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Wissen & Umwelt

Sex-Entzug treibt Ratten in die Drogensucht

Sex ist die stärkste Droge der Welt, heißt es. Und in der Tat regt es die gleichen Gehirnareale an wie Amphetamine. Kein Wunder, dass sein Entzug unangenehme Folgen hat. Eine neue Studie hat das unter die Lupe genommen.

Sex kann süchtig machen, keine Frage. Das Vergnügen, das man beim Geschlechtsverkehr empfindet, treibt einige Menschen dazu, andauernd Sex haben zu wollen - immer und immer wieder. Aber das ist noch nicht alles: Es kann einen auch empfänglicher für andere - chemische - Rauschmittel machen.

Ratten, die sich jeden Tag paaren, tendieren dazu, in Zeiten der Abstinenz mehr nach Amphetaminen zu verlangen als jungfräuliche Ratten. Ein Wissenschaftlerteam um Lauren Beloate von der Universität Mississippi im Jackson, USA, hat jetzt herausgefunden, was dieses Phänomen verursacht. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse im "Journal of Neuroscience".

Amphetamine als Ersatzdroge

Nach Angaben der Forscher wirken Sex und Amphetamine auf dieselben Areale im Gehirn, und zwar auf die sogenannte Area tegmentalis ventralis. Diese Nervenzellgruppe produziert den Neurotransmitter Dopamin und ist Teil des natürlichen Belohnungssystems des Gehirns.

Für Wissenschaftler wie Beloate und ihre Kollegen ist Sex nichts anderes als eine natürliche Belohnung: Es sorgt dafür, dass wir uns gut fühlen und dass wir die Aktivität demzufolge oft wiederholen wollen. Rauschgifte wirken ebenfalls auf das Belohnungssystem im Gehirn - darum machen sie so schnell abhängig.

Amphetamine im Reagenzglas Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Im Gegensatz zu Sex lassen sich Amphetamine ins Reagenzglas packen

'Sexuelle Erfahrung, gefolgt von einem Zeitraum der Abstinenz, erhöht den Belohnungswert von Amphetaminen in männlichen Ratten", schreibt das Team um Beloate. Kurzum: Jeden Tag Sex zu haben, veränderte das Gehirn der Ratten und machte sie anfälliger für Rauschmittel.

Sexuell erfahrene Ratten wurden schneller und schon bei geringeren Dosen abhängig nach Amphetaminen als ihre jungfräulichen Artgenossen. Die Wissenschafter sprechen von "höherer Verwundbarkeit"; das Rauschgift hatte eine höhere Wirkung auf diese Tiere.

In den Tierversuchen reichten bereits fünf Tage Sex am Stück und sieben Tage Pause aus, um die Veränderungen im Gehirn auszulösen.

Funktioniert auch anders rum

Eigenen Berichten zufolge empfinden Crystal-Meth-Abhängige größeres Vergnügen beim Geschlechtsverkehr und lassen sich aufgrund von Kontrollverlust häufiger zu ungeschütztem Sex hinreißen. Auch das liegt vermutlich daran, dass der Wirkstoff Methamphetamin auf das Gehirn in gleicher Weise wirkt wie Sex.

In früheren Tierversuchen fanden Wissenschaftler, dass regelmäßige Gaben Methamphetamin zu "zwanghaftem Aufsuchen des Sexualverhaltens" während des Rauschgiftentzugs führt. Für die Tiere wirkte Sex also als Ersatzdroge. Allerdings beobachteten die Forscher diesen Effekt nur, wenn der Geschlechtsverkehr zuvor immer gleichzeitig mit der Drogengabe stattfand.

Sehr hohe Dosen Crystal Meth hingegen machten die Ratten extrem sexfaul.

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