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Leichtathletik-WM

Speerwerfer haben die 90 Meter im Visier

Die deutschen Speerwerfer dominieren in diesem Jahr. Die zehn weitesten Würfe der Saison gehen auf ihr Konto. Die 90 Meter-Werfer Johannes Vetter und Thomas Röhler sind deshalb die Top-Favoriten auf WM-Gold in London.

Speerwerfer Johannes Vetter jubelt in Luzern über seinen gelungenen Wurf (Foto: picture alliance/Keystone/G.Ehrenzeller)

Johannes Vetter jubelt im Finale des Leichtathletik-Meetings in Luzern über seinen gelungenen Wurf

Der 11. Juli 2017 hat das Leben von Johannes Vetter ziemlich verändert. In Luzern stellte er mit 94,44 Metern einen neuen deutschen Rekord im Speerwerfen auf. Auf diese Weite hatte über 20 Jahre kein Mensch mehr das 800 Gramm schwere und 2,70 Meter lange Sportgerät geworfen. Als wäre das nicht schon genug, gelang dem 24-Jährigen auch eine unglaubliche Serie: Vier seiner Würfe landeten an diesem Abend jenseits der 90 Meter-Marke.

Plötzlich war aus Vetter ein Mitfavorit auf WM-Gold geworden. "Es hat eine Weile gedauert bis ich das alles verkraftet hatte. Das war nicht nur mental, sondern auch körperlich ein anstrengender Wettkampf. Danach fällt man erst einmal in ein Loch. Nicht weil, man sich ausruhen will, sondern weil man innerlich erstmal ein Häkchen macht. Das passiert, wenn man endlich die Weite geworfen hat, die man angestrebt hat", sagt der 24jährige. Dass Vetter nach dieser Wurfserie nicht der Top-, sondern "nur" Mitfavorit auf den WM-Titel ist, liegt an seinem Teamkollegen Thomas Röhler.

Sechs Deutsche erfüllen WM-Norm

Speerwerfer Thomas Röhler feiert seine olympische Goldmedaille in Rio mit der deutschen Fahne (Foto: picture-alliance/dpa/M. Kappeler)

Rio 2016: Thomas Röhler feiert sein olympisches Gold

Der Olympiasieger von Rio hatte die Saison im Mai ebenfalls mit einem Paukenschlag begonnen. Nach seinem 93,30-Meter-Wurf übertraf er danach die 90 Meter in zwei weiteren Wettkämpfen. Vetter und Röhler sind jedoch nur die Spitze einer ganzen deutschen Wurf-Armada. Insgesamt haben sechs DLV-Athleten die WM-Norm geschafft. Nur drei jedoch dürfen jetzt in London starten.

Für Bundestrainer Boris Obergföll sind die Leistungen seiner Schützlinge keine Überraschung. "Wir haben uns in den letzten zwei, drei Jahren kontinuierlich an die 90 Meter heran gearbeitet. Gemeinsam mit den Experten vom Institut für angewandte Trainingswissenschaften in Leipzig haben wir nach den kleinsten Reserven unserer Disziplin gesucht. Das hat dann letztlich zu dieser raketenartigen Entwicklung geführt." Möglichen Zweifeln, die großen Weiten seien mit nicht sauberen Methoden erzielt, hält er die Vielzahl der Doping-Kontrollen entgegen, denen seine Schützlinge in diesem Jahr unterworfen waren.

Mit Gemeinsamkeit zu neuer Stärke

Speerwurf-Bundestrainer Boris Obergföll im Porträt (Foto: picture-alliance/dpa/C. Charisius)

Immer ein Quäntchen mehr: Bundestrainer Boris Obergföll

Obergföll, dessen Bestleistung aus seiner aktiven Zeit bei 90,44 Meter liegt, hat es außerdem geschafft, aus Individualisten ein 'Team Speerwurf' zu formen. Mehrmals im Jahr trifft sich der Bundestrainer mit den Athleten und ihren Heimtrainern zu Workshops. "Da werden Erfahrungen aus dem Training ausgetauscht. Jeder kann sich dort das eine oder andere Detail herauspicken und es mal ausprobieren." sagt Obergföll. "Das Training eines jeden Athleten bleibt jedoch individuell. Es würde auch gar nicht funktionieren, würde der eher schmächtige Thomas Röhler genauso trainieren wie der muskelbepackte Johannes Vetter."

In den gemeinsamen Trainingslagern wird nicht nur hart gearbeitet. Alle haben auch in ihrer Freizeit eine Menge Spaß zusammen. So ist zum Beispiel ein Video entstanden, in dem sie sich und ihre Disziplin Speerwerfen auch ein bisschen auf die Schippe nehmen.

Medaillen sind das Ziel für London

Auf diese Gemeinsamkeit bauen Röhler und Vetter und auch der dritte deutsche London-Starter Andreas Hofmann beim WM-Wettkampf am Samstag. "Wenn du einen Kollegen an der Seite hast, gibt dir das einen Flow", meint Vetter.

Video ansehen 01:03

Was Speerwerfer so in ihrer Freizeit machen

"Wir werden im Callroom, ja sogar noch beim Einwerfen unsere Späße machen und uns unterstützen", ergänzt Röhler. "Erst im Wettkampf ist jeder auf sich selbst fokussiert und versucht seine Leistung zu bringen."

Dass Medaillen ihr großes Ziel sind, daraus machen sie keinen Hehl. Es wäre auch nicht glaubwürdig angesichts ihrer geworfenen Weiten und ihrer Wettkampfstabilität. Das heißt jedoch nicht, dass sie ihre Kontrahenten unterschätzen. "Da sind einige dabei, die können auf Grund ihrer Klasse jederzeit einen ganz weiten Wurf raushauen", sagt Olympiasieger Röhler. "Darauf werden wir eingestellt sein."

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