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Musik

Song-Contest-Tagebuch aus Baku: Tag 2

In Aserbaidschan wird Gastfreundschaft groß geschrieben - ein Erbe der orientalischen Kultur. ESC-Besucher können das stündlich am eigenen Leib erleben. Unterwegs mit DW-Reporterin Suzanne Cords.

Heute hat mich Roman Lob in den Arm genommen. Und mit Thomas D. hab ich ein Bier getrunken. Dabei begann der Morgen eher grau. Nicht nur, weil es regnete. Nach fünf Stunden Schlaf musste ich erst einmal den Kampf mit der azerischen Hoteldusche bestehen. (Randnotiz: Das heißt "azerisch" und nicht "aserbaidschanisch", hab ich gestern gelernt).

Herzlich willkommen in Aserbaidschan

Auch in deutschen Duschen ist die Wanne schon mal undicht, und Seifenlaugen fluten den Boden. Allerdings standen noch nie vier Mechaniker mit einem einzigen Schraubenschlüssel gleichzeitig bei mir im Bad, begleitet von zwei Putzfrauen, die mir ein fröhliches "Welcome to Azerbaijan" entgegen schmettern.

Es wird mein Spruch des Tages. Der Kellner beim Frühstück, der Taxifahrer und die jungen Mädchen auf der Strasse: Alle heißen sie mich herzlich willkommen. Und nicht nur sie, auch der Präsident, der noch wie vor von seinen Werbetafeln auf mich herunter lächelt.

Souvenierstand mit unzähligen kleinen Nützlichkeiten (Foto: DW/Suzanne Cords)

Souvenirs, Souvenirs...



Schnäppchen am Souvenirstand

In der Nacht hat es geregnet, doch gen Mittag sind es schon 30 Grad. Nur ESC-Touristen laufen bei dieser Hitze durch die steilen Straßen der Altstadt, und selbst die schwächeln nach wenigen Hunderten Metern. An jeder dritten Ecke steht ein Info-Kiosk, wo man mit einem herzlichen Willkommen und einem Stadtplan ausgestattet wird , außerdem mit einem Audio Guide, der durch das Labyrinth der Gassen geleitet, vorbei an Moscheen, maurischen Bauten und der Stadtmauer.

Verirrt hab ich mich trotzdem, aber neben dem Souvenirstand steht ein Polizist in Uniform, der kann vielleicht helfen. "Herzlich willkommen in Aserbaidschan", ruft er mir auf Englisch schon von weitem entgegen. Im nachfolgenden Dialog auf Türkisch stellt sich heraus, dass er keineswegs Polizist, sondern Herr über die kitschigen Andenken ist.

Da ich den Ehegatten zuhause gelassen habe, kann ich getrost zuschlagen. Diese orientalischen Pantoffeln sind doch allerliebst, und dieses golden-lilane Tuch sieht aus wie meine Bettdecke im Hotel. Vielleicht doch lieber den Samowar oder die Puppe in traditioneller Tracht auf dem Plüschesel? Am Ende wird es ein Kühlschrankmagnet in Kaviardosenform für zwei azerische Manat; es ist schließlich kein Ehemann dabei, der die Sachen den ganzen Tag tragen könnte.

Eine Fahrt nach Nirgendwo

Alte Frau sitzt auf einer Bank (Foto: DW/Suzanne Cords)

Alltag in Baku

Durch die mangelnde Ortskenntnis der Taxifahrer am Vortag sensibilisiert, beschließe ich, rechtzeitig einen Wagen zu nehmen. Schließlich hat die Deutsche Botschaft eingeladen, die leider am anderen Ende der Metropole liegt. Ein cleverer Schachzug. Zwar heißt der Fahrer die Deutsche herzlich willkommen in Aserbaidschan, aber erst nach drei Kilometern Fahrt erwähnt er beiläufig, dass er die Botschaft nicht kenne. Ich halte ihm die Adresse unter die Nase die kennt er auch nicht, ob ich nicht anrufen wolle?

