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Kultur

Sex in Deutschland?

"Sex in der Wüste" sang die Berliner Band Ideal, vielleicht hätte es eher "Sexwüste Deutschland" heißen sollen: Die Deutschen im Vergleich mit ihren westlichen Nachbarn.

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Ob Sex oder Geburten - die Deutschen sind immer Schlusslichter

Es wird Herbst in Deutschland und die Menschen kuscheln sich wieder zusammen. Sex gehört damit automatisch zu den Dingen, über die wir - frei nach Woody Allen - alles wissen wollen, aber nie zu fragen wagen. Um sich im Spannungsfeld zwischen "Sodom und Gomorrha" und Prüderie zu positionieren, geben nun zwei Umfragen Auskunft.

Deutsche Genügsamkeit

Deutsche Männer und Frauen sind in Sachen Sex recht genügsam, verkünden die Nürnberger Marktforscher GfK. Jeder Fünfte ist mit weniger als ein Mal pro Woche zufrieden. Weitere 28 Prozent halten ein Mal wöchentlich für angemessen. Im Vergleich mit den weiteren 19.000 Befragten aus Europa und Amerika stehen wir damit ziemlich frigide da: Jeder Zweite braucht mindestens zwei Mal pro Woche Sex. Bei den Deutschen sind das nur 37 Prozent.

"I can get no…"? Quantitativ gesehen sind die Griechen die Spitzenreiter der 20 befragten Nationen. Fast ein Viertel der Hellenen signalisiert erst dann "satisfaction", wenn sie mindestens fünf Mal pro Woche mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner verkehren. Vielleicht setzen wir Deutschen mit unseren schlappen sieben Prozent einfach mehr auf Qualität. Nach dem Motto: Wenig, aber wenn, dann richtig "Made in Germany".

Latin Lover Spitzenreiter

In der Kategorie "Bester Liebhaber aus dem Ausland" steht in Deutschland der Latin Lover hoch im Kurs. Italiener, Franzosen und Spanier führen hier die Wertung an (je 18, 17 und 6 Prozent). Interessant wäre hier, wie viele der 916 befragten deutschen Juroren wirklich die Leistungen der 19 anderen Länder testen konnten. Wie soll denn das gehen? Zahl der Kontakte runter, Qualität rauf, und schließlich: Wir Deutschen sind doch ein treues Volk. Ein Seitensprung ist für 42 Prozent un-ver-zeih-lich.

Frauen reagieren auf Fremdgehen deutlich empfindlicher. Da trifft es sich gut, dass laut "Men's Health" gute zwölf Prozent der Männer in Deutschland lieber Bier trinken gehen als Sex zu haben (zugegeben, das betrifft auch die eigene Frau). Ebenfalls zwölf Prozent der Männer brüsten sich übrigens, mehr als vier Liter Gerstensaft zu vertragen. Da kommt schon der Verdacht auf, es könnte eine große Schnittmenge bei den 12-Endern geben.

Toleranz versus Biertisch

Wo wir schon am deutschen Biertisch sitzen: Mit der Toleranz gegenüber Homosexuellen hat man es hierzulande nicht so. Im Wirtshaus oder anderswo klagen ein Drittel der Einheimischen über zu viel Verständnis für gleichgeschlechtliche Liebe. Im westeuropäischen Durchschnitt beschwert sich nur jeder Vierte.

Als unterdurchschnittlich aktiv und überdurchschnittlich verkorkst konnten die Deutschen am 21.9.2005 zum Thema ein zumindest relativierendes Schlusswort lesen. In der "Frankfurter Rundschau" schreibt der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch: "Das, was bei uns Sexualität genannt wird, ist aber eine provinzielle und in sich paradoxe Errungenschaft. Denn das Sexuelle wird gleichzeitig dramatisiert und verschwiegen, hervorgehoben und verborgen, verlangt und verboten, verallgemeinert und individualisiert. Eine derartig verdrehte Sexualform gibt es nur in Europa und Nordamerika." Eben vor allem bei uns, aber nicht nur.

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  • Datum 22.09.2005
  • Autorin/Autor Oliver Ilan Schulz
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  • Permalink http://p.dw.com/p/7CkH
  • Datum 22.09.2005
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