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US-Wahl

Sierens China: Trump ist Trumpf?

Überraschend hat Trump die Wahlen in den USA gewonnen. Die Chinesen haben ihn sich von Anfang an als US-Präsidenten gewünscht. Ob sie nun bekommen, was sie wollten, ist eine andere Frage, meint Frank Sieren.

Auch in Peking ist die Überraschung groß über den Sieg von Donald Trump. Allerdings war Trump in China viel weniger umstritten, als es im amerikanischen Wahlkampf lange schien. Viele Chinesen haben von Anfang an Donald Trumps Erfolg als Geschäftsmann offen bewundert, waren von seinem glamourösen Lebensstil beeindruckt und von seiner großen Klappe fasziniert. Im Verlauf des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes tauchten sogar immer mehr Firmen auf, die Luxustoiletten, Immobilien oder Luftreiniger mit dem Namenszusatz Trump verkaufen, ohne das Geringste mit seinen Firmen zu tun zu haben.

Seltsamerweise haben ihm die Chinesen schon während des Wahlkampfes seine unflätigen Bemerkungen gegenüber China verziehen. Oder besser noch: Sie haben gar nicht ernst genommen, dass er immer wieder ausfällig wurde. "Wir können China nicht mehr erlauben, unser Land zu vergewaltigen", hat er zum Beispiel gesagt. Oder: "China ist der größte Dieb in der Weltgeschichte." Allerdings hielt Trump das nicht davon ab, auch das Gegenteil zu behaupten: "Ich mag China. Ich habe gerade für 15 Millionen Dollar eine Wohnung an einen Chinesen verkauft. Warum sollte ich ihn nicht mögen?" Die größte Bank Chinas ist Mieter in einem seiner Hochhäuser in Manhattan. Ein 50-stöckiges Trump-Hochhaus in New Jersey finanzieren zu 25 Prozent reiche Chinesen, die nach einer 500.000-Dollar-Investition das Recht auf eine Greencard bekommen.

Trump pragmatischer als Clinton?

Doch dominierend in den Ohren seiner Wähler war seine Kritik am aufsteigenden Reich der Mitte. Seine These, China sei schuld, dass die USA nicht mehr so groß und leuchtend sind, wie sie es einst waren, kam in den USA gut an. Auch deshalb haben sich die politischen Eliten in Peking mit Kommentaren zurückgehalten. Im Zweifel jedoch waren sie ebenfalls für Trump und sind jetzt weniger konstatiert als mancher Politiker in Europa. Sie gehen ebenfalls davon aus, dass im amerikanischen Wahlkampf viel gesagt wird, was hinterher nicht mehr gilt. Und sie haben noch ein zweites Argument: Trump sei weniger ideologisch, was die Außenpolitik betrifft.

Frank Sieren *PROVISORISCH* (picture-alliance/dpa/M. Tirl)

Frank Sieren ist Kolumnist und lebt in Peking

Als Geschäftsmann, der Politik für "ziemlich hässlich und brutal" hält, sei er offener für pragmatische, politische Kompromisse, lautet ihre Hoffnung, die nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Mit Hillary Clinton als Präsidentin wäre das genau umgekehrt gekommen, so die Einschätzung von Diplomaten. Sie hat als Außenministerin das Engagement der USA in der Welt eher ausgebaut und die neue Asienstrategie "Pivot to Asia" der USA mitentwickelt. Im Kern steht dahinter, dass sich die USA ihren Einfluss in Asien von China unter keinen Umständen einschränken lassen wollen. Trump hat hingegen bereits in seiner ersten Rede als gewählter US-Präsident heute einen anderen, verbindlicheren Ton angeschlagen. "Wir kommen mit allen Ländern gut klar, die mit uns klarkommen wollen. Und: "Wir werden mit jedem Land vorsichtig umgehen."

Trump: militärischer Rückzug aus Asien

Trump hat im Wahlkampf bereits signalisiert, dass er die Truppen in Asien eher zurückziehen will. Oder zumindest die Truppenpräsenz für die Länder, denen die Amerikaner Schutz gewähren, teurer werden zu lassen. Das wären eher schlechte Nachrichten vor allem für Japan und Südkorea. Allerdings stellt sich nun die Frage, ob er diese Position aus dem Wahlkampf in den politischen Alltag übernimmt. Wenn ja, bedeutet das mehr Spielraum für die Chinesen, sich in Asien fester zu verankern. Eines jedenfalls kann man jetzt schon sagen: Trumps Interesse zum Beispiel den philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte wieder mehr in Richtung USA zu ziehen, wird nicht sehr hoch sein.

Als Geschäftsmann, der nie zuvor Politiker war, wird Trump mehr Verständnis haben, für die wirtschaftlichen Zwänge, in denen seine engsten Partner in Asien stecken, als Clinton es je gehabt hätte. Die Australier zum Beispiel haben wenig Spielraum. 30 Prozent des Handelsvolumens gehen an China. In dieser Hinsicht stehen die Zeichen also auch eher auf Entspannung. Anders wird das beim Thema Handelspolitik sein. In diesem Bereich wird sich Peking auf härtere Zeiten einstellen müssen. Trumps Spielraum ist zwar einerseits dadurch eingeschränkt, dass China die Bank der USA ist und neben Japan die größten US-Dollar Staatsanleihen hält. Anderseits ist es Trump nun seinen Wähler schuldig, zu liefern.

Insgesamt gemischte Gefühle in China

Das bedeutet für ihn ganz klar: größere Handelsbarrieren für China. Denn Trump wird sehr wahrscheinlich auch als Präsident nicht plötzlich zum Befürworter des Freihandels werden. Es wird sehr schwierig für Peking sein, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Und selbst wenn er als Geschäftsmann in dieser Frage die chinesische Position gut versteht, seinen Wählern gegenüber wird er nicht als einer dastehen wollen, der sich die Butter vom Brot nehmen lässt. In dieser Hinsicht wird sich Peking warm anziehen müssen. Insofern ist die Einschätzung in Peking nach diesem Überraschungssieg heute gemischt. Einerseits wird der Handel wohl härter, anderseits die geostrategische Lage entspannter. Wenn Trump davon spricht, dass Amerika sein Schicksal wieder in die Hand nehmen muss, dann spricht er nicht von Syrien, Russland und dem Südchinesischen Meer, sondern von Ohio, Michigan und Pennsylvania.

DW-Kolumnist Frank Sieren lebt seit 20 Jahren in Peking.

 

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