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Afrika

Schulen des islamischen Predigers Fethullah Gülen in Äthiopien verkauft

Seit Monaten geht die türkische Regierung gegen Schulen des umstrittenen Predigers Gülen in Afrika vor. Jetzt wechselt die Gülen-Schule in Äthiopien den Besitzer. Auf türkischen Druck?

Screenshot - www.nejashiturkishschools.com (nejashiturkishschools.com)

Website der Nejashi Ethio-Turkish International Schools

Auf der Website der Nejashi Ethio-Turkish International Schools ist alles wie immer. "Anmeldungen für das Schuljahr 2016/2017 jetzt möglich" steht oben. Auf Fotos spielen Kinder vor einem Schulgebäude Basketball, die Schulen preisen die hochwertige Technik in den Klassenzimmern an. Die wichtigste Nachricht aber fehlt: Nach Medienberichten werden die sechs Schulen in Äthiopien verkauft. Die Entscheidung sei "aus wirtschaftlichen Gründen" gefallen, zitiert die Nachrichtenagentur AP Verwalter Cecil Aydin.

Rund 2000 Schüler besuchen die sechs Bildungseinrichtungen vom Kindergarten bis zur Sekundärschule. Die Gebühren sollen bei mehr als 2500 US-Dollar jährlich pro Kind liegen. Die meisten Eltern in Äthiopien können sich das nicht leisten. Aber Äthiopiens Elite schickt ihre Kinder gerne dorthin.

Fethullah Gulen (picture-alliance/dpa/S. Sevi)

Fethullah Gülen gilt als Erzfeind Erdogans

In mehr als 160 Ländern gibt es Schulen und Universitäten, die sich der Hizmet-Bewegung von Fethullah Gülen zurechnen. Das gefallt der türkische Regierung aber nicht mehr. Sie hält  den islamischen Prediger für den Drahtzieher des Putschversuchs gegen Staatsschef Recep Tayyip Erdogan im Juli letzten Jahres. Die Türkei beschuldigt Gülen, durch die Schulen neue Anhänger werben zu wollen. Die Gülen-Bewegung weist die Vorwürfe zurück.

Großer türkischer Einfluss in Äthiopien

Bereits vergangenes Jahr drängte der türkische Botschafter in Nigeria darauf, dass die 17 Gülen-Schulen im Land geschlossen werden sollten. Auch Erdogan  soll sich kritisch über die Schulen in Afrika geäußert haben: bei seiner Reise nach Tansania, Mosambik und Madagaskar im Januar und auch gegenüber Äthiopiens Premierminister Hailemariam Desalegn.

"Ich habe ihm gesagt, dass er uns einen Ausweg zeigen soll, wie wir die Schulen weiter aufrechterhalten können, wenn etwas daran falsch ist", zitiert die AP Desalegn.

Afrikareise Erdogan in Tansania (Getty Images/AFP)

Erdogan zu Besuch bei Tansanias Präsident Magufuli: Auch in Tansania gibt es Gülen-Schulen

Noch ist nicht bestätigt, dass Druck aus der Türkei zum Verkauf der Schulen geführt hat. Fakt aber ist: Die Türkei hat in Äthiopien großen Einfluss. Seit Jahren meldet Äthiopien zweistellige Wachstumsraten. "Das hat zu hohen türkischen Investitionen geführt", sagt der Leiter der amharischen Redaktion der Deutschen Welle, Ludger Schadomsky. Nach Angaben des türkischen Außenministeriums sind rund 150 türkische Firmen in Äthiopien aktiv. Für sie sollen gut 30.000 Menschen arbeiten. 2,5 Milliarden US-Dollar investiere die Türkei in den Staat am Horn von Afrika, schreibt das Ministerium auf seiner Website. Die Kooperation erstreckt sich auch auf andere Bereiche: "Seit 2013 gibt es auch ein Abkommen zur militärischen Zusammenarbeit", sagt Schadomsky.

Käufer der Schulen soll eine Gruppe deutscher Investoren sein. Bestätigt ist diese Information aber nicht. Weitere Details über die Investoren sind nicht bekannt. Eine Interviewanfrage der Deutschen Welle an die Schulverwaltung blieb unbeantwortet. Auch die deutsche Botschaft wollte sich gegenüber AP nicht zum Verkauf der Schulen äußern.

Gülen-Schulen in anderen Ländern werden geschlossen

Im vergangenen Dezember hatte die senegalesische Regierung bereits die Gülen-Schulen in ihrem Land geschlossen. Die Trägerschaft sollte eine neugegründete türkische Stiftung übernehmen. Im Februar zog Angola nach. Die Regierung machte das Colegio Esperanca International (Coespi) in der Hauptstadt Luanda dicht. 750 Schüler waren betroffen. 66 Personen - türkische Mitarbeiter der Schule und ihre Familien - mussten das Land verlassen.

Yavuz Selim Schule in Dakar (DW/M. Lamine Ba)

Die Gülen-Schulen im Senegal werden von einem neuen Träger übernommen

Die Schul-Schließung sei notwendig, um die "Sicherheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung zu sichern", hieß es in einem Dekret von Staatspräsident Eduardo dos Santos. Zu den genauen Gründen wollte sich Innenminister Angelo de Veiga nicht äußern: "Die Entscheidung der angolanischen Regierung hat nichts mit Druck aus anderen Ländern zu tun", sagte er im Staatsfernsehen.

Das sieht nicht jeder im Land so. "Wir glauben, dass es hier eine obskure Agenda gibt, die den Staatspräsidenten und seine Untergebenen dazu bringt, den Kapriolen des türkischen Präsidenten zu folgen", sagte der angolanische Jurist Domingos Chipilika dem portugiesischen DW-Programm.

Mitarbeit: Nelson Sul 

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