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Wissen & Umwelt

Science March: US-Wissenschaftler vereinigen sich gegen Trump

Am "Tag der Erde", am 22. April, wollen Forscher gegen US-Präsident Trump protestieren. Der stellt den Klimawandel ebenso in Frage wie die Evolution und ordnete an, dass Daten nicht mehr veröffentlicht werden.

Forscher und Wissenschaftsjournalisten in den USA fürchten, dass die Arbeit für sie in den kommenden Jahren schwerer werden könnte. Ein Grund: Der neue US-Präsident, Donald Trump, hat öffentlich angezweifelt, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Er behauptet, dass der Klimawandel ein von China propagierter Mythos sei, mit dem Ziel, die US-Wirtschaft zu ruinieren.

Diese Aussagen alleine bringen die Forscher aber noch nicht auf die Straße. Es waren bestimmte Anweisungen, die er in den ersten Tagen seiner Amtszeit an die Behörden gab, die für Unruhe unter den Wissenschaftlern sorgten.

So dürfen die Umweltschutz-Agentur (EPA) und das Umweltministerium (Department of the Interior, Agriculture and Human Services) keine Presseerklärungen mehr herausgeben und ihre Webseiten ab sofort nicht mehr aktualisieren. Außerdem hat er der Nationalpark-Verwaltung verboten zu twittern.

Maulkorb für öffentlich geförderte Forschung

Damit hat sich Trump in der Wissenschaftsgemeinde gleich zu Beginn seiner Amtszeit viele Feinde gemacht. Jetzt haben sich zahlreiche Forscher, wissenschaftliche Autoren und Unterstützer zusammengeschlossen und ein politisches Aktionskomitee (PAC) gebildet, mit der Absicht, in zukünftigen Wahlen mehr Wissenschaftler für politische Ämter aufzustellen.

Die Gruppe nennt sich "314 Action", sie ist nach dem Beginn der endlosen Kreiszahl Pi - 3,14159…- benannt. In ihrem "Mission Statement" schreiben die Aktivisten, dass die USA neue politische Köpfe brauchen, "die verstehen, dass der Klimawandel real ist und die auch motiviert sind, Lösungen zu finden."

Viele der betroffenen Behörden nehmen die Publikationsverbote als Maulkorb wahr. Einige haben darauf reagiert, indem sie "Widerstands-Accounts" auf Twittergestartet haben, von denen aus sie weiter Informationen verbreiten.

Unter dem Slogan "Science, not Silence" (Wissenschaft, nicht Stille) haben Aktivisten zudem einen "Marsch für die Wissenschaft" ("Science March") angekündigt. Ihnen seien Fakten, Forschung und Meinungsfreiheit wichtig, sagen sie.

Die Großdemonstration, die am "Tag der Erde", am 22. April in Washington D.C. stattfinden soll, wurde auch durch den "Women's March" inspiriert. Am 21. Januar waren Millionen von Menschen in verschiedenen Städten der USA auf die Straße gegangen, um gegen die Familienpolitik der neuen Regierung zu protestieren.

In ihrer Stellungnahme verteidigen die Organisatoren vor allem die Forschungsfreiheit öffentlich finanzierter Einrichtungen. Der "Science March", heißt es, unterstützt öffentlich finanzierte und öffentlich publizierte Wissenschaft als Säule der menschlichen Freiheit und des Fortschritts.

Forschungsmethoden in Frage gestellt

"Wissenschaftler müssen seit Jahren gegen politische und ideologische Kräfte ankämpfen, die die Evolutionstheorie bestreiten oder den Klimawandel in Frage stellen", sagt Elizabeth Hadly, Professor der Biologie, Geologie und Umweltwissenschaften an der Stanford Universität gegenüber der britischen Tageszeitung "The Guardian". Hadley möchte am "Science March" teilzunehmen, weil sie den freien wissenschaftlichen Diskurs bedroht sieht. 

Auch viele Wissenschaftsautoren teilen Ihre Sorgen. Journalisten, die über Forschung berichten und die Öffentlichkeit über neue Ergebnisse und Erkenntnisse informieren, fragen sich, ob und wie sich ihre Arbeit unter den neuen Regeln der Trump-Administration verändern wird.

"Es ist für die Gesellschaft gefährlich, wenn die wissenschaftlichen Methoden in Frage gestellt werden", schreibt Aleszu Bajak der Deutschen Welle. Der freie Wissenschaftsjournalist aus Boston sagt in seiner Email: "Ich fürchte, dass der Maulkorb gegenüber den öffentlich beschäftigen Wissenschaftlern [so weit führen wird], dass Datensätze über Klima, Gesundheit oder irgendein anderes Thema, das die Administration für 'zu politisch' hält, versteckt oder vielleicht sogar komplett gelöscht werden."

Neben der Sorge um die Daten sehen viele die Wissenschaftsfreiheit auch durch die Einreiseverbote gegen Bürger bestimmter muslimischer Ländern in Gefahr.

"Wissenschaft ist ein internationales Unterfangen. Jeder macht sich Sorgen über die Folgen eines Einreiseverbots für Forscher aus anderen Ländern", sagt Apoorva Mandavilli, Chefredakteurin des Fachportals Spectrum, das sich der Erforschung von Autismus widmet. 

Gegenüber der DW versichert sie: "Wissenschaftler, die sich vorher nie politisch engagiert haben, mischen sich jetzt ein. Sie twittern über Politik und haben angekündigt, an den Protesten teilzunehmen."

Einige werden also mutiger. Ob andere in der Zukunft dagegen zurückhaltender sein werden, wenn es darum geht, in der Öffentlichkeit ihre Meinung zu sagen, ist nicht absehbar.

"Ich habe noch keinen Veränderung in der Art und Weise bemerkt, wie Forscher ihre Arbeit diskutieren", sagt Umair Ifan, Autor bei dem Umwelt-Nachrichtenportal E&E News. "Aber es gibt bei einigen die Befürchtung, dass es so kommen könnte. Es ist wohl einfach noch zu früh, das zu sagen."

Sollte der "Science March" allerdings ein Erfolg werden, wäre es zumindest ein Zeichen, dass viele Forscher keine Angst haben, ihre Meinung öffentlich kund zu tun und ihrem Unmut Luft zu machen.

 

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