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Europa

Serben-General Mladic kurz vor der Festnahme?

Seit fast zehn Jahren ist der bosnisch-serbische General Ratko Mladic untergetaucht, doch nun könnte seine Überstellung ans UN-Kriegsverbrechertribunal bevorstehen.

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So sah er aus, bevor er 1996 abtauchte: Ratko Mladic

UN Kriegsverbrechertribunal in Den Haag

Das UN-Tribunal für Kriegsverbrechen in Den Haag

Eine unabhängige Bestätigung gibt es nicht, doch seit Tagen kursieren Gerüchte: Möglicherweise soll eine Festnahme und Überstellung des bosnisch-serbischen Generals Ratko Mladic an das UN-Kriegsverbrecher-Tribunal für Ex-Jugoslawien bevorstehen. Die serbische Regierung versuche, ihn zu einem freiwilligen Gang nach Den Haag zu bewegen, berichten Medien in Serbien und Montenegro. Allerdings verhandele man noch über die genauen Bedingungen.

Mladic werden Völkermord und Kriegsverbrechen während des Krieges in Bosnien-Herzegowina vorgeworfen, der 1992 begann und erst mit dem Friedensabkommen von Dayton 1995 endete. Die UN-Chefanklägerin Carla del Ponte konnte Anfang Dezember nach langer Zeit wieder einmal triumphieren, als die Nachricht aus Spanien eintraf: Ante Gotovina ist verhaftet. Der kroatische General war einer der drei großen Namen auf der Fahndungsliste des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag.

Kriegsherr der Serben-Republik

"Gotovina ist also in Haft und wird nach Den Haag überstellt. Und ich erwarte jetzt natürlich Mladic und Karadzic und die anderen Flüchtigen", erklärte del Ponte. Der einstige Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, und sein oberster General Ratko Mladic gelten als zentrale Figuren für das UN-Kriegsverbrechertribunal - erst wenn sie von den Haager Richtern den Urteilsspruch gehört haben, wird das UN-Tribunal seine Pforten schließen.

Nachdem sich Slowenien und Kroatien bereits 1991 für unabhängig erklärt hatten und damit der Zerfall Jugoslawiens besiegelt war, sprang der Funke 1992 auf Bosnien-Herzegowina über: Im Januar riefen die bosnischen Serben die "Republika Srpska" aus, Radovan Karadzic wurde zum ersten Präsidenten gewählt. Zwei Monate später beschloss das gesamtbosnische Parlament - entgegen dem Willen der Serben - den Austritt aus Jugoslawien. Daraufhin kam es zu ersten kriegerischen Auseinandersetzungen in Bosnien-Herzegowina. Die Serben-Republik formierte eine eigene Armee, deren Oberbefehl einem General der Jugoslawischen Volksarmee übertragen wurde: Ratko Mladic.

Hunderttausende vertrieben

Mit der Unterstützung aus Belgrad erzielten Mladics Truppen militärische Erfolge: Sie brachten rund 70 Prozent des bosnisch-herzegowinischen Territoriums unter ihre Kontrolle. Unter Mladics Kommando wurden Hunderttausende Kroaten und bosnische Muslime vertrieben - was menschenverachtend als "ethnische Säuberung" deklariert wurde. Tausende Menschen - Männer ebenso wie Frauen und Kinder - verschwanden in serbischen Gefangenenlagern, viele von ihnen wurden dort misshandelt.

Die serbische Armee belagerte drei Jahre lang die Hauptstadt Sarajevo, dabei schossen Scharfschützen wahllos auf Zivilisten. Noch kurz vor dem Friedensschluss von Dayton drang Ratko Mladic mit seinen Truppen in die UN-Schutzzone Srebrenica ein und ließ 8000 männliche Einwohner töten. Mladics Schieß-Befehl wurde damals abgehört und aufgezeichnet: "Schießt nur auf die Lebenden, nur auf die Lebenden! Sie haben keine Waffen. Sie haben nur die eine oder andere Panzerfaust. Sie haben normale Gewehre - und das ist alles."

Nur auf internationalen Druck entlassen

All diese Verbrechen werden Mladic und Karadzic von den Anklägern in Den Haag zur Last gelegt. Laut Anklageschrift von 1995 haben sie Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Mord, Plünderungen und Verstöße gegen internationales Kriegsrecht begangen. Karadzic und Mladic drohen deshalb lebenslängliche Haftstrafen - allerdings sind beide flüchtig.

Mladic blieb noch Chef der bosnisch-serbischen Armee bis Ende 1996, als ihn die Präsidentin der Serben-Republik auf Druck der internationalen Gemeinschaft entließ. Seitdem ist er untergetaucht - doch die Gerüchteküche brodelt: Einige berichten, er habe im Frühjahr 2000 bei einem Fußball-Länderspiel in Belgrad samt Leibwächtern auf der Tribüne gesessen. Andere behaupten, er habe in der südost-serbischen Stadt Nis gewohnt. Und wieder andere wollen ihn in Russland oder Griechenland gesehen haben.

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