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Asien

Sierens China: Wenn zwei sich vertragen, freut sich der Dritte

Peking widmet sich intensiv seinem Nachbarn Afghanistan. Doch große Taliban-Attentate fallen dem chinesischen Bemühen um Stabilität am Hindukusch leider in den Rücken, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Der chinesische Präsident Xi Jinping mit dem afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani Ahmadzai

Der afghanische Präsident Ashraf Ghani (stehend links) mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping (stehend rechts) im Oktober in der Großen Halle des Volkes in Peking

Dankbarkeit oder Sicherung der Zukunft - zwischen diesen beiden widerstreitenden Zielen musste sich Ashraf Ghani im vergangenen Herbst entscheiden. Denn die Welt schaute genau hin, welches Land der neue Präsident Afghanistans als Erstes besuchen würde. Ghani entschied sich gegen Dankbarkeit: Er fuhr nicht in die USA oder nach Europa, sondern kümmerte sich um die Zukunft seines Landes. Er fuhr nach Peking. Nachdem in den zurückliegenden 175 Jahren die Engländer, Sowjets und die Amerikaner inklusive der Nato in Afghanistan gescheitert sind, kann - wenn überhaupt - nur Peking mehr Stabilität ins Land bringen.

Das ist für Peking eher eine Last als eine Lust. Denn auch Peking ist klar, dass es mit einem Investitionspaket von rund 300 Millionen US-Dollar, das Ghani zur Begrüßung bekam, nicht getan ist. Wichtiger für Peking ist es, Pakistan mit an Bord zu bekommen. Gemeinsam mit Afghanistan und China bildet das Land ein Dreieck, dessen Mitte genau das Kerngebiet der Taliban markiert, die alle drei Länder gleichermaßen betreffen. Das ist nicht einfach. Vergangene Woche trafen sich Vertreter aller drei Länder mit Unterstützung der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung in Pakistans Hauptstadt Islamabad, um ihre Sicherheitskooperation zu vertiefen. Es war bereits das zweite Treffen. Das erste hatte bereits im vergangenen August stattgefunden. Der chinesische Botschafter in Pakistan, Sun Weidong lobte Pakistans Anti-Terrormaßnahmen und die Fortschritte im Dialog mit Afghanistan.

Eindeutige Antwort der Terroristen

Die Taliban haben in dieser Woche, also nur wenige Tage später gezeigt, was sie davon halten: Vergangenen Dienstag wurden bei einem Selbstmordanschlag der Taliban in Pul-e-Alam 22 Polizisten getötet. Vier Angreifer stürmten ein Hauptquartier der Polizei. Damit endete auch eine Phase relativer Ruhe in der Stadt. Gleichzeitig wurden mindestens sieben Menschen bei einem Selbstmordangriff auf ein Polizeihauptquartier im pakistanischen Lahore getötet.

Es sieht also derzeit nicht sehr gut aus für Pekings Idee, Afghanistan und Pakistan zu einer Drehscheibe ihrer neuen Seidenstraße machen, einer Handelsroute, die Chinas Wirtschaft noch enger mit dem Rest der Welt verknüpfen soll. Erst vergangene Woche wurde verkündet, dass mit chinesischer Hilfe ein neuer 1.500 Megawatt-Staudamm am afghanischen Kunar-Fluss sowie eine Autobahnverbindung und eine Zugstrecke zwischen Afghanistan und Pakistan entstehen sollen. Letztere Projekte sind auch aus einem anderen Grund schwierig umzusetzen: Pakistan ist nicht begeistert von Afghanistans Zusammenarbeit mit Indien.

Das hat wohl auch Präsident Ghani bemerkt. Obwohl er seit Amtseintritt im September vergangenen Jahres alle Nachbarländer besuchte, hat er bisher Indien auf seinen Reisen ausgelassen. Er ging sogar noch weiter: Eine noch ausstehende Bestellung von Waffen aus Indien wurde storniert, während eine engere Kooperation mit dem Militär in Pakistan eingegangen wurde. Für Pakistan ist das ein Zeichen des guten Willens. Auch, wenn die Chinesen das mit Genugtuung zu Kenntnis nehmen - richtig weiter bringt sie das nicht. Denn bisher hat der wirtschaftliche Funke noch nicht gezündet: In eine riesige Kupfermine sowie in Öl- und Gaspipelines steckte Peking viel Geld und musste dann dabei zusehen, wie die Projekte wegen der fragilen Sicherheitslage nicht in Gang kamen.

Abenteuer mit offenem Ausgang

Auch wenn die neue Achse Kabul-Islamabad-Peking nun enger kooperieren will: Afghanistan bleibt für China ein Abenteuer mit offenem Ausgang. Dennoch es ist weiter einen Versuch wert, nachdem in den zurückliegenden Jahrzehnten auf militärischem Weg kein einziges Problem in Afghanistan gelöst wurde. Peking bleibt dran, denn seine strategischen Interessen zwingen China dazu: Peking betreibt bereits einen Hafen in der Nähe der iranischen Grenze. Von dort aus könnte man Güter über den Karakorum-Highway auf dem Landweg direkt nach China bringen und so einen alten Zweig der Seidenstraße wiederbeleben.

Mit den Gesprächen zu dritt an einem Tisch versucht Peking eine gemeinsame Linie gegen die Terroristen der Taliban zu bilden. Die sitzen jedoch offensichtlich noch am längeren Terrorhebel. Unter diesen Bedingungen hat auch kaum jemand in der deutschen Wirtschaft Interesse, den chinesischen Kurs durch eigene Investitionen zu unterstützen, oder gar Seite an Seite mit den Chinesen zu investieren.

Unser Korrespondent Frank Sieren gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit 20 Jahren in Peking.

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