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Wirtschaft

Schuften im mexikanischen Urlaubsparadies

In Cancún treffen sich Wirtschaftsbosse zum Weltwirtschaftsforum Lateinamerika. Während sie sich in Luxushotel über Investitionen unterhalten, schwitzen andere, um noch mehr Villen und Hotels hochzuziehen.

Am Strand von Cancun in Mexiko, Foto: Adveniat/Deselaers

Cancun, Playa del Carmen, Mexiko - hier stoßen Arm und Reich aufeinander

In den Luxussuiten des Tagungshotels gibt es einen privaten Whirlpool auf der Terrasse, Spiegel, die nicht beschlagen, Wäscheservice und eine Spielekonsole. Mexikos Riviera Maya bietet Luxustourismus an der karibischen See. Die Menschen, die die Hotels und Resorts bauen, kommen aus Dörfern, in denen es oft nicht einmal Strom und Trinkwasserversorgung gibt, Wäsche wird im Fluss gewaschen.

"Im Grunde kommen wir hierher, um zu leiden", sagt Caralampio Santiago Velazco. Wie die meisten der Bauarbeiter kommt er aus Chiapas, Mexikos ärmstem Bundesstaat im Südwesten des Landes. Vier Monate will er auf den zahlreichen Baustellen in und um Playa del Carmen arbeiten, sechs Tage pro Woche, jeweils zehn bis zwölf Stunden. Dafür bekommt er etwas mehr als 2000 Pesos, rund 200 Dollar in der Woche.

Weißer Sandstrand, Palmen und Wanderarbeiter

Wanderarbeiter aus Chiapas bauen die Hotels und Villen, Foto: Adveniat/Deselaers

Wanderarbeiter aus Chiapas bauen die Hotels und Villen

Die mexikanische Riviera Maya ist ein 100 Kilometer langer Küstenstreifen am karibischen Meer: weißer Sandstrand, Palmen, türkisblaues Wasser. Jedes Jahr kommen mehr Touristen, vor allem aus den USA, aus Spanien und Deutschland. Hotelindustrie und lokale Politiker wollen deshalb, dass sich die Anzahl der Hotelzimmer verdoppelt - und zwar möglichst schnell.

Im vergangenen Jahr haben die Tourismus-Unternehmen im Bundesstaat Quinatana Roo eine Milliarde US-Dollar investiert. Das Geld kam zu 92 Prozent aus Spanien. Eine Studie im Auftrag der katholischen Hilfsorganisation Caritas schätzt, dass es auf den Baustellen der Hotelanlagen in den nächsten fünf Jahren 250.000 befristete Jobangebote geben wird. "Die Arbeiter aus Chiapas sind bei den Bauherren beliebt, weil sie respektvoll und fleißig sind", sagt Alejandro de Hoyos Yañiz, Leiter der Caritas Quintana Roo.

Touristen schlafen in Luxushotels – Arbeiter auf Baustellen

Wanderarbeiter aus Chiapas bauen die Hotels und Villen, Foto: Adveniat/Deselaers

200 Dollar pro Woche bekommen die Arbeiter - und schicken möglichst viel davon an ihre Familien

Ohne die Wanderarbeiter sei der Bauboom nicht zu bewältigen, sagt de Hoyos: "Für uns ist es eine Chance, dass wir auf die Arbeitskraft der Menschen aus Chiapas zurückgreifen können, und für sie ist es eine Chance, Arbeit relativ nah an ihrer Heimat zu finden." Doch die Region sei nicht in der Lage, den Bauarbeitern würdige Lebensbedingungen anzubieten.

Meistens schlafen die Arbeiter auf den Baustellen der Hotels. Bei größeren Projekten werden Lager für die Arbeiter aufgestellt. Das sind dann Wellblech-Hütten, in denen 100 Männer in Hängematten schlafen, eine Armlänge Abstand zum Nebenmann: "Manchmal schlafen wir auch auf der Straße", sagt Santiago.

Leiden für die Schulausbildung der Kinder

Die Arbeiter bauen Luxushäuser, sie selbst schlafen auch auf der Straße, Foto: Adveniat/Deselaers

Die Arbeiter bauen Luxushäuser, sie selbst schlafen auch auf der Straße

In vier Monaten kommt seine jüngste Tochter in die Schule. Damit er ihre Ausbildung bezahlen kann, muss Santiago in dieser Zeit möglichst viel Geld verdienen. Jeden Peso, den er für Miete, für Essen oder für Freizeit ausgibt, kann er nicht an seine Familie schicken. Aber das Essen ist teuer im Touristenparadies, und jede Überweisung kostet fast 20 Dollar Gebühren. Am Ende kommen bei seiner Familie jede Woche 50 bis 60 Dollar an.

"Uns aus Chiapas betrachten sie hier oft als Verbrecher", sagt Santiago. Vor allem die Polizei behandele sie wie Diebe. Manche Menschen hätten schon ein Lächeln für die Migranten übrig, aber andere überhaupt nicht: "Die sagen dann: Du stinkst, geh zur Seite."

"Damit unsere Kinder nicht das Gleiche erleben müssen"

"Mexikos Arbeitskräfte sind jung und gut ausgebildet", erklärte Bruno Ferrari, der Chef der staatlichen mexikanischen Außenhandelsagentur auf dem Weltwirtschaftsforum in Cancún. Die Arbeiter auf den Hotelbaustellen sind zwar jung, teilweise nicht mal volljährig, aber gut ausgebildet sind sie selten.

Die Immobilienanzeigen, die in der Flaniermeile von Playa del Carmen an jede Ecke hängen, dürfte kaum einer von ihnen verstehen. Auf Englisch werden dort die Häuser angepriesen, die sie gebaut haben: 250.000 US-Dollar für eine Eigentumswohnung; 3,5 Milionen US-Dollar für eine Villa am Strand. "Wir verlassen unser Zuhause, weil wir gerne etwas Gutes machen wollen, damit unsere Kinder nicht mehr das gleiche erleben müssen wie wir", sagt Santiago.

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