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Wissen & Umwelt

Solarstraßen: (Noch) ein teures Pflaster

Frankreich möchte 1000 Kilometer seiner Straßen mit Solarzellen bedecken. Aber kann das überhaupt funktionieren? Und sind die Solarstraßen ihr Geld wert? Wir haben nachgefragt.

Glitzernde Solarzellen bedecken die Straßen und gewinnen Energie aus der Kraft der Sonne - eine realistische Zukunftsvision oder doch nur Science-Fiction? Die französische Umweltministerin Ségolène Royal verfolgt offenbar genau diesen Plan: Sie möchte in den nächsten fünf Jahren insgesamt 1000 Kilometer Straße in Frankreich umbauen.

Das ist nicht das erste Mal, dass solch eine Idee durch die Medien geht. In den Niederlanden wurde im November 2014 ein 70 Meter langer Fahrradweg in Betrieb genommen, der alle Erwartungen übertraf. Sollten wir uns nun darauf einstellen, dass bald all unsere Straßen mit Solarpaneelen gepflastert werden - der Umwelt zuliebe?

Was bringen Solarstraßen?

Ziel ist es, Oberflächen zu nutzen, die ohnehin vorhanden sind: zum Beispiel Straßen, Parkplätze oder weitläufige Industriegelände. Sie alle kämen als Solarflächen infrage. "Damit hätten wir einen doppelten Nutzen dieser Flächen", sagt Donald Müller-Judex, Leiter von Solmove, einem Unternehmen, das die Solarstraßen nach Deutschland bringen möchte.

Wattway Straße mit Solarzellen (Foto: COLAS – Joachim Bertrand).

Der französische "Wattway" ist nur wenige Millimeter dick und wird auf den Straßenbelag gelegt

In Europa gibt es mehr als 10,5 Millionen Straßenkilometer. 650.000 davon befinden sich in Deutschland. Theoretisch steht also eine ganze Menge Fahrbahn zur Verfügung. "Dann müsste man keine Wiesen oder Felder mehr für Solarkraft beanspruchen", so Müller-Judex.

Kommt jede gepflasterte Fläche dafür infrage?

Nein! Viel befahrene Autobahnen sind nicht die ideale Oberfläche für die Sonnenkollektoren. Denn durch die vielen Autos gibt es auch viel Schatten - und das mindert die Effizienz.

Somit könnte theoretisch jede Fahrbahn ein Problem sein, sagt Craig Morris, Autor von "Energy Switch" und Blogger bei "Energy Transition". "Schatten ist tödlich für Solarkraft. Aber wenn es nun mal Autos gibt, ist auch Schatten unumgänglich." Solarpaneele sollten besser auf dem Auto als darunter platziert werden, schlägt er vor.

Wattway Straße mit Solarzellen (Foto: COLAS – Joachim Bertrand).

20 Quadratmeter Solarstraße sollen ausreichen, um einen Single-Haushalt mit Strom zu versorgen

Müller-Judex stimmt dem zu. Er betont aber auch, dass es nicht die Autobahnen sein werden, die für die Sonnenkollektoren infrage kommen, sondern weniger frequentierte Straßen - zum Beispiel zwischen Dörfern oder durch Industriegebiete. "Wir suchen Orte aus, wo es wenig Verkehr und viel Sonne gibt. Da kommen noch viele weitere Stellen infrage."

Wie viel Energie würden Solarstraßen sammeln?

Die Technologie ist noch recht neu, und so gibt es noch keine handfesten Zahlen. Aber Frankreich schätzt, dass mit 1000 Kilometern Solarstraßen genug Energie erzeugt werden kann, um bis zu fünf Millionen Menschen mit Strom zu versorgen. Das wären acht Prozent der Bevölkerung.

Müller-Judex glaubt, dass Solarpaneele auf der Straße wahrscheinlich weniger effizient wären als Solarparks. Dennoch könnte jeder Quadratmeter Solarstraße etwa 100 Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren. "30 Quadratmeter wären somit ausreichend, um einen Haushalt ein Jahr lang mit Strom zu versorgen, oder um 11.000 Kilometer mit einem Elektroautos zurückzulegen", rechnet er hoch.

Doch Morris ist skeptisch. Aufgrund der Tatsache, dass die Module flach auf dem Boden liegen, könnten sie nicht so viel Energie einfangen wie die Module, die in Parks oder auf Dächern installiert seien. "Normalerweise sollen sie in einem 30-Grad-Winkel angebracht werden. Das gilt für alle Anlagen auf freien Flächen oder Dächern", so Morris.

Gibt es noch andere Nachteile?

Mögliche Herausforderungen könnten sein, die Module sauber und am Laufen zu halten sowie sicherzustellen, dass sie robust genug sind, um allen Fahrzeugen - egal mit welchem Gewicht - standzuhalten.

Ein Arbeiter installiert eine Solarpaneele auf einem Dach (Doto: Fotolia).

Auch Solaranlagen auf dem Dach wurden vor einigen Jahren noch als Spielerei abgetan

Das Unternehmen, das nun in Frankreich die Solarstraße baut, hat laut Webseite das Gewicht bedacht. Demnach seien die Zellen der Beschichtung mit dem Namen "Wattway" aus polykristallinem Silizium, eingebettet in ein mehrlagiges Substrat. Die Module seien nur wenige Millimeter dick und können direkt auf den Straßenbelag aufgebracht werden. Deshalb seien sie stabil genug und auch für schwere LKW geeignet. Die Oberfläche soll zudem griffig sein, so dass die Fahrzeuge darauf nicht ins Rutschen geraten.

Um möglichst lange etwas von den Solarzellen zu haben, sei auch die richtige Wartung wichtig, sagt Müller-Judex. "Wir entwickeln derzeit eine spezielle Technologie, um die Oberfläche der Platten zu reinigen."

Wie sieht es mit den Kosten aus?

Teurer als eine ganz normale Asphaltierung sind die Solarstraßen allemal. Die genaue Summe ist allerdings unklar. Müller-Judex schätzt, dass die Platten rund 200 Euro pro Quadratmeter kosten - etwas teurer als die Installation der Module auf dem Dach.

Er geht davon aus, dass dieser Preis sinken wird. "Ich denke, eines Tages werden wir hier denselben Preis wie bei anderen Technologien haben. Die Installationskosten sind derzeit sehr hoch, aber in 25 Jahren werden sie wahrscheinlich weit unter dem Preis für normale Straßen liegen. Denn die kosten Geld, während man mit den Solarstraßen Geld verdienen kann. Wir brauchen nur noch etwas Zeit, um den Massenmarkt dafür zu entwickeln."

Sollten wir also unsere Straßen mit Solarpaneelen pflastern?

Dazu gibt es keine klare Antwort. Autor und Blogger Craig Morris befürchtet, dass das Scheitern eines solch hochkarätigen Projekts, ein schlechtes Image auf zukünftige Projekte mit Solar- oder anderen erneuerbaren Energien wirft.

Und auch wenn Müller-Judex sich noch nicht über den wirtschaftlichen Erfolg sicher ist, findet er, dass die Solarstraßen eine Chance verdienen. "Solarmodule auf dem Dach sind heute sehr erfolgreich - einst war das auch nur ein Experiment." Man müsse das Konzept nun Schritt für Schritt weiterentwickeln. "Wir stehen noch am Anfang, aber in den nächsten Monaten und Jahren werden wir ein ganzes Stück weiter kommen", so der Unternehmer.

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