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Welt

Sogar Tiere werden mancherorts besser behandelt als Frauen

Harte Worte der pakistanischen Schauspielerin und Theaterregisseurin Madeeha Gauhar in Lahore. Seit 30 Jahren setzt sie sich für die Rechte der Frauen in Pakistan ein. Und klagt, dass es nicht viel besser geworden ist.

Pakistanis aus dem Swat Tal lesen Zeitungsbericht über den Tod Baitullah Mehsuds ** CORRECT DATE ** Internally displaced people from Pakistan's troubled Swat valley read newspapers carrying story about the death of Taliban leader Baitullah Mehsud, as they arrive at a bus terminal to leave for their homeland in Karachi, Pakistan on Friday, Aug. 7, 2009. About 1,400 internally displaced persons (IDP), who fled a military offensive against the Taliban in Swat months earlier, departed on a 20-hour journey to their villages from the southern seaport Karachi. (AP Photo/Fareed Khan) (Format: Bilder des Tages quer)

Die Gesellschaft Pakistans - noch immer männlich dominiert

Die pakistanische Verfassung von 1956 räumt jedem Bürger - egal ob Mann oder Frau - vor dem Gesetz gleiche Rechte ein. Doch Allah allein ist der Herrscher über das Land und seine Menschen, das heißt der Islam und seine Gebote bekommen schon in der Verfassung einen großen Platz eingeräumt. Bis zu einer sehr konservativen und in vielerlei Hinsicht nach westlichen Maßstäben frauenfeindlichen Auslegung des Islam ist es da nur noch ein kleiner Schritt.

Portraitaufnahme der pakistanischen Schauspielerin und Theaterregisseurin Madeeha Gauhar.

Madeeha Gauhar - Morddrohungen lassen sie kalt

Land der Gegensätze

„Natürlich ist das Bewusstsein gewachsen, dass den Frauen auch durch die Verfassung Rechte gegeben wurden.“ Immer mehr Frauen strömen in die politischen Parteien des Landes und arbeiten in einflußreichen Positionen in der Wirtschaft. Die Regierung von Ex-Präsident Musharaff hatte zudem eine Quotenregelung eingeführt, die im Parlament als auch in den Ländervertretungen Sitze für Frauen reserviert. Wie so oft gibt es viele Wahrheiten, sagt Madeeha Gauhar. Sie hat am eigenen Leib erfahren, wie konservativ die pakistanische Gesellschaft noch immer ist. Ihre erste Ehe zerbracht, weil ihr Ehemann und ihre Familie die Schauspielerei als einen „unehrenhaften“ Beruf empfanden. Die hochgebildete, erfolgreiche und damit auch selbstbewußte und unabhängige Madeeha habe Schande über ihre Familie gebracht, hieß es. Selbst über die Morddrohungen religiöser Fanatiker lacht sie inzwischen.

Mädchen in Schuluniform während des Unterrichts in einer Schulklasse im Dorf Chiara, Pakistan

Schulbildung der Mädchen bleibt für viele Familien unbezahlbar

Ungebildete Mütter – ungebildete Töchter

Heute noch sind die Familien mit durchschnittlich sechs bis acht Kindern zu groß, als dass alle Kinder zur Schule gehen können. Bücher, Schuluniformen, Transport – all das kostet Geld. Und so wird die Schulbildung der Mädchen zuerst geopfert. Nur etwa 40 km von der Hauptstadt Islamabad entfernt, in dem kleinen Dorf Chira sitzen fast 50 Mädchen in einer Klasse. Shabana Mushtaq ist die Direktorin der Schule. Sie beklagt, dass die meisten Mädchen noch nicht mal bis zur 10. Klasse kommen. „Sie werden verheiratet oder irgendwann sagen die Eltern, dass sie genug studiert haben. Wenn gerade die Mütter ungebildet sind, dann können sie ihre Töchter auch nicht unterstützen. Es ist ein Teufelskreis.“ Badra Hatoon ficht das nicht an. Die Sechzehnjährige hat große Träume: „Wenn ich groß bin, möchte ich etwas für mein Land tun, die Armut verringern“ Sie hat Glück und darf zur Schule gehen.

A Pakistani soldier stands guard at a check post in Lower Dir, adjacent to Swat valley of Pakistan on 27 April 2009, where Pakistani forces have been engaged in an operation against the Taliban. Pakistani troops claimed killing at least 10 militants as they launched a new assault on 26 April, against Taliban militants in Lower Dir, adjacent to Swat, a restive region that was put under Islamic rule two weeks ago after a controversial truce, the military said. Pakistani President Asif Ali Zardari approved the imposition of Islamic sharia law in the Malakand division and Swat on April 13, nearly two months after hardline cleric Sufi Mohammad brokered a peace deal between the regional government and the rebel. EPA/RASHID IQBAL +++(c) dpa - Bildfunk+++ pixel

In Krisenzeiten sind Frauenrechte ohne Belang

Terrorbekämpfung geht vor Gleichstellung

Der Kampf der USA gegen die Taliban in Afghanistan und der Krieg gegen den Terror haben das Land zusätzlich destabilisiert und ausgezehrt. Die Stammesgebiete, die nach Meinung von Experten als Rückzugsgebiete der Taliban und anderer islamistischer Gruppierungen gelten, sind von Islamabad aus kaum regierbar. Der Konflikt ist inwzischen auch in das einst bei Touristen beliebte Swat-Tal in der North-West-Frontier-Province vorgedrungen. Traurige Höhepunkte, die die angespannte Sicherheitslage verdeutlichen, waren die Ermordung der Oppositionsführerin Benazir Bhutto im Dezember 2007 und der Anschlag auf das Marriott-Hotel in Islamabad, mit hunderten von Toten. Korruption und die in weiten Teilen des Landes noch vorherrschende Armut begünstigen die Diskriminierung von Frauen.

Autorin: Priya Esselborn

Redaktion: Peter Koppen

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