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Fokus Osteuropa

Serbiens Ermittler wollen Laptop von Karadzic gefunden haben

In Belgrad ist ein Computer gefunden worden, der Radovan Karadzic gehören soll. Kriminaltechnische Analysen sollen die Eigentümerfragen klären. Spekuliert wird vor allem aber über den Inhalt der Daten.

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Gehört der gefundene Laptop wirklich Radovan Karadzic?

Ermittler haben in einem Belgrader Vorort einen Laptop gefunden, der dem mutmaßlichen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic gehören soll. Der serbische Rat für die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien hat mitgeteilt, die Behörden hätten neben dem Rechner auch 55 Disketten, Zeitungsartikel und zwei Bücher entdeckt. Mittels einer DNA-Analyse soll jetzt festgestellt werden, ob es sich tatsächlich um Karadzics Eigentum handelt.

Der frühere bosnische Serbenführer hatte nach seiner Verhaftung angegeben, sein Rechner sei bei der Festnahme verschwunden. Auf dem Rechner habe sich seine von ihm bereits vorbereitete Verteidigung befunden, sagte Karadzic.

Brisante Informationen?

Es ist ungeklärt, wie der Laptop und das restliche Material zum Fundort gelangt sind. In serbischen Medien wird darüber spekuliert, welche Informationen sich auf dem Rechner befinden könnten und wer dadurch belastet werden könnte. Der Journalist des Nachrichtenmagazins „ Vreme“, Milos Vasic, vermutet: „Jemand, der den Laptop und andere Unterlagen gefunden hat, wollte sicherlich lesen und herausfinden, ob eventuell auch Material dabei ist, das den Staat belasten könnte. Das ist vielleicht nicht ganz legal, aber legitim ist es auf jeden Fall.“

Der Laptop und die anderen Fundstücke sollen dem Angeklagten und seinen Verteidigern zur Verfügung gestellt werden, wenn durch DNA-Analyse bestätigt wird, dass es sich tatsächlich um Karadzics Eigentum handelt. Milos Vasic glaubt aber, dass das gefundene Material Karadzic nicht sehr viel helfen wird: „Angesichts der Anklagepunkte glaube ich nicht, dass der Computer und die gefundenen Disketten ihm wirklich hilfreich für die Verteidigung sein können.“

Karadzics Rechtsanwälte klagen an

Die Rechtsanwälte des früheren bosnischen Serbenführers haben die staatlichen Behörden beschuldigt, Karadzic schon drei Tage vor Bekanntgabe der Festnahme verhaftet und ihn zunächst an einem unbekannten Ort festgehalten zu haben. Karadzics Anwalt Svetozar Vujacic sieht in dem nachträglichen Auftauchen der Gegenstände einen Beleg für diese Vermutung.

Der serbische Rat für die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien hat bislang nicht mitgeteilt, in welchem Zustand sich der Laptop und die Disketten befinden. Ferner ist nicht bekannt, ob die gespeicherten Daten lesbar sind. Am 29. August soll Karadzic sich vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu der Anklage äußern. Er ist dort wegen Völkermordes und anderen Kriegsverbrechen im Bosnien-Krieg (1992-1995) angeklagt.

Ivica Petrovic

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