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Nahost

Selbstmordanschlag behindert Friedensverhandlungen

In Israel hat es den ersten Selbstmordanschlag seit mehr als einem Jahr gegeben. Die Attentäter gelangten offenbar über Ägypten nach Israel, nachdem der Grenzzaun zum Gazastreifen eingerissen wurde.

Polizisten inspizieren die Leiche des Attentäters (4.2.2008, Quelle: AP)

Zum ersten Mal seit einem Jahr sprengte sich in Israel ein Attentäter in die Luft

Der Anschlag erschütterte am Montag (4.2.2008) die verschlafene Wüstenstadt Dimona im Süden des Landes, die noch nie eine derartige Tat erlebt hatte. Ein Attentäter sprengte sich in die Luft und riss mindestens eine Israelin mit in den Tod. Sieben weitere Menschen wurden bei dem Anschlag nach Behördenangaben verletzt. Ein zweiter Attentäter wurde von der Polizei getötet, bevor er seinen Sprengstoffgürtel zünden konnte. "Ich hörte plötzlich eine gewaltige Explosion", erzählte der Besitzer eines Spielzeugladens in der Stadt, in deren unmittelbarer Nähe sich der hochgesicherte Atomreaktor des Landes befindet, israelischen Medien. Unter den Passanten vor dem Einkaufszentrum in Dimona sei "vollkommene Hysterie" ausgebrochen.

Al-Aksa-Brigaden bekennen sich

Ein Polizeiroboter durchsucht die Leiche eines der Attentäter nach Sprengstoff (4.2.2008, Quelle: AP)

Mindestens eine Israelin wurde bei dem Anschlag getötet

Zu dem Anschlag bekannte sich eine militante Gruppe mit Verbindungen zur Fatah-Partei des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas. In einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AP erklärten die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden, sie hätten die "Märtyreraktion" gemeinsam mit der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) ausgeführt.

Al-Aksa-Sprecher Abu Fuad sagte, die beiden Attentäter seien über Ägypten nach Israel gelangt, nachdem der Grenzzaun vom Gazastreifen nach Ägypten am 23. Januar von Mitgliedern der Hamas eingerissen wurde. Damit sei die seit einem Monat geplante Aktion möglich geworden. Die Sicherheitskräfte in Südisrael waren seit der vorübergehenden Öffnung der Sperranlagen in erhöhter Alarmbereitschaft. Es war befürchtet worden, dass militante Palästinenser über die Halbinsel Sinai in die Wüste Negev und damit auch nach Dimona gelangen könnten. Die Stadt mit 37.000 Einwohnern liegt 60 Kilometer nordöstlich von Ägypten.

Angst vor weiteren Attentaten wächst

In Israel nährte der Anschlag sofort die Sorge, dass nun weitere potenzielle Selbstmordattentäter ins Land gelangt sein könnten. Der israelische Geheimdienst hatte bereits seit Tagen vor möglichen Anschlägen von Extremisten aus Gaza gewarnt. Seit letztem Freitag hatten ägyptische Sicherheitskräfte 15 bewaffnete Palästinenser festgenommen.

Palästinenser brechen vom Gazastreifen nach Ägypten durch (23.1.2008, Quelle: AP)

Die Attentäter sollen über Ägypten nach Israel gelangt sein, nachdem die Grenze vom Gazastreifen nach Ägypten durchbrochen worden war

Unmittelbar nach dem Anschlag entbrannte wieder eine Diskussion über die Friedensverhandlungen mit den Palästinensern. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums erklärte, man wolle ungeachtet des Anschlags Gespräche mit der Palästinenserbehörde von Abbas fortsetzen.

Der stellvertretende israelische Ministerpräsident, Eli Jischai von der ultra-orthodoxen Schas-Partei, forderte dagegen eine Wiedereroberung der Grenze zwischen Gazastreifen und Ägypten, die Israel 2005 geräumt hatte. Er sprach sich auch für einen sofortigen Abbruch der neu aufgenommenen Friedensverhandlungen mit den Palästinensern aus. "Wir müssen jede Art der diplomatischen Verhandlungen sofort stoppen", erklärte Jischai. "Statt mit Verhandlungen müssen wir uns jetzt mit Sicherheit befassen."

Abbas verurteilt, Hamas verteidigt

Abbas' Büro verurteilte den Anschlag, wies aber eine Beteiligung von Al-Aksa zurück. Stattdessen brachte es die Tat mit einem israelischen Angriff im Westjordanland am frühen Montagmorgen in Verbindung, bei dem zwei militante Mitglieder des Islamischen Dschihads getötet wurden. Mahmud Habbasch, ein Minister in Abbas' Regierung, verurteilte den Anschlag ebenfalls, beschuldigte aber Israel, mit seinen Angriffen auf Extremisten im Gazastreifen eine Atmosphäre der Gewalt zu schaffen. Damit trage Israel Verantwortung für die Eskalation der Lage. In Gaza sagte Hamas-Sprecher Ajman Tahan, er wisse nicht, ob seine Organisation an dem Anschlag beteiligt gewesen sei. Er bezeichnete die Tat jedoch als gerechtfertigt. (mg)

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