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Wirtschaft

Rohstoffhunger im Reich der Mitte

Nahezu unbemerkt erleben die Märkte für Rohstoffe einen gigantischen Boom. Ob Eisenerz, Kupfer, Zink oder Kohle: Die wachsende Industrie Chinas kauft auf den Weltmärkten, was das Zeug hält.

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Riesige Tagebaue stillen den Kupferbedarf der Wirtschaft

Mit China machen Minengesellschaften derzeit gute Geschäfte. So liefert der der britisch-australische Rohstoffkonzern BHP Billiton seit Montag (1.3.2004) zwölf Millionen Tonnen Eisenerz jährlich an vier chinesische Stahlwerke. 25 Jahre läuft der Vertrag. Volumen: Rund neun Milliarden Dollar. Hintergrund: In China wachsen die klassischen Industrien, die in Europa und Amerika ihre Blütejahre hinter sich haben, in hohem Tempo.

Produktion am laufenden Band

Volkswagen-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder, links nimmt an der Grundsteinlegung des 2. VW- Werk in China teil Volkswagen Changchun

So boomt etwa die Autoindustrie in China. Weltkonzerne wie VW und Toyota lassen dort fertigen und brauchen Rohstoffe, wie etwa Kupfer. 30 Kilogramm des Buntmetalls werden heute im Durchschnitt pro Pkw verbaut. Der Grund: Immer mehr Elektromotoren für den Komfort der Insassen und immer mehr Leitungen, die zur Steuerung der Elektronik in den Fahrzeugen dienen. Gleiches gilt für das Leichtmetall Aluminium, dessen Preis wöchentlich steigt.

Rohstoffproduzenten auf der Gewinnerseite

Aktienkurse profitieren, wie etwa der Kurs des australischen Zinkproduzenten Perilya. Notierte die Aktie im Jahr 2003 bei 30 Euro-Cent, so verdreifachte sich der Kurs seit Oktober 2003. Frohe Nachrichten auch für den britischen Rohstoffkonzern Rio Tinto, dessen Kurs seit Herbst 2003 von durchschnittlichen 70 bis 80 US-Dollar der vergangenen Jahre auf 110 Dollar stieg.

China ist Motor der Weltkonjunktur

Chinas Konjunktur wuchs 2003 um gut neun Prozent. Damit steuerte China laut der Investmentgesellschaft Morgan Stanley ein Drittel zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei. Die rasant wachsende Stahlproduktion des Landes hat zudem die Eisenerz- Importe in die Höhe getrieben. Dass im Gefolge Öl und, mehr noch, Kohle in hohem Maße verbraucht werden, ist ein weiterer Nebeneffekt.

Laut Morgan Stanley importierte China 2003 Waren für 120 Milliarden Dollar. 80 Prozent des Geldes flossen in Rohstoffe und Ausrüstungen. Das Land sei nun der weltweit größte Konsument von Kupfer, Zink, Zinn, Platin, Stahl und Eisenerz und zweitgrößter Verbraucher von Aluminium und Blei. Die Preise verdoppelten sich 2003 für Nickel, stiegen bei Blei um die Hälfte, bei Kupfer um 40 Prozent. Nicht nur die Industrialisierung, auch die Olympischen Spiele 2008 forcieren den Ausbau des Landes und damit die Nachfrage.

Industrie in Deutschland profitiert ebenfalls

Auch deutsche Unternehmen wollen von der chinesischen Rohstoffhausse profitieren. Die Norddeutsche Affinerie (NA) etwa, Europas größter Kupferproduzent und in Hamburg zu Hause. Bis zu 30 Millionen Euro will NA-Chef Werner Marnette in die Kupferverarbeitung vor Ort investieren.

Auf die leisen deutschen Wachstumssignale will die NA allein lieber nicht vertrauen. Zu lange schon kämpfen die Hamburger, obschon hochmodern ausgerüstet, mit den Margen hierzulande. Jüngst kam die NA auch deshalb unter Druck, weil chinesische Aufkäufer den Markt für Schrottkupfer abgrasen und die Hamburger Hütte mit den Preisen nur schwer mithalten kann. Der Bedarf Chinas verdoppelte sich auf drei Millionen Tonnen jährlich, Deutschland verbraucht ein Drittel dessen. Steigende Rohstoffpreise auf dem deutschen Markt attestierte jüngst das Statistische Bundesamt Destatis. Kupfer und Kupferhalbzeug waren 2003 gut sechs Prozent teurer als im Jahr zuvor, ebenso metallische Sekundärrohstoffe.

Stahl: Vom Sorgenkind zum Gewinnbringer

Stahlproduktion in China

Einer klassischen Industrie der Old Economy nützt Pekings Wille zur ökonomischen Macht ganz besonders: Den Stahlkochern. Das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI prognostiziert Wachstum für 2004 und 2005. Profitieren werden Unternehmen wie ThyssenKrupp und Salzgitter. Motor der anziehenden Stahlkonjunktur: "Die ungebremste Nachfrage aus China", so das RWI.

Mit 257 Millionen Tonnen wird nach einer RWI-Studie in China mehr als ein Viertel der auf dem Weltmarkt zur Verfügung stehenden Stahlmenge verbraucht. Selbst mit Stahl wird wieder ordentlich Kasse gemacht: Der Preis ein Schlüsselprodukt, das so gennannte Warmbreitband, stieg im letzten halben Jahr um etwa ein Drittel auf rund 340 Dollar pro Tonne. Übrigens entwickelt nicht nur China seine Industrie und damit die Produktion. In Indien und Russland hat man ähnliches vor.

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