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Europa

Spanien trocknet den Terrorismus aus

Der Vormarsch des internationalen Terrorismus hat in Spanien dazu geführt, dass die baskische Terrororganisation ETA ihre einstige Gewalt-Strategie revidieren musste. Der 11. März 2004 besiegelte diesen Prozess.

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Hunderttausende Menschen demonstrierten am 12.3.2004 in Madrid gegen die Bombenanschläge vom Vortag

Als am 11. September 2001 die Zwillingstürme in New York einstürzten, hat sich Spanien gründlich verändert. Die politische Realität des Landes blieb nicht unberührt vom größten terroristischen Angriff der Geschichte, der auch als eigentlicher Beginn des 21. Jahrhunderts bezeichnet wird. Die Verschärfung des internationalen Terrorismus bedeutete den Anfang vom Ende des internen spanischen Terrorismus und der baskischen Terrororganisation ETA.

Bush und Aznar

Nach dem Angriff von El-Kaida auf das finanzielle Herz der Vereinigten Staaten begann Bush einen Krieg gegen den Terrorismus. Eines seiner Hauptanliegen war, die Terroristen außerhalb der Grenzen der Vereinigten Staaten zu bekämpfen. Jedoch konnte Bush seinen Kreuzzug nicht ohne Unterstützung des Westens führen, wenn er dessen Legitimität international nicht aufs Spiel setzen wollte. Der amerikanische Präsident konnte nicht nur auf den Rückhalt des immer treuen Tony Blair setzen, sondern fand auch im damaligen spanischen Präsidenten, dem Konservativen José María Aznar, einen engen Verbündeten. Das bekannte Foto von den Azoren besiegelte öffentlich diese Dreier-Allianz gegen den internationalen Terrorismus.

Die uneingeschränkte Unterstützung Aznars wurde durch eine Gegenleistung belohnt: der spanische Präsident erhielt Washingtons Unterstützung bei seinem Kampf gegen ETA. Dafür nahm das nordamerikanische Außenministerium ETA-Mitglieder in seine schwarze Liste der internationalen Terroristen auf; es half dabei, den finanziellen Gürtel um ETA enger zu schnallen und erhöhte die Kooperation, um Mitglieder der Organisation auch in jenen Ländern verfolgen zu können, in die sie geflüchtet waren (momentan sitzen um die 150 ETA-Mitglieder in französischen Gefängnissen ein). Letztendlich schaffte Aznar es, seinen blutigen Kampf gegen die baskische Terroristengruppe in den globalen Kreuzzug zu integrieren, den sein enger Verbündeter George W. Bush führt.

Bombenanschläge in Madrid

Die Terror-Anschläge am 11. März 2004 besiegelten die Abkehr der ETA von der Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung

Der 11. März war der spanische 11. September

Am 11. März 2004 erhielten Aznar und mit ihm das ganze Land die Quittung für die Kooperation mit Bush: Angriffe islamistischer Terroristen auf Züge in Madrid hinterließen fast 200 Tote und Hunderte von Verletzten. Das Attentat fand drei Tage vor den Parlamentswahlen statt, für welche die Umfragen einen klaren Sieg der PP (Partido Popular) prognostiziert hatten, so dass deren Kandidat Mariano Rajoy als Nachfolger Aznars galt. Aznars eindeutige Befürwortung des Irakkrieges und Bushs kamen bei Spaniens Wähler nicht an.

Entgegen allen Prognosen verlor die PP die Wahlen vom 14. März jedoch; heute stellt die einstige sozialistische Opposition mit José Luis Rodríguez Zapatero den Präsidenten. Auf die Frage, warum die spanische Gesellschaft nicht genauso reagiert habe, wie die nordamerikanische nach dem 11. September, wo 94 Prozent der Bevölkerung Bush und seine Krisenbewältigungsstrategie unterstützten und ihn im November 2004 wieder wählten, antwortet Peter Waldmann, Professor für Soziologie an der Universität Augsburg: "Spanien gehört mit Sicherheit zu jenen westlichen Ländern mit der größten Erfahrung mit dem Phänomen des Terrorismus. Daher hat die öffentliche Meinung eine sehr differenzierte Haltung gegenüber den Erfolgen, aber auch den Grenzen einer Politik der harten Hand. Folglich entspricht Spanien nicht der Regel, nach welcher sich eine Krise, die durch einen terroristischen Angriff hervorgerufen wurde, besonders für die Politiker der harten Linie vorteilhaft auswirkt; wie Bush, Sharon, Putin oder eben Aznar."

Lesen Sie weiter: Warum ETA spätestens seit dem 11. März 2004 in Spanien nicht mehr auf Gewalt setzen kann.

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