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Deutschland

Spenderorgane sind Mangelware

In Deutschland werden täglich über 4000 Organe transplantiert. Doch die Warteliste ist dreimal so lang. Eine bessere Vernetzung zwischen Patienten, Ärzten und Krankenhaus-Mitarbeitern soll die Situation verbessern.

Spenderorgan (Archivfoto, Quelle: dpa/Jan-Peter Kasper)

Eine Spenderniere wird in einer speziellen Kühlbox transportiert

Hermann Meters hüpft vor Freude von seinem Stuhl. Der 69-Jährige mit den seitlich gekämmten grauen Haaren sitzt im sterilen Flur der Transplantationsstation Köln-Merheim. Er trägt einen blauen Trainingsanzug, Badelatschen und eine Brille auf der Nase. Im Hintergrund sieht man aus dem Fenster einen Rettungshubschrauber über den Baumkronen fliegen. "Wenn man eine neue Niere bekommt, ist es genauso, wie wenn man einen Sechser im Lotto hat."

Vernetzung der Krankenhäuser

Meters hatte erhebliches Glück, denn Organversagen wie bei ihm ist häufig ein Todesurteil. Organspender sind in Deutschland Mangelware. Um die Situation zu verbessern, hat die Europäische Kommission zwei Vorschläge zur Verbesserung der Organspende und -transplantation innerhalb der EU vorgelegt. Ein wichtiger Punkt ist dabei eine gut funktionierende Vernetzung zwischen Patienten, Mitarbeitern und Ärzten in größeren Krankenhäusern. Denn gerade bei der Koordination gibt es noch viel zu verbessern. Das neue Modell erwies sich beispielsweise in Spanien als sehr erfolgreich.

Dialysepatient und Maschine (Quelle: AP)

Nierenkranke Patienten müssen oft jahrelang mehrmals pro Woche zur Dialyse

Auch Benjamin Hoffmann, der zurückgelehnt auf einem der Stühle sitzt, hat nach einer langen Leidensgeschichte endlich wieder Grund zum Lachen. Der 27-Jährige erhielt vor einigen Tagen eine neue Niere. Benjamin kämpfte lange mit einer Nierenkrankheit und musste siebeneinhalb Jahre lang zur Blutwäsche. "Dreimal pro Woche, jeweils fünf Stunden wird das Blut gefiltert und dann wieder zurück in den Körper geführt", erinnert sich Benjamin.

Ein Organspender kann sieben Leben retten

Die Nieren sind körpereigene "Kläranlagen", da giftige Stoffe mit ihrer Hilfe durch den Urin ausgeschieden werden. Außerdem stellen sie sicher, dass der Körper ausreichend Salze und Wasser hat, der Blutdruck richtig ist und produzieren Hormone. In Deutschland stehen Nieren auf der Organ-Transplantationsliste ganz oben. Ein einziger Organspender kann sieben Leben retten, da so viele lebenswichtige Organe von einem Menschen transplantiert werden können. Allerdings: Viele Deutsche wären zwar bereit, eine Organspende bekommen - aber eine zu geben ist für viele immer noch eine andere Sache.

Nahaufnahme: Mensch an Dialysegerät (Quelle: AP)

Am Dialysegerät wird das Blut gefiltert und wieder in den Blutkreislauf zurückgeführt

"Wir haben in Deutschland viel zu wenig Organspender. Die Patienten müssen teilweise Jahre auf ein Spenderorgan warten und rutschen oft in einen kritischen Gesundheitszustand ab", sagt Dr. Wolfgang Arns, Leiter der Transplantationsstation und behandelnder Arzt von Benjamin und Hermann. Die Verteilung der Organe läuft über die Organisation Eurotransplant in den Niederlanden. Das sei eine neutrale Stelle, die nach einem ganz vorgeschriebenen Fahrplan die Empfänger aussuche, erklärt Arns.

Wer ein gespendetes Organ bekommt, wird nach festgelegten Kriterien ausgewählt. So entscheiden die Blutgruppe, die Dringlichkeit, die Wartezeit und die Gewebeeigenschaften über die Rangfolge einer Transplantation. Eurotransplant, dem insgesamt sieben europäische Länder angehören, liefert das Spenderorgan an das jeweilige Krankenhaus. Währenddessen wird der Patient gründlich untersucht, es folgt die Kreuzprobe, ein Test über die Verträglichkeit zwischen Patient und dem Organ.

Frisch implantierte Niere (Quelle: AP)

Eine frisch implantierte Niere wird vom Blut des Empfängers durchströmt.

Obwohl die Niere ein Zwillingsorgan ist, kann ein Mensch auch mit einer Niere gut leben, so dass auch immer nur eine verpflanzt wird. Dadurch kann nicht nur von verstorbenen, sondern auch von lebenden Menschen eine Niere gespendet werden. "Ich hatte akutes Nierenversagen und bekam das Organ von meiner Frau", erzählt der Patient Hans-Ludwig Nick.

Die Nierentransplantation dauert in jedem Fall gut zwei Stunden. Zurück bleibe eine Narbe von 15 cm, sagt Arns. Doch auch nach erfolgreicher Organverpflanzung ginge der Kampf weiter. Besonders schwierig sei der Heilungsprozess, da der Körper ein fremdes Organ oft abstoße. Um das zu vermeiden, muss der Patient eine ganze Reihe so genannter abwehrschwächender Medikamente einnehmen.

Hans-Ludwigs Körper hat sich gegen die Niere seiner Frau gewehrt - sogar noch Jahre nach der Transplantation. Tabletten halfen´. Die muss jeder Transplantierte bis ans Lebensende einnehmen, trotz der vielen Nebenwirkungen. An verträglicheren Medikamenten wird derzeit noch geforscht.

Künstliche Nieren gibt es nicht. Daran denken, dass er die Niere eines Verstorbenen hat, möchte Benjamin nicht. Der 27-Jährige weiß nur, dass der Tote etwa 50 Jahre alt war. Für Benjamin ist nur eines wichtig: "Für mich ist es der Start in ein neues Leben."

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