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Fußball

Sinnloses Prestigeduell?

Eigentlich ist der Fußball-Klassiker Niederlande gegen Deutschland ein Prestigeduell. Nach zahlreichen Absagen verkommt das Freundschaftsspiel in Amsterdam aber immer mehr zu einem Muster ohne Wert.

Verletzungen, Krankheiten oder einfach nur Schonung durch die Trainer: An diesem Mittwoch müssen viele Nationalteams ohne ihre Stars auskommen – eigentlich wie immer beim letzten Länderspiel des Jahres. Der November-Termin für die Fußball-Nationalmannschaften sorgt immer wieder für Unmut und Diskussionen. Denn für viele Auswahlspieler stehen zu diesem Zeitpunkt der Saison in ihren Clubs entscheidende Wochen in Champions- und Europa League oder in ihren nationalen Ligen an. "Die November-Termine werden jedes Jahr diskutiert", gab auch DFB-Teammanager Oliver Bierhoff in Amsterdam zu. Doch ergibt das Ganze denn so überhaupt noch Sinn?

Bundestrainer Joachim Löw erwischte es vor dem Prestigeduell mit Holland besonders schlimm. Gleich acht Stammspieler meldeten sich ab. Dass einige der Verletzungen vorgeschoben sein könnten, glaubt Bierhoff nicht: "Wir haben so viel Vertrauen in die Spieler und die Vereine." Auch Hollands Bondscoach Louis van Gaal muss auf Stürmerstar van Persie, Mittelfeldspieler Wesley Snijder und Torwart Maarten Stekelenburg verzichten. Es werde ein Länderspiel zwischen der holländischen B-Mannschaft und der deutschen C-Truppe, schreibt die niederländische Tageszeitung "de Volkskrant".

145 Bundesligaspieler im Einsatz

Dies liege vor allem am Termin, meinte auch Mittelfeldstar Rafael van der Vaart: "Natürlich fehlen ein paar große Namen. Aber so, wie ich das sehe, werden am Mittwoch zwei gute Teams auf dem Platz stehen." Deutlicher wurde sein Nationalmannschaftskollege Arjen Robben: "Wir sind in einer Phase, in der wir sehr viele Spiele haben. Bis Weihnachten geht es weiter mit drei Spielen pro Woche, da kann ich es völlig verstehen, dass die Vereine nicht so froh sind über dieses Spiel", sagte der Bayern-Profi. Der Niederländer ist gemäß einer Liste des Sportmagazins "kicker" einer von insgesamt 145 Bundesliga-Profis, die für ihre Auswahlteams nominiert wurden. Trotz seiner Kritik wird Robben aber in Amsterdam auflaufen.

Der Niederländer Arjen Robben (2.v.l.) im Duell mit Philipp Lahm (2.v.r.) (Foto: dpa)

Auch Arjen Robben (2.v.l.) kritisiert die November-Termine - dennoch läuft der Niederländer in Amsterdam auf

Die Problematik ist nicht neu. In diesem Jahr machte sich Rudi Völler zum Sprecher der Vereine. "Auch im Fußball gilt: Was zu viel ist, ist zu viel", schrieb der Sportdirektor von Bayer Leverkusen in einem Kommentar für den "kicker".  Völler monierte explizit die Gegnerauswahl und den damit eigentlich verbundenen Zwang zum Einsatz der besten Akteure. "Es müssen nicht immer die Niederlande sein, es kann auch mal ein Gegner sein, der es dem Bundestrainer erlaubt, auf Spieler zurückzugreifen, die nicht so sehr beansprucht sind", meinte Völler. Auch Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge machte am Wochenende noch einmal deutlich, dass er die Länderspiele im August und November "schon immer kritisch" gesehen habe. Eine Woche nach dem Holland-Test stehen für alle Nationalspieler mit ihren Clubs entscheidende Spiele in Champions- und Europa League an.

Dann eben ein Talenttest

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock wiesen die Völler-Kritik schnell zurück. "Für die Weiterentwicklung unserer Mannschaft ist es enorm wichtig, sich auch außerhalb der Qualifikations- und Turnierphasen mit starken Teams zu messen", sagte Bierhoff in einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Bundestrainer Joachim Löw machte aus seiner Not eine Tugend: "Die Problematik besteht ja am Ende eines Jahres immer, dass die Spieler hoch belastet sind" meinte Löw lapidar und trat mit der Nachnominierung von Roman Neustädter (Schalke 04) und Sebastian Jung (Eintracht Frankfurt) die Flucht nach vorn an. Ganz nach dem Motto: Die vielen Lücken in der deutschen Elf sind eine gute Gelegenheit, neue Talente zu testen.

Wer bei dem ganzen November-Länderspiel-Theater allerdings auf der Strecke bleibt ist der zahlende Zuschauer. Denn nicht nur ihm wird sich die Frage stellen: Ist überhaupt noch etwas übrig geblieben von dem heißen Prestigeduell gegen die Niederlande? Oder ist man nicht vielmehr angekommen bei einem Freundschaftsspiel mit mehr oder weniger mühsam konstruiertem Sinn?

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