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Politik

Sorge um Geiseln

Das Schicksal der beiden im Irak entführten Italienerinnen ist ungewiss. Angeblich sollen sie hingerichtet worden sein. Die Staatsspitzen in Rom, London und Washington wollen nicht mit den Entführern verhandeln.

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Simona Torretta (links) und Simona Pari - seit zwei Wochen entführt


Auf Berichte über die angebliche Ermordung der Italienerinnen reagierte die Regierung in Rom am Donnerstag (23.9.) mit großer Skepsis. Es gebe Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Internetseite, verlautete aus Geheimdienstkreisen. Regierungskreise in Rom schließen nicht aus, dass es sich bei der Internet-Nachricht über die angebliche Ermordung der beiden Frauen um eine "Provokation" der Terroristen handeln könnte. Das
berichtet das staatliche italienische Fernsehen.

Die arabischen TV-Sender El Dschasira und El Arabija hatten mit Hinweis auf eine arabische Internetseite gemeldet, die beiden Italienerinnen seien getötet worden, weil ihre Regierung die Forderung nach einem Truppenabzug aus dem Irak nicht erfüllt habe.

Die Frauen waren vor mehr als zwei Wochen in Bagdad verschleppt worden. Wenige Tage später hatte eine bis dahin unbekannte Gruppe namens Islamische Dschihad Organisation gedroht, beide zu töten, falls Italien nicht binnen 24 Stunden seine Truppen aus dem Irak abziehe.

Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Erklärung

Simona Pari und Simona Toretta in Irak entführt

Simona Torretta arbeitete für die Hilfsorganisation "Un Ponte Per Baghdad"

Der Arbeitgeber der beiden Italienerinnen hielt die neue Erklärung für wenig glaubwürdig. "Wir warten auf weitere Informationen", teilte die Hilfsorganisation "Un Ponte per Baghdad" im Internet mit. Simona Pari und Simona Torretta waren am 7. September in Bagdad verschleppt worden. Sie hatten für Hilfsprojekte zu Gunsten irakischer Kinder gearbeitet. Torrettas Mutter hoffte auf konkretere Informationen des italienischen Außenministeriums. "Das Ministerium prüft die Glaubwürdigkeit der Botschaft, die uns wie ein Schicksalschlag getroffen hat, auch wenn sie nicht sehr glaubwürdig scheint", zitierte die italienische Nachrichtenagentur Ansa Annamaria Torretta.

Die Regierung in Rom hat es abgelehnt, sich den Forderungen der Entführer zu beugen. Italien stellt mit 2700 Soldaten das drittstärkste Truppenkontingent im Irak. Dort haben Extremisten seit April zahlreiche Ausländer verschleppt, um den Abzug ausländischer Truppen und Unternehmen aus dem Land zu erpressen. Viele Geiseln kamen wieder frei, jedoch wurden auch zahlreiche getötet.

Entführter fleht um Hilfe

Der im Irak entführte Brite Kenneth Bigley befand sich am Donnerstag weiter in der Gewalt von Moslemextremisten. In einer Videoaufzeichnung auf einer Internetseite flehte er den britischen Premierminister Tony Blair um Hilfe an. Dies verändere die Position der britischen Regierung zu der Geiselnahme nicht, sagte der britische Außenminister Jack Straw am Mittwochabend im BBC-Fernsehen. Die Regierung in London betonte, sie habe zu keinem Zeitpunkt mit den
Entführern verhandelt und weder die irakischen Behörden noch die USA um die Freilassung von Häftlingen gebeten.

London und Washington bleiben hart

Auch US-Außenminister Colin Powell schloss Verhandlungen mit den Entführern von Ausländern im Irak kategorisch aus. Zugeständnisse könnten nur zu weiteren Geiselnahmen ermutigen, sagte Powell am Rande der UN-Generalversammlung in New York.

Ein verschlossenes Tor in Irak Bagdad Geiselnahme

Geschlossen: die Hilfsorganisation "Un Ponte per Baghdad" nach der Geiselnahme

Der Brite war vor einer Woche gemeinsam mit zwei US-Bürgern von der radikalen Gruppe des El-Kaida-Verbündeten Abu Mussab el Sarkawi in Bagdad entführt worden. Die Gruppe drohte, die drei Geiseln zu töten, sollten nicht alle irakischen Frauen aus zwei Gefängnissen entlassen werden. Dem US-Militär zufolge sitzen in den Haftanstalten allerdings nur zwei Frauen ein, die jedoch nicht freikommen sollen.

Der Amerikaner Eugene Armstrong war am Montag enthauptet worden, einen Tag später töteten die Entführer seinen Landsmann Jack Hensley, der am Mittwoch 49 Jahre alt geworden wäre.

Angesichts der jüngsten Entführungen und Ermordungen zog die deutsche Hilfsorganisation HELP ihre vier internationalen Mitarbeiter - zwei Deutsche, ein Franzose und ein Australier - aus dem Irak ab. HELP hilft bei der Minenräumung und Wasseraufbereitung.

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