Leider läute ich außerhalb der Geschäftszeiten an, erläutert mir eine freundliche Telefonstimme auf Deutsch, Englisch und in perfektem Azerisch, was dem Fahrer aber auch nicht weiter hilft. Kein Wunder, dass keiner den Anruf annimmt, die feiern alle im Garten den Empfang mit Roman Lob, und ich sitze im Taxi nach Nirgendwo. Immerhin gewinne ich erstaunliche Einblicke in das Straßenleben.

Wagemutig stürzen sich die Einheimischen zwischen die heranrasenden Autos, um die achtspurige Bahn zu überqueren. Alles hupt, aber es passiert nichts. Nicht mal eine streunende Katze wird angefahren. Wobei ich bis dato weder Katze noch Hund in Baku gesehen habe, fällt mir auf.

Kartoffelsalat mit Umarmung

Anderthalb Stunden später. Ich esse Kartoffelsalat mit Würstchen und fühle mich wie zuhause. Keiner hat mich willkommen geheißen, aber dafür gibt es Bier und alle Dialekte von Schwäbisch bis Sächsisch. Und dann kommt Roman. Roman Lob. Unser Star für Baku.

DW-Interview mit Lob Roman Lob

Deutschlands Hoffnungsträger wirkt gut gelaunt und verbindlich im Gespräch mit den DW-Reportern Suzanne Cords und Matthias Klaus

Ich hätte nie gedacht, dass ich mich als Frau fortgeschrittenen Alters darum reiße, dass mich ein Jungspund fürs Foto in den Arm nimmt. Aber der Junge ist sympathisch. Kartoffelsalat mag er auch, aber nach einer Woche in Aserbaidschan vermisst er vor allem Sauerkraut. Thomas D, sein Mentor, steht eher auf ein kühles Helles. Prost, Thomas, und viel Erfolg Euch beiden am Samstag. Für so viel Solidarität bekomme ich einen "Vote for Roman"-Anstecker. Und ich sage jetzt nicht, wer mein Favorit ist…

Kleine Security Probleme

Polizist mit Schlagstock vor Gebäude (Foto: DW/Suzanne Cords)

Kontrolle ist alles

Der Weg zur Crystal Hall verläuft problemlos. Der bombastische Bau ist ja auch schon von weitem zu sehen, kann man eigentlich gar nicht verfehlen. Und dann geht es zu den Proben rein in die in allen Regenbogenfarben beleuchtete Halle. Das heißt, ich würde ja gern hinein zu den Proben, aber offenbar hat die Security den Spruch "Welcome to Azerbaijan" nicht verinnerlicht. Gestern Nacht habe ich vergessen, mich mit dem Presseticket ordentlich auszuloggen, dafür muss ich jetzt büßen.

Rucksackkontrolle, Mikrofonkontrolle, meine Wasserflasche wird zunächst beschnüffelt, an den Kollegen weitergeben, und auch dort besteht das echt kaukasische Nass nicht den Riechtext. "Das ist wirklich nur Wasser", werfe ich schüchtern ein. Und endlich darf ich die ausgeleerte Flasche wieder einpacken und meiner Wege ziehen. Ich gehöre definitiv nicht zu den befürchteten islamischen Fundamentalisten.

ESC-Bühne in eiskaltem blau (Foto: DW/Suzanne Cords) Mai, 2012, Baku

Die Crystal Hall im Probezustand



Dann endlich betrete ich die Kristallhalle. Überdimensionale Ausmaße, eigentlich ist hier Hallenfeeling, soweit das Auge reicht. Dazu gibt es eine Indoor Lasershow und gigantische Leinwände, so dass man auch auf dem letzten Platz noch was sehen kann. Die Vorjahresgewinner singen, Ell und Nikki, und dann kommt unsere Lena mit schiefen Tönen, aber gewagtem Schlitz im Kleid, dazu trommeln Musiker in traditioneller Tracht. Und auf allen Bildschirmen leuchten die Worte "Welcome to Azerbaijan". Ein gelungener Abschluss des Abends: zumal mein Fahrer zum Hotel ein Navi hat!! So schnell war ich noch nie im Qafqaz Park. "Welcome" lächelt der Hotelpage.
"Gefällt es Ihnen bei uns in Aserbaidschan?"