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Europa

Die schwierige Suche nach serbischen Kriegsverbrechern

In Den Haag hat der Kriegsverbrecherprozess gegen den letzten "Präsidenten" der Krajina-Serben, Milan Martic, begonnen. Weitere mutmaßliche Kriegsverbrecher aus dem Balkan-Krieg sind noch flüchtig.

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Untergetaucht dank Unterstützer-Netzwerk: Radovan Karadzic

Von den Männern, nach denen das Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag fahnden lässt, gelten zwei als besonders wichtig: Radovan Karadzic (60), der frühere Präsident der bosnischen Serben, und sein damaliger General, Ratko Mladic (62). Beide sollen für das Massaker von Srebrenica verantwortlich sein, bei dem im Juli 1995 fast 8000 bosnische Muslime ermordet wurden. Karadzic war noch bis 1996 aktiver Politiker, im Jahr darauf verschwand er aus seinem Haus in Pale bei Sarajevo. Auch Mladic tauchte unter.

Im Land - oder ganz woanders?

Die Frage ist, wo sie nun stecken. "Mladic soll in Serbien Unterschlupf gefunden haben", erklärt Jasna Causevic von der Gesellschaft für bedrohte Völker. "Karadzic soll sich in Bosnien-Herzegowina oder Montenegro aufhalten. Oder in Russland." Thorsten Gromes, Experte für Bosnien-Herzegowina bei der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, kennt weitere wilde Gerüchte: "Es heißt, dass Karadzic auch mal in orthodoxen Klöstern unterkommt. Und manche behaupten sogar, dass er nach einer Gesichtsoperation angeblich ganz anders aussieht." Gromes hält es auch für möglich, dass Karadzic in ein ganz anderes Land geflohen ist. Das Problem: Man weiß nicht, ob das, was an die Öffentlichkeit kommt, nicht eine gezielte Desinformation ist.

Haus von Goran Hadzic Kriegsverbrecher Serbien

Das Haus des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Goran Hadzic. Er floh 2004 - angeblich wurde er gewarnt

Mit der Fahndung nach den angeklagten Kriegsverbrechern seien viele Menschen beschäftigt, erklärt Gromes: von den lokalen Behörden über das Sicherheitsministerium von Bosnien-Herzegowina bis zu den EU-Friedenstruppen und ausländischen Geheimdiensten. "Bosnien-Herzegowina ist zwar gebirgig, aber nur ungefähr so groß wie Bayern", sagt Gromes, der noch im Frühjahr 2005 auf dem Balkan war: "Man müsste sie eigentlich kriegen."

Kampf gegen das Netzwerk

Die vergebliche Suche nährt Spekulationen - allesamt unbewiesen. "Richard Holbrook, der beim Dayton-Abkommen dabei war, soll zum Beispiel ein Abkommen mit Karadzic geschlossen haben, dass er sich aus dem politischen Leben zurückzieht und dafür seine Freiheit behält", berichtet die Südosteuropa-Referentin Causevic.

Was laut Gromes aber sicher ist: "Karadzic hat noch immer ein großes Unterstützer-Netzwerk, das ihn schützt und ihn mit Informationen, mit Essen und Geld versorgt." Und seine Getreuen helfen dem früheren Psychiater und Poeten Karadzic, Bücher zu veröffentlichen - 2004 erschien "Die wundersame Chronik einer Nacht".

Dieses Helfernetzwerk würden die Ermittler derzeit attackieren, schließlich brauche Karadzic für sein Leben im Verborgenen eine sechsstellige Summe im Monat, sagt Gromes. "Aber es reicht wie ein Krake in alle möglichen Bereiche." Causevic klagt, dass noch immer "hunderte, wenn nicht gar tausende kleinere Kriegsverbrecher" auf einflussreichen Posten säßen, "und die werden natürlich keinen verraten".

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über den Sinneswandel der Regierung der serbischen Republik.

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