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Wirtschaft

Spare (noch) nicht, Amerika!

Die Amerikaner sollen ihren Konsum nicht mit Krediten finanzieren, fordern die wichtigsten Handelspartner der USA. Aber jetzt bekommen sie Muffensausen: Die Amerikaner konsumieren tatsächlich weniger auf Pump.

Kreditkartenreklame am Ausgang einer Tiefgarage in New York (Foto: AP)

Abschied vom geliebten Plastik-Geld?

Jahrzehntelang haben die Amerikaner über ihre Verhältnisse gelebt. Ein exzessiver Konsum - finanziert über billigste Kredite und scheinbar unaufhörlich steigende Häuserpreise. Seit der Krise ist jedoch Ernüchterung eingekehrt: Die Amerikaner sind pleite. Für die Wirtschaft wird das gravierende Folgen haben, sagt Joshua Shapiro, Chefökonom bei dem Prognoseinstitut Maria Fiorini Ramirez: "Firmen, die sich nur auf den US-Konsumenten und den US-Markt konzentrieren, werden weiter schwierige Bedingungen vorfinden, und zwar für viele Jahre. Sie werden auf aggressive Weise Kosten kontrollieren und sich zum Teil auch die Existenzfrage stellen müssen. Besonders in einer Umwelt, in der der Konkurrenzdruck zunimmt."

Höherer Wettbewerbsdruck, geringere Umsätze. Konsumiert der US-Bürger weniger, trifft das Firmen auf dem ganzen Globus. Sieben Prozent der deutschen Exporte gehen in die USA - Brasilien liefert 14 Prozent seiner Exporte in die USA und China sogar 19 Prozent. Die Weltwirtschaft hängt an der Kaufkraft der Amerikaner, der größten Volkswirtschaft der Welt. Dennoch: Der leichtfertige Umgang mit Krediten war eine der Hauptursachen der Finanzkrise. Lehren aus der Krise zu ziehen, das heißt für die US-Regierung deshalb auch, die Amerikaner zum Sparen zu motivieren.

Nationaler Sparplan

US-Präsident Barack Obama (Foto: AP)

Barack Obama: "Wir können nicht weitermachen wie bisher."

So wirbt denn auch Barack Obama für Zurückhaltung: "Wir können nicht weiter machen wie bisher. Und wir können sicherlich nicht zu einer Wirtschaft zurückkehren, die auf übersteigerten Gewinnen und ausgereizten Kreditkarten basiert. Wir müssen die Wirtschaft wiederbeleben und sie stärker aufbauen als zuvor. Und wir müssen sicherstellen, dass die Menschen die Möglichkeit und auch Anreize haben, zu sparen. Für ein Haus oder die Schulausbildung, für die Rente oder schlechte Tage."

Der US-Präsident hat einen nationalen Sparplan aufgelegt. Es soll damit für die Bürger einfacher werden, Geld zurückzulegen. Die Amerikaner stecken auch nicht mehr ihr komplettes Einkommen in den Konsum. 2009 werden sie voraussichtlich rund 2,5 Prozent ihrer Schulden abbauen. Doch der Weg ist lang. Noch stehen US-Bürger mit über 13 Billionen Dollar in der Kreide. Das sind durchschnittlich, Baudarlehen und Kreditkarten eingerechnet, 115.000 Dollar pro Haushalt. Und wenn sie könnten, würden viele Konsumenten so weiter machen wie bisher.

Der Wirtschaftsmotor stottert

Mann mit Einkaufstüten (Foto: dpa)

"Einkaufen kurbelt die Wirtschaft an"

"Man kurbelt mit dem Einkaufen die Wirtschaft an. Also muss man einkaufen", das ist nach wie vor die Einstellung vieler Amerikaner. Andere sagen, sie würden gerne mehr sparen. Aber es sei schwer, das zu schaffen. Immerhin setzt sich bei einigen die Erkenntnis durch: "Nur von der Kreditkarte zu leben ist falsch. Aber manchmal ist es das Einzige, was man tun kann." Es ist eine vertrackte, eine widersprüchliche Situation, sagt Ökonom Shapiro: "Über Jahre hinweg haben alle gesagt, die USA sollen mehr sparen. Das passiert jetzt. Aber damit kommen auch Anpassungsprozesse in Gang. Jetzt sind wir in einer merkwürdigen Situation: Der Konsument macht das, was alle von ihm verlangt haben. Aber wir versuchen die Effekte zu kaschieren, indem wir dem Konsumenten sagen: 'Gib ein bisschen mehr Geld aus, mach ein bisschen mehr Schulden, Mach das nicht alles auf einmal’."

Was passiert, wenn sich der US-Konsument tatsächlich für ein bescheidenes Leben entscheidet, will sich Shapiro lieber nicht ausmalen. Eines aber steht für ihn schon jetzt fest: Die Unternehmen sollten sich auf Veränderungen einstellen. Langfristig werde der US-Konsument seine Stellung als Wirtschaftsmotor der USA verlieren. Das Wachstum müsse aus anderen Bereichen kommen. Das fordert auch US-Präsident Barack Obama. Doch den Wandel wird es nicht über Nacht geben. Das kann über eine Generation dauern. Bis es soweit ist, heißt es weiterhin: shop till you drop. Spare (noch) nicht, Amerika!

Autorin: Carina Körner
Redaktion: Rolf Wenkel

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