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Asien

Selbstmordanschlag vor NATO-Hauptquartier

Terroranschlag kurz vor den Wahlen: Vor dem NATO-Hauptquartier in Kabul hat ein Selbstmordattentäter sieben Menschen mit in den Tod gerissen und mehr als 90 verletzt. Zu dem Anschlag haben sich die Taliban bekannt.

Anschlag in Kabul (Foto: AP)

Fünf Tage vor den Wahlen nehmen die Taliban Kabuls Hochsicherheitszone ins Visier

Fünf Tage vor der Präsidentenwahl in Afghanistan haben Aufständische das Hauptquartier der NATO-Schutztruppe in Kabul ins Visier genommen. Vor dem Tor des Geländes zündete ein Selbstmordattentäter am Samstagmorgen (15.08.2009) eine gewaltige Autobombe und riss mindestens sieben afghanische Zivilpersonen mit sich in den Tod. Mehr als 90 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Ein Sprecher des Ministeriums befürchtete, dass die Opferzahl noch steige. Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag, ein Sprecher erklärte, die Bombe habe 500 Kilogramm Sprengstoff enthalten. Ziele des Angriffs seien die US-Botschaft und das Hauptquartier der Internationalen Schutztruppe ISAF gewesen.

Ziel des Anschlags: Störung der Wahlen

Soldaten vor ausgebranntem Auto (Foto: AP)

Der Attentäter hat sich in einem Toyota in die Luft gesprengt

Nach der Explosion irrten blutüberströmte Menschen in der Nähe des Tatorts umher. Über der Stadt stieg eine dichte Rauchwolke auf. Unter den Verletzten waren den Behörden zufolge auch eine Parlamentsabgeordnete, afghanische und ausländische Soldaten sowie mehrere Kinder. Letztere versammeln sich regelmäßig vor dem Hauptquartier, um Kaugummi und andere Waren an vorbeikommende Ausländer zu verkaufen.

"Ich habe gerade in meinem Büro Tee getrunken, als sich plötzlich diese enorme Explosion ereignete", sagte der junge Afghane Abdul Fahim, der Verletzungen an den Beinen erlitt. "Ich habe mich auf den Boden geworfen, und dann habe ich überall die Opfer gesehen."

Schutzbarrieren begrenzten offenbar die Schäden an dem NATO-Gebäude, in dem auch der Oberkommandierende, US-General Stanley McChrystal, seinen Sitz hat. Es befindet sich in derselben Straße wie die US-Botschaft und der Präsidentenpalast.

Erster großer Anschlag seit Februar

Der Leiter der polizeilichen Ermittlungsbehörde bemaß die verwendete Sprengstoffmenge auf etwa 270 Kilogramm, also wesentlich weniger als von den Taliban angegeben. Die islamisch-fundamentalistische Taliban-Miliz hat wiederholt damit gedroht, die Wahl massiv zu stören. Die Aufständischen haben die Bevölkerung aufgerufen, die Abstimmung zu boykottieren. Mit einem Anschlag auf das NATO-Quartier wollten die Taliban Beobachtern zufolge offensichtlich demonstrieren, dass sie jederzeit zu Übergriffen auf die Besatzungstruppen fähig sind. Immerhin musste der Attentäter drei Kontrollstellen der Polizei durchfahren, um zu seinem Ziel zu gelangen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte das Selbstmordattentat am Samstag in Berlin als "feige Attacke gegen die Demokratie". Sie sprach dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai sowie den Angehörigen der Opfer ihre "tief empfundene Anteilnahme" aus. Deutschland würde Afghanistan auch weiterhin "nach Kräften" unterstützen, erklärte Merkel .

Es war der erste große Anschlag in Kabul seit Februar. Damals griffen acht Taliban-Kämpfer in einer koordinierten Kommandoaktion drei Regierungsgebäude an. 20 Menschen sowie die Attentäter kamen dabei ums Leben. (mag/rri/ap/dpa/afp)

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