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Kultur

Schwierige Ermittlungen nach Flugzeugabsturz

Bei der zyprischen Boeing-737, die am 14.8. vor Athen abgestürzt war, soll es bereits im Dezember 2004 ein massives Problem mit dem Luftdruckausgleich-System gegeben haben. Das sagte der Ex-Chefingenieur der Airline.

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Nur Trümmer und Wrackteile

"Die Maschine hatte damals ein erhebliches Problem mit dem Luftdruck. Der Pilot musste von 30.000 auf 10.000 Fuß (von 12.000 auf 3000 Meter) runtergehen", sagte der ehemalige Chefingenieur der zyprischen Fluggesellschaft Helios Airways, Kyriákos Pilavákis, am Dienstag (15.8.2004) im staatlichen zyprischen Fernsehen RIK.

Die Maschine habe bei besagtem Flug im Dezember auf Zypern notlanden müssen. Danach blieb sie fünf Tage lang auf dem Boden, um überprüft zu werden. "Anschließend schickten wir sie nach Großbritannien, wo sie erneut vier Tage lang kontrolliert wurde", sagte Pilavákis, der am 1. April dieses Jahres gekündigt hat.

Razzia bei Helios

Die Boeing 737-300 war am Sonntag (14.8.2005) auf dem Weg von Zypern nach Prag in der Nähe von Athen mit 121 Menschen an Bord abgestürzt. Es gab keine Überlebenden. Nach dem Flugzeugabsturz hat die zyprische Justiz umfangreiche Untersuchungen aufgenommen. Mitarbeiter und ehemalige Helios-Passagiere werden über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse befragt. In der Nacht zum Dienstag hatte die Polizei bei einer Razzia in den Büros der Fluggesellschaft Beweismaterial über den Zustand der Maschinen sichergestellt.

Suche nach dem Stimmrecorder

Die Ermittlungen zur Absturzursache des Flugzeugs gestalten sich nach Expertenansicht allerdings schwieriger als erwartet. Der Stimmenrekorder sei immer noch nicht gefunden worden, sagte der Vorsitzende der griechischen Zivilluftfahrt-Kontrollbehörde, Akrivos Tsolakis, am Dienstagmorgen im staatlichen griechischen Fernsehen NET. "Das, was die Rettungskräfte am Montag fanden, war leider nur der Behälter des Stimmenrekorders. Ich bin pessimistisch, dass wir das Gerät noch entdecken."

Der Recorder würde Aufschluss über den Wortwechsel der Piloten mit der Flugsicherung geben. Vor allem könnte mit Hilfe der Aufzeichnungen wahrscheinlich geklärt werden, was im Cockpit genau geschehen ist, nachdem der Funkkontakt mit der Außenwelt abbrach. Die Mitschnitte geben in der Regel neben den Gesprächen auch alle anderen Geräusche in der Kabine wieder. Der Flugschreiber mit den Daten der Geräte in der Maschine ist dagegen laut Akrivos Tsolakis intakt. Er soll in den kommenden Tagen nach Paris zur Auswertung geschickt werden.

Identifizierung der Opfer

Flugzeugabsturz bei Athen: Angehörige identifizieren Opfer

Angehörige müssen die Opfer identifizieren

Auch die Identifizierung der Opfer erweist sich als schwieriger als erwartet. Bislang seien erst 24 der 121 Toten identifiziert worden, sagte ein Gerichtsmediziner am Dienstag. Bei Untersuchungen von sechs Leichen stellten Gerichtsmediziner fest, dass diese bis zum Zeitpunkt des Aufpralls am Leben waren. "Ihr Herz schlug und sie atmeten", sagte ein Arzt. Dies bedeute jedoch nicht, dass sie noch bei Bewusstsein waren. "Insgesamt haben wir 45 Leichen in einem relativ guten Zustand gefunden, 21 davon konnten leider nicht identifiziert werden", sagte der Gerichtsmediziner im griechischen Fernsehen. Noch schwieriger werde die Identifizierung von 73 Leichen, die nach den Worten des Arztes verkohlt sind. "Wir werden vermutlich mehrere DNA-Tests durchführen müssen."

Drei Absturzopfer - darunter der deutsche Pilot - konnten bislang nicht geborgen werden. Der 58-Jährige stammt nach Medieninformationen aus Thüringen. Zuletzt lebte er in Berlin. Bevor er Pilot bei Helios Airways wurde, habe er laut Medienberichten Maschinen der DDR-Gesellschaft Interflug und der Lufthansa gesteuert. (chr)

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