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Kolumne

Sierens China: Wunsch und Wirklichkeit in der Weltwirtschaft

Im Verlauf des Jahres 2016 wurde noch deutlicher, wie stark Chinas Wirtschaft im Vergleich zur amerikanischen ist. Daran wird auch der neue US-Präsident Trump nichts ändern können, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Europa ist seit dem Brexit mit sich selbst beschäftigt und versucht zudem seit der Wahl von Donald Trump auszutarieren, wie die transatlantischen Beziehungen sich künftig gestalten werden. Von Europas Rolle in der Welt ist kaum noch die Rede.

Das Wachstum ist vor allem chinesisch

Auch der künftige US-Präsident Donald Trump kümmert sich um sich selbst, um die USA, aber nicht darum, was Amerika zum Wachstum der Weltwirtschaft beitragen kann. Es ist vielleicht auch politisch klüger, das Thema erst gar nicht zu berühren, denn die Bilanz von Europa und den USA ist 2016 bescheiden.

Frank Sieren *PROVISORISCH* (picture-alliance/dpa/M. Tirl)

DW-Kolumnist Frank Sieren

Der Internationale Währungsfonds geht davon aus, dass China in diesem Jahr knapp 40 Prozent des Weltwirtschaftswachstums erwirtschaftet - und zwar ohne Auslandsschulden. Die USA schaffen dagegen nur 0,3 Prozent mit hohen Auslandsschulden und Europa sogar nur 0,2 Prozent. Das bedeutet: China wächst 50 Mal mehr als alle entwickelten Industrieländer zusammen. Und das absolute Wachstum in China (6,7 Prozent) ist mehr als doppelt so hoch wie das Wachstum der USA, die im dritten Quartal um 3,2 Prozent wuchsen - was für Amerika der beste Wert der vergangenen zwei Jahre war. Gemessen an der Kaufkraft ist die chinesische Wirtschaft schon größer als die amerikanische - und dies, obwohl die Amerikaner sich weit höher verschulden als die Chinesen.

Dennoch hält sich hartnäckig die These, dass China in eine Krise gerate, wenn es weniger als sechs Prozent wächst. Warum ist das im Fall der USA anders? Da soll die Hälfte reichen? Klar ist jedenfalls: Würde China nicht mehr wachsen, würde die Welt in eine böse Rezession rutschen. Würden hingegen die USA nicht mehr wachsen, könnte die Welt das leicht verschmerzen. Es blieben dann immerhin noch 2,8 Prozent des Wachstums der Weltwirtschaft übrigen. Ohne Wachstum in China hingegen wären es nur noch 1,9 Prozent. Dabei ist der indirekte Einfluss, den China auf das Bruttoinlandsprodukt von Ländern wie den USA, Indien, Deutschland oder eines ganzen Kontinents wie Afrika hat, noch gar nicht berücksichtigt.

Auch Deutschland wächst dank China

Der November war einer der besten Monate der deutschen Autobauer in China:  2,94 Millionen Fahrzeuge setzte die Branche in China ab, 16,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie der Branchenverband China Association of Automobile Manufacturers (CAAM) mitteilte. Noch nie wurden in einem Monat in China so viele Autos verkauft. In den ersten elf Monaten dieses Jahres waren es insgesamt 24,9 Millionen Autos, die in China abgesetzt worden sind, deutlich mehr als im gesamten Jahr 2015. Ein großer Teil dieses Kuchens gehört den deutschen Herstellern.

Ohne China müsste die deutsche Autoindustrie auf ihren größten Absatzmarkt verzichten - er allein trägt rund zwanzig Prozent zum Wirtschaftswachstum Deutschlands bei. Wie wirkt sich ein Einbruch Chinas auf den Geldbeutel eines Fließbandarbeiters bei Volkswagen aus oder auf den deutschen Mittelständler, die über 40 Prozent ihrer Produkte in China absetzen? Konservativ geschätzt, ist China über seine Importe aus  anderen Ländern für weitere  0,5 Prozent des globalen Wachstums verantwortlich. Das sollte sich der künftige US-Präsident Donald Trump gut merken, wenn er die chinesisch-amerikanischen Beziehungen auf eine neue Grundlage stellen will. Peking hat da weit mehr Spielraum als er selbst. Und die Chinesen sind derzeit viel geduldiger mit ihren Spitzenpolitikern als die Amerikaner.  

Unser Korrespondent Frank Sieren lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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