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Politik

Sonnenschein und Anti-Amerikanismus

35 Millionen Südkoreaner sind diesen Donnerstag (19.12.02) aufgerufen, ein neues Staatsoberhaupt zu wählen. Das Rennen ist völlig offen. Da es dem Land wirtschaftlich gut geht, bestimmte die Außenpolitik den Wahlkampf.

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Hofft auf den Erfolg: Kandidat Lee Hoi Chang

Im Februar 2003 sollen nach mehr als 50 Jahren Trennung jeweils hundert Menschen aus Nord- und Südkorea ihre Angehörigen wiedersehen. Darauf haben sich die Regierungen beider Länder während ihrer jüngsten Gespräche geeinigt. Das Treffen ist ein wichtiger Bestandteil der "Sonnenscheinpolitik" von Südkoreas jetzigem Präsidenten Kim Dae Jung - Aussöhnungs-Bestrebungen, für die der scheidende Präsident den Friedensnobel erhielt.

In Südkorea ist diese Politik nicht unumstritten. Bei den Präsidentschaftswahlen an diesem Donnerstag (19.12.2002) müssen sich die Wähler aufs neue zwischen Gegnern und Befürwortern dieser Entspannungspolitik entscheiden - und die Wahl scheint völlig offen. Erst am späten Abend (Ortszeit) ist mit ersten Ergebnissen der spannenden Wahl zu rechnen.

"Geduld zu Ende"

Die außenpolitischen Beziehungen sind das alles entscheidende Thema beim Ringen um das Präsidentenamt. Das meint auch der Politikwissenschaftler Professor Werner Pfennig von der Freien Universität Berlin. Die Kandidaten versuchten zwar, auch durch wechselseitige Korruptionsvorwürfe Punkte zu machen, doch diese ließen die Wähler vergleichseweise kalt. Korruption sei in einem Land wie Südkorea ohnehin gang und gebe, sagt Pfennig. Letztlich würde das Wahlkampfergebnis von der außenpolitischen Positionierung der Kandidaten abhängen. Zurzeit liefern sie sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Der Kandidat der konservativen Opposition, Lee Hoi Chang, verschaffte sich mit seiner Kritik an einem allzu laxen Umgang mit Nordkorea Zuspruch unter den Wählern. "Südkorea hat mit der Sonnenscheinpolitik zu viel Rücksicht auf Nordkorea genommen", so Hoi Chang. "Unsere Geduld ist Zu Ende." Der 67-Jährige reagierte damit vor allem auf die unlängst bekannt gewordene nordkoreanische Raketenlieferung an den Jemen sowie diverse Verstöße des Nachbarlandes gegen das Nuklearabkommen mit den USA. Lee gilt als Kandidat der koreanischen Großunternehmen - und setzt auf eine enge Zusammenarbeit seines Landes mit den USA.

Wutausbruch gegen die USA

Wahlkampf in Südkorea

Lee Hoi Changs Rivale Roh Muh Hyun

Doch gerade die Beziehungen zu den USA sind bei dieser Wahl ein hochemotional besetztes Thema. Seine pro-amerikanische Haltung hat Hoi Chang nach neuesten Umfragen seinen bisher deutlichen Vorsprung gekostet. Dies steht im Zusammenhang mit der Entscheidung eines amerikanischen Militärgerichts, zwei im Südkorea stationierte GIs freizusprechen. Die Soldaten hatten im Juni zwei 14-jährige Mädchen mit ihrem gepanzerten Fahrzeug überfahren.

Das Urteil hatte einen regelrechten Wutausbruch innerhalb der Bevölkerung zur Folge. Anfang dieser Woche protestierten allein in der Hauptstadt Seoul 50.000 Menschen gegen die seit 1945 anhaltende Stationierung amerikanischer Truppen im Land. Sie verbrannten die amerikanische Flagge, auf Transparenten wurden die USA als "Reich des Bösen" bezeichnet.

"Wie ein Waisenkind"

Die Stimmung in der Bevölkerung kommt Hoi Changs wichtigstem Gegenkandidaten Roh Moo Hyun zugute. Der Kandidat der regierenden demokratischen Millenniumspartei profiliert sich seit Jahren als scharfer Kritiker des amerikanischen Einflusses in der Region: Schon in den neunziger Jahren setzte er sich für einen Abzug der in Südkorea stationierten 37.000 US-Soldaten ein. Die Welle des Anti-Amerikanismus spülte Roh nun in den Umfragen nach vorne. Roh setzt sich für die Fortführung der Entspannungspolitik gegenüber Nordkorea ein - es gehe schließlich um "Krieg oder Frieden". Er sei gegen wirtschaftliche Sanktionen und militärischen Druck: "Wenn das schief läuft ist es sehr gefährlich", so Roh. Aber fraglos müsse Nordkorea sein Atomwaffenprogramm aufgeben, sonst "bleibt es allein wie ein Waisenkind."

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