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Klimaforschung

Kurz vor Trump: Noch schnell ein paar Klimadaten retten

Kurz bevor Donald Trump seine US-Präsidentschaft antritt, haben Wissenschaftler und Hacker viel zu tun: Sie kopieren in Eile Klimadaten auf unabhängige Server. Ist das Paranoia - oder weise Voraussicht?

Ein merkwürdiges Schauspiel findet gerade an den US-Universitäten statt: Professoren, Datenbankexperten, Archivare und Umweltaktivisten sitzen vor ihren Laptops, rufen tausende von Webseiten auf und kopieren sie. Was wie ein landesweiter Hackermarathon aussieht, ist der verzweifelte Versuch, so viele wissenschaftliche Klimadaten wie möglich vor dem 20. Januar in Sicherheit zu bringen - dem Tag, an dem Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt wird.

Wissenschaftler aus den USA und aus der ganzen Welt sind besorgt, dass die neue Regierung öffentlich verfügbare Forschungsdatenbanken nachbearbeiten und schönfärben könnte. "Unsere zukünftige Regierung bekennt sich als leidenschaftlicher Klimawandelleugner", betont Bibliothekar und Archivar Karl-Rainer Blumenthal im Schriftwechsel mit der DW. "Diese Informationen hier sind für die Zukunft unseres Planeten aber viel zu wichtig, um sie in einer Art moderner Bücherverbrennung zu verlieren."

Blumenthal hat ein Treffen in Chicago organisiert, um Datensätze, Datenbanken und webbasierte Serviceangebote zu kopieren. Es geht um alle die Daten, auf die sich Forscher und die Öffentlichkeit stützen, um mehr über die Gründe und die Auswirkungen des weltweiten Klimawandels zu lernen.

Alles begann mit einem Anruf der Universität von Toronto in Kanada und der Universität von Pennsylvania: Sie baten Blumenthal darum, am "End of Term"-Projekt teilzunehmen. Dieses Webarchiv sichert am Ende jeder US-Präsidentschaft die Webseiten der jeweiligen Regierung. Dann aber wurde daraus eine Art Guerrilla-Archivierungsbewegung.

Verfolgungswahn oder nicht?

Diese Woche finden Datensicherungstreffen in Indianapolis, Chicago, Los Angeles und Philadelphia statt. Über 20 Universitäten und Institutionen nehmen an der Datenrettung teil.

Das "Data Refuge"-Projekt und die Initiative "Environmental Data and Governance" haben bereits 6900 Webseiten auf unabhängige Server gespielt. Das Projekt "Climate Mirror" stellt Webseiten wieder her und speichert sie auf Servern, die in der ganzen Welt stehen - so will man das Risiko verteilen, wertvolle Informationen zu verlieren.

Einigen mag diese riesige Datensicherungsaktion irrational vorkommen. Weder Trump noch irgendjemand aus seinem zukünftigen Kabinett hat jemals angedeutet, den Zugang zu Regierungsdaten einzuschränken oder sie sogar zu löschen.

Aber Kritiker betonen, dass die Worte und Taten Trumps viel Platz für Zweifel lassen. Vor seiner Wahl hat er geschworen, bereits existierende Klimaverträge "in Stücke zu reißen". Im Jahr 2012 schrieb er auf Twitter, dass die Erderwärmung nur ein "Hoax" sei - eine Falschmeldung, erfunden von den Chinesen.

Zwar ruderte Trump später wieder zurück, und sagte, er glaube, es gebe doch "irgendeine Verbindung" zwischen Klimawandel und menschlichen Aktivitäten. Trotzdem erwählte er Klimawandelleugner Scott Pruitt, die US-Umweltbehörde zu leiten.

Es möge so scheinen, als sei die Sicherung der Daten "Panikmache", gibt Bethany Wiggin von der Universität von Pennsylvania zu, eine der Organisatorinnen des "Data Refuge"-Projekt. "Aber wir wollen lieber auf Nummer sicher gehen und alle Vorsicht walten lassen. Bibliothekare und Archivare sagen schon immer: Mehr Kopien an mehr Orten zu haben, ist immer eine gute Idee."

Daten weg

Es ist bereits vorgekommen, dass sich die Politik an wissenschaftlichen Informationen vergreift. Die Regierung unter George W. Bush schloss damals einige der Forschungsbibliotheken der Umweltbehörde EPA. Und Ende Dezember löschte im US-Bundesstaat Wisconsin die staatliche Behörde, die Umweltvorschriften überwacht, Text von ihrer Webseite. Dort steht jetzt nicht mehr, dass Menschen und Treibhausgase der Hauptgrund für den Klimawandel sind, sondern dass sich darum eine wissenschaftliche Debatte dreht.

Viele Wissenschaftler machen sich Sorgen, dass so etwas unter Trump häufiger vorkommen könnte. "Wir denken, dass mit Klimawandelleugnern in den hohen Ämtern Daten öfter 'verloren' gehen könnten als sonst", sagt Wiggin.

USA Protest gegen Klimapolitik Donald Trumps in New York (picture-alliance/Zuma Press/)

Klimaaktivisten protestieren seit Monaten gegen Donald Trump

Informationen bedeuten Macht

Aber warum sollte Trump daran interessiert sein, wissenschaftliche Daten zu löschen oder zu verschleiern? "Informationen bedeuten Wissen - und Wissen ist Macht", sagt Eileen Wagner gegenüber der DW. Wagner ist Projektmanagerin bei der Open Knowledge Foundation Deutschland, einem gemeinnützigen Verein, der sich für offenes Wissen und offene Daten einsetzt. "Mit Daten kann man die politische Debatte bestimmen. Wer die Daten kontrolliert, kann sie für seinen eigenen politischen Nutzen verwenden."

Wagner glaubt, dass Trump weiterhin in irgendeiner Form Daten zum Klimawandel sammeln wird. Die Frage ist nur, ob er die Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich macht. Wenn die Daten Trumps Argumente und Pläne unterstützen, mit Sicherheit. Aber was, wenn nicht?

Die Wissenschaft in der Zange

Wenn dieses Sichern großer Datenmengen eines zeigt, dann das: Forscher in den USA sind verunsichert. Donald Trump hatte Klimaforscher schon in der Vergangenheit im Visier. Im Dezember bat Trumps Team das Energieministerium darum, ihm eine Liste mit Klimawandelexperten zusammenzustellen.

Nicht alle Beobachter erwarten, das Trump existierende Klimadaten löschen wird.  "Viel wahrscheinlicher ist es, dass seine Regierung die Fördermittel verringern oder sogar streichen wird, um neue Daten zu sammeln", sagt Philip Duffy, Direktor des privatfinanzierten Woods-Hole-Forschungszentrum, einer Organisation, die Klimawandel und andere Umweltprobleme erforscht.

Trumps Berater haben bereits vorgeschlagen, die Mittel für die Klimaforschung der US-Raumfahrtbehörde NASA zu reduzieren. Bethany Wiggins gibt zu, dass auch sie sich um Geld die meisten Sorgen macht. Wenn die finanzielle Unterstützung für Umweltforschungsprogramme eingedämmt wird, "wird es sehr schwer für unsere Wissenschaftler sein, noch ihre Arbeit zu machen."

Martina Buttler hat zu diesem Artikel beigetragen.

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