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Politik

Siegesparade auf dem Roten Platz

Der russische Präsident Putin hat die Feiern zum Jahrestag des Kriegsendes für Kritik an Estland genutzt. Vor mehreren tausend Veteranen und Soldaten verurteilte er die "Entehrung von Denkmälern für Kriegshelden".

Russische Truppen zum Jahrestag der Befreiung des zweiten Weltkrieges, Foto: AP

Überschattet vom Streit um den Bronzesoldaten

Es sind weder die grauen Wolken noch der kalte Nordwind, die dem russischen Kriegsveteranen Andrej Danilow bei der Siegesparade in Moskau aufs Gemüt schlagen. "Was die Esten mit unserem Heldendenkmal gemacht haben, war doch ein großes Unrecht", erregt sich der 82-jährige Oberst im Ruhestand auf der Ehrentribüne am Roten Platz. "Wenn unsere Rote Armee nicht das Baltikum befreit hätte, wäre es den Faschisten gelungen, dort auch alle Juden zu ermorden", fügt der mit zwei Dutzend Orden und Auszeichnungen geschmückte Kriegsveteran hinzu.

Demonstrationen gegen die Verlegung des Kriegerdenkmals in Talinn, Foto: AP

Demonstrationen gegen die Verlegung des Kriegerdenkmals in Talinn

Insgesamt waren am Mittwoch (9.5.) 7000 russischen Soldaten, Veteranen und Würdenträgern im Zentrum Moskaus zum 62. Jahrestag des Kriegsendes aufmarschiert. Überschattet wurden die Feiern allerdings vom Streit um die Verlegung des Bronzenen Soldaten in Tallinn und die darauf folgenden Ausschreitungen: "Diejenigen, die heute die Denkmäler der Kriegshelden entweihen, beleidigen ihr eigenes Volk und säen Zwietracht und neues Misstrauen zwischen den Staaten und Menschen", kritisierte der russische Präsident Wladimir Putin in seiner Rede.

Ansichtsache

Nach der Verlegung der Statue Ende April war es zu nächtelangen Krawallen in Tallinn gekommen, bei denen ein junger Russe getötet und mindestens 150 Menschen verletzt wurden. Für die baltische Republik symbolisiert das Denkmal die fast 50-jährige sowjetische Besatzungszeit, für Russland ist es ein Symbol für die Befreiung von Nazi-Deutschland.

7000 Soldaten und Veteranen beim Gedenktag an das Ende des Zweiten Weltkrieges

Auf Sowjet-Panzer wurde in diesem Jahr verzichtet

"Als Erbe dieses Sieges bleiben uns aufrichtiger Patriotismus, die Stärke des Geistes und der Glaube an die gerechte Sache", unterstrich der Kremlchef die Bedeutung dieser Befreiung und fügte hinzu, dass sich Russland auch 62 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von niemandem eine andere Sicht auf die Geschichte vorschreiben lassen wolle. Russische Generäle und Duma-Abgeordnete hatten im Vorfeld gefordert, wie zu Sowjetzeiten wieder Panzer über den Platz rollen zu lassen. Doch die russische Führung verzichtete auch in diesem Jahr auf diese Attitüde des Kalten Krieges.

Seitenhiebe auf die USA

Zugleich warnte Putin in seiner Rede vor "neuen Bedrohungen", die auf der "selben Verachtung für menschliches Leben und den selben Ansprüchen auf Einzigartigkeit und Beherrschung der Welt wie im Dritten Reich" basierten. Er sei überzeugt, dass nur "gemeinsame Verantwortung und gleichberechtigte Partnerschaft" bei Angriffen gegen die weltweite Sicherheit helfen könnten, sagte er mit einem Seitenhieb gegen die USA, denen er bereits wiederholt Unilaterialismus vorgeworfen hatte.

In Russland mehren sich die Behauptungen, das Land werde zunehmend von außen bedroht. Als Beleg dafür werden die jüngsten Konflikte mit mehreren NATO-Staaten aufgeführt, darunter auch der Streit um die US-Raketenabwehrpläne. Beobachter sehen in dieser Stimmung aber auch den Versuch, Putin gegen seinen erklärten Willen zu einer in der Verfassung nicht vorgesehenen dritten Amtszeit zu drängen. Anfang der Woche hatte die stellvertretende Vorsitzende der Staatsduma, Ljubow Sliska, gefordert, Putins Amtszeit wegen der "wachsenden Bedrohung der russischen Souveränität durch das Ausland" zu verlängern.

Osteuropa gedenkt am 9. Mai

Blumen am Denkmal in Talinn, Foto: AP

Viele osteuropäische Länder feiern den 9. Mai als Gedenktag

Anders als im Westen wird in Russland traditionell am 9. Mai das Ende des Zweiten Weltkrieges gefeiert, da das tatsächliche Waffenstillstandsabkommen erst kurz nach Mitternacht am 9. Mai unterzeichnet worden war. Die Uhr am Moskauer Kreml zeigte sogar schon 2.16 Uhr.

Auch in anderen ehemaligen Sowjetrepubliken wurde am Mittwoch mit Paraden und Konzerten des Sieges über Hitler-Deutschland vor 62 Jahren gedacht. Die Rote Armee habe die Menschheit vom Faschismus befreit, sagte der autoritär herrschende weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko. Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko nutzte die Feiern zum 9. Mai, um die Einheit des Landes nach der wochenlangen Verfassungskrise zu beschwören. Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Alexi II. pries Bulgarien wegen des Erhaltes der Sowjetdenkmäler. (ina)

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