert hat." Amnesty fordert die sofortige Freilassung der Iranerin mit britischem Pass.

Auch der britische Premier David Cameron äußerte sich zu dem Fall und sprach im September letzten Jahres mit dem Präsidenten Rohani über Ghavami. Die Chancen stehen jedoch schlecht, dass Ghavami aufgrund ihrer britischen Staatsbürgerschaft eine Strafmilderung erhält. Die doppelte Staatsbürgerschaft wird im Iran nicht anerkannt. Wer einmal iranischer Bürger ist, bleibt es sein Leben lang.

Dieser junge Fan schreibt auf dem Transparent: Liebe Mama, ich wünschte, Du wärst auch hier. (Foto: gazarnews)

Dieser junge Fan schreibt auf dem Transparent: "Liebe Mama, ich wünschte, Du wärst auch hier"

Internationaler Druck auf den Iran

Die Menschenrechtsaktivistin Darya Safai setzt sich mit ihrer Gruppe "let iranian women enter their stadiums" ("Lasst iranische Frauen ins Stadion!") seit Jahren gegen das Verbot von Frauen in Stadien ein. "Mir geht es darum, dass es nicht nur ein Verbot für Frauen in Stadien ist, sondern viel mehr ein Verstoß gegen die Menschenrechte."

Aus diesem Grund schrieb sie am 6. Februar 2015 einen Brief an den FIFA-Präsidenten Joseph Blatter, worin sie ihm die aktuelle Situation deutlich machte und ihn aufforderte, sich noch einmal gegen das Verbot auszusprechen. Der Brief der in Belgien lebenden Aktivistin Darya Safai wurde von mehr als 200 iranischen Wissenschaftlern, Aktivisten und Künstlern, darunter auch von Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi unterzeichnet.

FIFA-Präsident Sepp Blatter besuchte 2013 den Iran. (Foto: EPA)

FIFA-Präsident Sepp Blatter besuchte 2013 den Iran

Blatter, der den Iran im November 2013 besucht hatte, hatte damals im FIFA-Magazin geschrieben: "Als ich in den Iran reiste, wurde ich nicht nur mit einer riesigen Fußballbegeisterung seitens der Bevölkerung konfrontiert, sondern auch damit, dass ein Gesetz im Land Frauen verbietet, als Zuschauerin im Stadion dabei zu sein." Bei einem Treffen mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani sprach Blatter das Thema nach eigenen Angaben an und bat um eine Änderung des Gesetzes, da der Iran Mitglied der FIFA ist und ein derartiges Gesetz für nicht richtig halte. Doch seither hat sich nichts geändert.

Anlässlich des Briefes der Aktivistin wandte sich Blatter noch einmal an den iranischen Präsidenten Rohani und bat ihn erneut, die Regelung schnellstmöglich zu ändern. Bis Dienstag (31.03.2015) gab es noch keine offiziellen Reaktionen von Seiten der iranischen Regierung.

Protestaktion geplant

Im gleichen Zeitraum mischte sich der Dachverband aller nationalen Verbände für Volleyball und Beachvolleyball (FIVB) ein. Demnach wird der FIVB "dem Iran nicht mehr gestatten, Wettbewerbe des Weltverbandes auszutragen, solange es Frauen verboten ist, Volleyballspiele zu besuchen", sagte ein Sprecher des Verbandes gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Der Fall Ghavami und das Engagement Safais haben die Aufmerksamkeit auf die schwierige Lage der Frauen im Iran gelenkt. Am 31.3. wird Safai mit anderen Aktivisten nach Schweden reisen, um bei dem Testspiel Iran gegen Schweden dabei zu sein. Mit Aktionen wollen sie das Thema weiterhin aktuell halten. Die Aktivisten haben Plakate gemalt und T-Shirts bedruckt, die sie an Fußballfans verteilen möchten. Safai möchte, dass die ganze Welt weiß, dass Frauen die gleichen Rechte haben sollten wie Männer.

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