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Leichtathletik-WM

Rauschende Leichtathletik-Party in London

Bei der Leichtathletik-WM sorgen die Gastgeber einmal mehr für eine unvergessliche Atmosphäre. Tag für Tag herrscht in dem meist proppenvollen Olympiastadion viel Stimmung. Einen Ausrutscher gab es aber doch.

London feiert bei der WM eine riesiges Leichtathletik-Fest und nicht nur die die deutschen Athleten um Diskus-Ass Robert Harting und Sprint-Shootingstar Gina Lückenkemper kommen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. "Die Atmosphäre in diesem Stadion ist surreal", sagte Lückenkemper, die über 100 Meter als erste Deutsche seit 26 Jahren im Vorlauf unter elf Sekunden geblieben war: "Das Publikum feuert wirklich jeden an, das ist etwas sehr Besonderes für uns. Das gibt es nicht in jedem Stadion und hat mich echt gepusht, Gas zu geben."

Schon am Vormittag ist die Arena mit ihren 60.000 Plätzen meist proppenvoll und die La-Ola-Welle wiegt regelmäßig durch das Rund. Am Abend kommt dann die Steigerung, wenn das Dezibel-Level nach oben schießt. Im Londoner Olympiastadion von 2012 herrscht in diesen Tagen eine Euphorie, wie man sie sonst eigentlich nur vom Fußball kennt - und natürlich schon von den Olympischen Sommerspielen 2012 an gleicher Stelle.

Vorbild Olympia 2012

Mo Farah jubelt in London über seine Goldmedaile (Foto: picture alliance/dpa/Actionplus)

Prächtige Stimmung ist ansteckend: Mo Farah in London

Das (damals) 80.000 Zuschauer fassende Stadion im Stadtteil Stratford war während der olympischen Leichtathletik-Wettbewerbe fast durchgehend ausverkauft. Schon vor fünf Jahren hatte das Publikum für konsequente Gänsehaut-Stimmung gesorgt. "Das war der Wahnsinn, diese Momente werde ich für immer behalten", sagte die britische Siebenkampf-Queen Ennis-Hill, die auf ihrem Weg zu Gold ein Hexenkessel begleitete.

Ennis-Hill, Harting mit seinem legendären Lauf über die Hürden nach seinem Diskus-Gold, aber auch der zweite britische Superstar Mo Farah - sie brachten das Riesen-Rund zum Kochen. "Es wurde lauter und lauter. Besser wird's nicht mehr in meinem Leben", sagte Farah, der zu Gold über 5000 und 10.000 Meter stürmte. Noch lauter war es nur bei Bolts Goldläufen über 100 und 200 Meter. "Das war pure Energie", meinte Jamaikas Superstar.

Nimmer müdes London

Bei den Weltmeisterschaften rechnen die Macher bis zum Schlusstag am Sonntag mit insgesamt rund 700.000 Zuschauern. IAAF-Präsident Sebastian Coe nannte die Fans aber schon jetzt das "beste Publikum der Geschichte". Allerdings ist er als gebürtiger Londoner wohl auch ein bisschen voreingenommen. Doch auch die Deutschen teilen Coes Meinung. "Die Stimmung ist gigantisch, das ist ein riesiger Unterschied zu Rio", sagte Kugelstoßer David Storl. Wie er haben viele noch die müden WM-Veranstaltungen von Daegu, Moskau und Peking im Hinterkopf, als von Begeisterung auf den Rängen keine Spur war. Und bei den Olympischen Spielen in Rio war das Stadion noch nicht einmal beim 100-Meter-Finale mit Usain Bolt ausverkauft.

IAAF-Präsident Sebastian Coe spricht bei der WM 2017 in London (Foto: picture-alliance/dpa/A.Denisov)

Heimspiel für Sebastian Coe: Aber der IAAF-Präsidnet lobt London zu Recht

Ganz anders präsentiert sich eben London: "Das ist verblüffend, schon zu den Qualifikationen kommen so viele Leute. Atemberaubend", sagte Harting, der fünf Jahre nach seinem Olympiatriumph in der britischen Hauptstadt diesmal Sechster wurde. Und Läuferin Ruth Sophia Spelmeyer meinte: "Die Briten sind sportverrückt, und Leichtathletik hat einen großen Stellenwert. Alle werden angefeuert."

Umstrittene Buhrufe

Und die große Fete an der Themse legt die Latte für die Heim-EM in Deutschland im kommenden Jahr natürlich jetzt schon extrem hoch. "Ich hoffe, dass nächstes Jahr bei uns in Berlin genau so eine Stimmung herrschen wird", sagte Stabhochspringerin Lisa Ryzih bei sportschau.de: "Das ist das Größte, was wir in der Leichtathletik erleben können." Zumal bei der Wüsten-WM 2019 in Katar nicht mit überschwänglicher Begeisterung gerechnet werden darf.

Justin Gatlin (l.) überquert die Ziellinie beim 100-Meter-Finale (Foto: Picture-Alliance/AP Photo/M. Dunham)

Justin Gatlin (l.): Jubel beim Zieleinlauf, trotz der Buhrufe

Nur einmal kannten die fachkundigen Londoner Zuschauer keine Gnade: Als der zweimal des Dopings überführte Justin Gatlin zu 100-Meter-Gold stürmte, wollten sie ihn nicht bejubeln, sondern taten das Gegenteil - wohl noch nie gab es bei einer Leichtathletik-Veranstaltung so viele Buhrufe. Es ist der bisher einzige Ausrutscher des sonst so fairen Publikums. Der US-Amerikaner ist schließlich nicht der einzige überführte Dopingbetrüger, der bei der WM am Start ist - oder bei dem Zweifel angebracht sind.

ck/jw (sid, sportschau.de)

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