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Deutschland

Silvester 2016: Köln setzt Zeichen

Die Silvester-Übergriffe in Köln befeuerten in ganz Deutschland die Debatte um Geflüchtete. Dieses Jahr soll alles anders werden: Die Stadt hat ihr Sicherheitskonzept vorgestellt.

In einer Sache sind sich die Verantwortlichen in Köln einig: So etwas wie im vergangenen Jahr darf sich nie wiederholen. Zum Jahreswechsel 2015/2016 hatten Hunderte Männer genau neben dem Kölner Hauptbahnhof, direkt vor dem weltberühmten Kölner Dom, unkontrolliert Silvesterraketen gezündet, hatten gezielt Frauen eingekreist, körperlich bedrängt und bestohlen.

Vor allem die Nachrichten von sexuell belästigten Frauen gingen um die Welt, bis Anfang Dezember wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft 1222 Strafanzeigen bearbeitet, 513 davon mit Bezug auf sexuelle Übergriffe. Neben dem Leid der Opfer war es für die Stadt Köln und die Sicherheitsbehörden ein absolutes PR-Desaster.

"Sicher, friedlich, fröhlich": So der Plan für dieses Jahr

Dieses Jahr soll alles anders werden. Das macht allen voran die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reeker deutlich. Reeker ist offensichtlich darum bemüht, sich in der Vorbereitung für das diesjährige Silvester möglichst transparent zu zeigen. Zusammen mit dem Kölner Polizeipräsidenten, Jürgen Mathies, und dem Präsidenten der Bundespolizei, Wolfgang Wurm, gibt sie die Marschroute vor: "Sicher, friedlich und fröhlich" soll es dieses Jahr zugehen, das betonen alle drei bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des diesjährigen Sicherheitskonzepts immer wieder.

Und was ist das für ein Sicherheitskonzept! Insgesamt werden zehnmal so viele Einsatzkräfte im Dienst sein wie im vergangenen Jahr: Ein Aufgebot von rund 1.500 Polizisten soll vor allem die Feiernden in der Innenstadt schützen. Erhöhte Beobachtungsposten der Polizei und zusätzlich ausgeleuchtete Straßen sollen für weitere Sicherheit sorgen. Die zentrale Hohenzollernbrücke, im vergangenen Jahr Schauplatz vieler Übergriffe, wird für Fußgänger und Radfahrer komplett gesperrt. Allein die Stadt Köln investiert nach ersten Schätzungen 400.000 Euro.

Deutschland Stadt Köln und die Polizei zu Vorbereitungen für Silvesternacht (picture-alliance/dpa/O. Berg)

Der Kölner Polizeipräsident Mathies (Mitte) und Oberbürgermeisterin Reeker

Karneval als Generalprobe

Es ist nicht das erste Mal, dass die Stadt Köln dieses Jahr mit einem erhöhten Sicherheitskonzept reagiert. Auch an Karneval waren die Behörden schon im Vorfeld in Alarmbereitschaft. Wolfgang Baldes arbeitet als Hauptkommissar bei der Kölner Polizei: "Alles ist dieses Jahr anders, die Polizei hat deutlich mehr Personal zur Verfügung, die Sicherheitsmaßnahmen haben wir massiv verstärkt."

Neben überdimensionalen Beleuchtungsanlagen an zentralen Punkten der Stadt hatte es schon an Karneval einen "Security Point" in der Innenstadt gegeben. Dort waren Polizistinnen und Psychologinnen zur Stelle, waren so in der Lage, Opfern von Gewaltverbrechen schnell Hilfe zu leisten. In der Silvesternacht sollen zusätzliche Polizeistreifen zu Fuß dafür sorgen, dass sich die Feiernden sicher fühlen, Streetworker werden als ständige Ansprechpartner in der Innenstadt unterwegs sein.

An Karneval war das Konzept aufgegangen, hatte sich die Polizei vor allem aufgrund zurückgegangener Raubüberfälle zufrieden gezeigt. Genau wie an Karneval liegt auch zu Silvester vor allem die Innenstadt im Fokus des Sicherheitskonzeptes.

Für die Sicherheit im Kölner Hauptbahnhof, wie auch für alle anderen Bahnhöfe und Züge der Deutschen Bahn in Deutschland, ist die Bundespolizei zuständig. Neben regulären Einsatzkräften soll in diesem Jahr vor allem die verstärkte Präsenz von zivilen Beamten dafür sorgen, dass sich die tumultartigen Szenen im Bahnhofsgebäude nicht wiederholen.

Vom Angst- zum Lichtraum

Um eine größere Sicherheit und Übersicht zu gewährleisten, sind auf der Domplatte und vor dem Bahnhof Böller und Silvesterraketen dieses Jahr verboten. Damit der Dom trotzdem leuchten wird, hat die Stadt Köln extra den Berliner Lichtkünstler Phillip Geist engagiert. "Dein Wort für Köln" nennt sich seine Lichtinstallation, die den Dom zu Silvester zum Strahlen bringen soll.

Der Künstler hat sich neben dem Auftrag vor allem über das große Engagement der Kölner gefreut. Hunderte Menschen hatten sich in den vergangenen Wochen gemeldet, hatten sich an den Vorbereitungen für seine Lichtinstallation beteiligt.

In den unterschiedlichsten Sprachen werden ausgewählte Wörter und Sätze neben diversen Lichtinstallationen am Silvesterabend an den Dom gestrahlt. Durch die Einbeziehung der Bürger, durch das Nutzen von Lichtstrahlen an dieser historischen Fassade, wolle er, so Geist, dafür sorgen, dass sich der Bahnhofsvorplatz vom "Angstraum" des vergangenen Jahres dieses Jahr in einen "Lichtraum" verwandelt.

Weg vom "Angstraum", hin zum "Lichtraum". Auch für Phillip Geist ist klar: Die Geschehnisse vom vergangenen Jahr dürfen sich nie wiederholen.

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