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Kultur

Schrottautos vor dem Aus

Serbien will nicht mehr länger einer der "Autofriedhöfe Europas" sein: Seit Mitte Oktober ist die Einfuhr von Autos verboten, die älter als drei Jahre sind. Die Bevölkerung ist ganz und gar nicht begeistert.

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Vom Schrottplatz auf die Straße


"Wir werden alle lebenswichtigen Verkehrsadern der Stadt blockieren, bis die Einfuhr wieder erlaubt wird", kündigte Milivoje Armus an. Er ist einer der Sprecher der 7500 Belgrader Taxifahrer. Das Durchschnittsalter der serbischen Autos beträgt nach amtlichen Angaben 15 Jahre, Taxen haben im Schnitt sogar 18 Jahre auf dem Buckel.

Mehr Schrott als Auto

"Wir sind der Autofriedhof ganz Europas", schreiben die serbischen Zeitungen unisono. Die Folgen sind katastrophal. 54 Prozent aller überprüften Autos weisen schwere Mängel auf, berichtet der Automobilclub. Von den Lastwagen und Autobussen seien gar 80 Prozent "fahrende Bomben", hat das Wochenblatt "Telegraf" herausgefunden. Nach Darstellung des stellvertretenden Regierungschefs Miroljub Labus ereignen sich in Serbien pro Kopf der Bevölkerung mehr Unfälle als in jedem anderen Land Europas.

Zwar müssen die Importautos eigentlich die strenge Abgasnorm Euro 3 einhalten, doch geprüft wird das nicht. Die Folge sind dicke, stinkende Abgasfahnen aus den meisten Auspuffen. Wenn der Himmel bewölkt ist, kann die tägliche Dunstwolke über Belgrads Innenstadt nicht abziehen. "Unsere Autofahrer sind regelmäßig halb vergiftet von den Abgasen", so dass sie hinter dem Steuer benommen und oft im Verkehr unaufmerksam sind, analysieren die Zeitungen.

Ein Auto gehört dazu

Das Belgrader Straßensystem stammt zu großen Teilen aus der Jahrhunderwende stammt. Die Abluft in den engen Verkehrsadern und Häuservierteln kann sich nur schwer verflüchtigen. Eine U-Bahn gibt es nicht. Aufatmen können die Belgrader demzufolge nur, wenn der Kosava-Wind wie in diesen Tagen aus Richtung Ungarn durch die Straßen pfeift und die Stadt vom Gestank säubert. Die Regierung hat das Importverbot für Altautos damit begründet, dass das Außenhandelsdefizit in den ersten acht Monaten im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um zwei Drittel auf 3,7 Milliarden Euro hochgeschnellt sei.

Die meisten Bürger ist das Auto ein Statussymbol – egal, wie alt die Karre ist. Beinahe eine Milliarde Euro haben sie 2004 für den Kauf alter Autos im Ausland ausgegeben. Die meisten Altfahrzeuge stammen aus Deutschland. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt Bubanj Potok vor den Toren Belgrads herrscht Hochbetrieb. Nach dem Regierungsverbot sind die Preise innerhalb von Tagen um 30 Prozent geklettert.

Polen will nachziehen

Ähnlich wie Belgrad will auch Warschau der Einfuhr von verbeulten und kaputten Fahrzeugen einen Riegel vorschieben. Fast die Hälfte aller importierten Wagen sind auch dort älter als zehn Jahre. Presseberichten zufolge arbeitet das Warschauer Verkehrsministerium an neuen Vorschriften, die einen Mindeststandard für Fahrzeuge vorschreiben, die auf Polens Straßen rollen. (arn)

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