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Asien

Zwei Fliegen mit einem Afghanistan

Die neu erblühende Freundschaft zwischen Kabul und Peking nützt beiden, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Wer dieser Tage Afghanistans bester Freund ist, das lässt sich leicht am Reiseplan des neuen afghanischen Präsidenten erkennen. Kaum einen Monat im Amt, ging es für Aschraf Ghani schon auf Antrittsbesuch. Wohin? Natürlich nach China, dem politisch mächtigsten und wirtschaftlich stärksten Land unter den Nachbarstaaten Afghanistans. Vergangene Woche empfing Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping den afghanischen Präsidenten in Peking. Und das gleich zum Doppelschlag: Nicht nur war es Ghanis erster Staatsbesuch. Sein letzter Tag in Peking fiel außerdem auf den Eröffnungstag des Istanbul-Forums.

Zum ersten Mal war China der Gastgeber dieses Zusammenschlusses 14 asiatischer Staaten. Die Mitglieder: Afghanistan, Aserbaidschan, China, Indien, Iran, Kasachstan, Kirgisistan, Pakistan, Russland, Saudi-Arabien, Tadschikistan, die Türkei, Turkmenistan und die Vereinigten Arabischen Emirate. Zu Pakistan hat China schon seit Jahrzehnten ein enges Verhältnis. Nun baut es seine Beziehungen zu Afghanistan aus. Denn Afghanistan ist strategisch für Peking viel zu wichtig, um ihm einfach den Rücken zu kehren. Das Land ist so bedeutend, dass sich im 19. Jahrhundert die Briten, im 20. die Russen und zu Beginn dieses Jahrhunderts die US-Amerikaner und die NATO vergeblich bemüht haben, das zerklüftete Land unter ihre Kontrolle zu kriegen.

Wirtschaftliche Projekte bislang wenig erfolgreich

China allerdings hat andere Pläne, als Afghanistan militärisch zu kontrollieren. Peking will auf wirtschaftliche Zusammenarbeit setzen. Und chinesische Firmen sollen sich in Afghanistan engagieren. Westlichen Unternehmen fehlt es an politischer Rückendeckung, an Geld und vor allem an wirtschaftlichem Interesse. Solche Probleme haben chinesische Unternehmen nicht. Dafür haben sie andere. Für eine Kupfermine außerhalb Kabuls hat Peking bereits 2007 drei Milliarden US-Dollar bezahlt. Die US-Amerikaner sahen das allerdings nicht gerne und förderten deshalb archäologische Ausgrabungen auf dem Gelände mit mehreren Millionen US-Dollar. Mangelnde Infrastruktur und Übergriffe der Taliban erschwerten das Projekt zusätzlich. Erst im September war wieder eine chinesische Delegation vor Ort zu Besuch. Wann es endlich losgehen kann mit dem Abbau, war da noch immer nicht in Sicht.

Kolumnist Frank Sieren (Foto: privat)

Kolumnist Frank Sieren

Ein weiteres Rohstoffprojekt der Chinesen, das eher holprig läuft, befindet sich an der Grenze zu Turkmenistan. Dort hat der chinesische Petrokonzern CNPC damit begonnen, im Amu-Darya-Feld Öl zu fördern. Streit über Kosten zwischen afghanischen Behörden und chinesischen Subunternehmern sowie veraltete Fördertechnologie sorgen allerdings auch hier für Stillstand. Außerdem will Peking die Infrastruktur in Afghanistan ausbauen und so den Traum von einer neuen Seidenstraße in die Tat umsetzen. Afghanistan könnte dann zu einem Drehkreuz zwischen China und seinen Partnern weiter im Westen werden, unter anderem auch dem Iran. Könnte - denn bisher ist dieses Projekt ebenfalls mehr Theorie als Praxis.

Beidseitiges Interesse an Kooperation

Dass Peking bei all den Rückschlägen nicht aufgibt, sondern im Gegenteil erst kürzlich wieder 300 Millionen Dollar zusätzlich an Investitionen bereitgestellt hat, dürfte auch noch einen weiteren Grund haben. Einerseits wird zwar ein altbekanntes Muster deutlich: China versucht, sich den Zugang zu Rohstoffen zu sichern. Aber im Fall Afghanistans verfolgt Peking noch andere Ziele. Mit dem Vormarsch des Islamischen Staates, der angekündigt hat, Chinas autonome Problemregion Xinjiang zu befreien, hat Peking mehr denn je ein Interesse daran, für Sicherheit und Stabilität in Afghanistan zu sorgen. Nicht zuletzt, weil die Terroristen, die Xinjiang in der Vergangenheit zu ihrem Ziel gemacht haben, nach der Einschätzung Pekings aus dem östlichen Afghanistan operieren.

Und auch Afghanistan könnte politisch von einer engeren Kooperation mit Peking profitieren und sich selbst eines seiner größten Probleme vom Hals schaffen: die Taliban. Schließlich pflegen die Chinesen seit Langem gute Beziehungen zu Pakistan, einer Taliban-Hochburg. Mit der Annäherung zwischen Kabul und Peking sind auch konstruktive Gespräche zwischen Kabul und Islamabad wahrscheinlicher, um die Taliban effektiver bekämpfen zu können.

DW-Kolumnist Frank Sieren lebt seit 20 Jahren in Peking.