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Asien

Sexuelle Gewalt als "lautlose Waffe"

Sexuelle Übergriffe, Verstümmelung oder Frauenhandel werden oft vertuscht und stillschweigend geduldet. Der "Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen" soll diese Themen ins öffentliche Bewusstsein rücken.

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Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter: Frauenhandel, Zwangsprostitution, Genitalverstümmelung, Gewalt im Namen der "Ehre" und häusliche Gewalt sind nur einige Beispiele. Vor allem in Konflikt- und Krisengebieten sind Frauen Gefahren und Gewalt in besonderer Weise ausgesetzt. Die Zahlen sind erschreckend, allein wenn wir einen Blick auf Birma werfen: Dort ist jedes dritte Opfer von Gewalt minderjährig. Fast jede vierte Frau stirbt bei sexuellen Übergriffen. Nur ein Prozent der Täter wird verurteilt. Es ist ein trauriger Weltrekord für Birma.

Seit der Machtergreifung der Militärs 1962 sind Frauen ethnischer Minderheiten in Birma Opfer sexueller Gewalt durch Soldaten. Innerhalb von sechs Jahren hat der Frauenhilfsverein SWAN 625 Fälle dokumentiert - der jüngste datiert von Anfang November, dem Vorabend des Wahltags in Birma.

Systematische Gewalt an Frauen in Birma

Einwohner von Rangun, Zyklon Nargis, Birma, Myanmar

Frauen ethnischer Minderheiten in Birma sind Opfer systematischer sexueller Gewalt seit fast 50 Jahren

Die sexuelle Gewalt gegenüber Frauen in Birma habe System, sagt Hseng Nouong Lintner, eine birmanische Aktivistin vom Frauenhilfsverein Shan Women‘s Action Network, SWAN. 60 Prozent der Täter seien Offiziere. Bis heute verfüge das militärische Regime über die absolute Macht im Land, berichtet sie. "Wenn die Soldaten eine Frau vergewaltigen, flieht im Anschluss die ganze Familie. Mit der Methode werden bestimmte Gegenden entvölkert."

Hinter solchen systematischen sexuellen Gewalttaten verbergen sich wirtschaftliche Interessen, sagt Michel Roy, Sprecher der "Internationalen Beobachtungsstelle zum Thema Vergewaltigung in bewaffneten Konflikten". Wenn in bewaffneten Konflikten massiv Frauen vergewaltigt werden, stecke dahinter meist auch die Frage des Zugangs zu Bodenschätzen. "Das trifft in Birma, aber auch in Ländern wie Kolumbien, der Demokratischen Republik Kongo und anderswo zu." Es gehe darum, sich Land zu erobern, die dortige Bevölkerung zu unterdrücken und jeglichen Widerstand zu verhindern, sagt Michel Roy.

Verlust der Identität

Margot Wallström, UN-Sonderbeauftragte im Kampf gegen Gewalt an Frauen (Foto: AP)

Margot Wallström, UN-Sonderbeauftragte im Kampf gegen Gewalt an Frauen

Sexuelle Gewalt, das ist eine "lautlose Waffe" mit einer langanhaltenden traumatisierenden Wirkung auf die Gesellschaft, so Margot Wallström, Sondergesandte des UNO-Generalsekretärs für sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten Mitte November in New York.

Und Véronique Nahoum-Grappe, eine französische Anthropologin fügt hinzu: "Wird eine Frau vergewaltigt, wird sie ihrer Identität als Frau beraubt. Der Täter braucht sein Opfer gar nicht umzubringen, um es auszulöschen. Die Frauen schämen sich ein Leben lang". Im Rahmen einer ethnischen Säuberungsaktion reiche es, Frauen zu vergewaltigen, um die Gesellschaft, denen sie angehört, zu zerstören.

Ein "Tag zum Handeln"

"Heute ist der Tag zum Handeln", sagte der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Der 25. November gilt offiziell seit 1999 als Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Dadurch wollen die Vereinten Nationen das Bewusstsein für dieses Thema schärfen. Hintergrund der Initiierung des Gedenktages war die Entführung, Vergewaltigung und Folterung der drei Schwestern Mirabel, die sich im Untergrund an Aktivitäten gegen den dominikanischen Diktator Trujillo beteiligt hatten. Am 25. November 1960 wurden sie schließlich in der Dominikanischen Republik vom militärischen Geheimdienst des Landes getötet. Seit Juni 2008 gilt sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten ganz offiziell als Kriegsverbrechen, so hat es der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in seiner Resolution 1820 festgeschrieben.

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon: 'Der 25. November ist ein Tag zum Handeln' (Foto: AP)

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon: "Der 25. November ist ein Tag zum Handeln"

Aufruf an die Weltgemeinschaft

Im vergangenen März hatte erstmals der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Birma, Tomas Ojea Quintana, öffentlich gefordert, eine Untersuchungskommission einzurichten. Hseng Noung Lintner hofft, dass damit endlich das Schweigen zur dramatischen Lage der Frauen gebrochen werden kann. Birma brauche dafür internationale Unterstützung aus den Staatschefs der Nachbarländer und dem Rest der Welt.

Im Vorfeld des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen haben die Vereinten Nationen die internationale Gemeinschaft zu weiteren Spenden aufgerufen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und Unifem-Chefin Michelle Bachelet forderten die Geberländer und die internationale Wirtschaftswelt dazu auf, den Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen mit 100 Millionen Dollar (74 Millionen Euro) jährlich zu unterstützen.

Autor: Suzanne Krause, Rayna Breuer
Redaktion: Sabine Faber