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Welt

Staatstrauer nach blutigen Stadion-Krawallen

Nach den Stadion-Krawallen in Ägypten mit über 70 Toten haben zahlreiche Menschen in Kairo gegen die Sicherheitskräfte protestiert, denen sie Nachlässigkeit vorwerfen. Der regierende Militärrat ordnete Staatstrauer an.

Feuer im Zuschauerraum, im Vordergrund Polizisten (Foto: UPI)

War die Polizei nur Zuschauer während der Ausschreitungen in Port Said?

Vor dem Gelände des Kairoer Fußballvereins Al-Ahly skandierten Aktivisten Parolen, in denen der regierende Militärrat kritisiert wurde. Hunderte versammelten sich zudem vor dem Hauptbahnhof, um aus der Mittelmeerstadt Port Said ankommende Verletzte zu empfangen. Auch in Port Said kam es zu Protesten, bei denen die blutige Gewalt, die nach dem dortigen Erstligaspiel ausgebrochen war, verurteilt wurde.

Militärrat beschwichtigt

Der Chef des Militärrats, Mohammed Hussein Tantawi, ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Beim Empfang der Spieler von Al-Ahli nach ihrer Rückkehr aus mahnte Tantawi zu Zuversicht. "Dies wird unser Land nicht kleinkriegen", sagte er auf einem Stützpunkt der Luftwaffe nahe der Hauptstadt.

Feldmarshal Mohamed Hussein Tantawi, seine hand hebend, hinter ihm Mitarbeiter (Foto: AP)

Feldmarschall Tantawi: "So etwas passiert überall auf der Welt"

Krisensitzung des Parlaments

"Solche Ereignisse passieren überall auf der Welt". Seine Regierung werde die Schuldigen für die blutigen Zusammenstöße zwischen den Anhängern der Vereine Al-Ahli und Al-Masri nicht davonkommen lassen, kündigte er an. Nach Angaben von Innenminister Mohammed Ibrahim wurden bereits 47 Verdächtige festgenommen. Den Chef der Sicherheitskräfte in der Stadt Port Said, Essam Samak, entließ er. Das Parlament kam zu einer Krisensitzung zusammen.

Nach offiziellen Angaben wurden bei den Ausschreitungen in Port Said mindestens 1000 Menschen verletzt. Etwa 150 waren in der Nacht zum Donnerstag in kritischem Zustand. Die Krawalle begannen unmittelbar, nachdem das Spiel beim Stand von 3:1 abgepfiffen worden war.

FIFA: Ein schwarzer Tag für den Fußball

Zuschauer stürmten auf den Platz und machten Jagd auf Spieler der Gästemannschaft. Viele Menschen wurden zu Tode getrampelt oder erdrückt. FIFA-Präsident Sepp Blatter zeigte sich schockiert. Es sei "ein schwarzer Tag für den Fußball", erklärte er. "Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Todesopfer. Ihnen gilt mein tiefes Mitgefühl."

In der regionalen Presse war das Spiel schon vor Beginn als "Treffen der Vergeltung" bezeichnet worden. Al-Ahli zählt zu den bekanntesten und wichtigsten Fußballvereinen des Landes und war lange Zeit ungeschlagen.

Jugendliche Zuschauer vor Stadionmauern, dahinter ein Feuer (Foto: dpa)

Krawall auch in Kairo: aufgebrachte Zuschauer legten Feuer im Stadion

Schwer Verletzte starben in der Kabine

Im arabischen Sender Al Arabija war von 77 Toten die Rede. Einige starben, nachdem sie zur Behandlung in die Kabine der Gäste gebracht worden waren, wie deren portugiesischer Trainer Manuel José im Radio sagte. Zahlreiche schwer verletzte Fans seien von Ärzten seines Vereins behandelt worden, viele seien dabei in der Umkleidekabine gestorben. Unter den Toten sollen auch Sicherheitskräfte sein.

"Die Polizei hat Schuld"

Spieler von Al-Ahli erhoben in lokalen Medien schwere Vorwürfe an den Sicherheitskräften, die nichts unternommen hätten, um sie zu schützen. Im Interview mit einem portugiesischen Sender sagte Trainer José kurz nach den Zwischenfällen:

"Die Schuld hat einzig und allein die Polizei. Es waren Dutzende Beamte im Stadion, aber die sind plötzlich alle verschwunden oder haben gar nichts unternommen." Sein Co-Trainer Oscar Elizondo sprach von politisch gefärbter Gewalt. "Es gibt viel Hass", sagte er. Das Verhalten der Polizei bezeichnete er als Schande.

Auch in Kairo kam es zu Ausschreitungen

Auch in einem Stadion in Kairo war es zu einem ZwischenfalI gekommen. Aufgebrachte Zuschauer legten ein Feuer, nachdem die dortige Partie als Reaktion auf die Ereignisse in Port Said abgebrochen worden war. Der ägyptische Fußballverband EFA setzte vorerst alle Spiele auf unbestimmte Zeit aus.

Autorin: Eleonore Uhlich (dpa, dapd)
Redaktion: Michael Wehling

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