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Ostmitteleuropa

Schnellere Abfertigung dank Schengener Minimum

– Gespräch mit dem Sprecher des ungarischen Landesgrenzschutzes, Sándor Orodán

Budapest, 11.8.2003, BUDAPESTER ZEITUNG, deutsch, Jan Mainka

Lange Schlangen an den ungarischen Grenzübergängen gehören auch in dieser Saison wieder zum typischen Bild. Während viele Beobachter feststellen, dass die Wartezeiten zugenommen haben, behauptet Landesgrenzschutz-Sprecher Sándor Orodán, dass die Abfertigung nun schneller vor sich geht.

Frage: Wie ist die Lage an Ungarns Grenzübergängen?

Antwort: Besser als in den Vorjahren. Während im vergangenen Jahr noch Wartezeiten von mehr als fünf Stunden vorkamen, sind anderthalb Stunden bisher das Maximum. Lediglich einmal staute es sich vor etwa zwei Wochen in Hegyeshalom bei der Einreise nach Ungarn etwas länger. Reisende mussten eine Wartezeit von etwa vier Stunden in Kauf nehmen.

Frage: Wie reagieren Sie auf den erhöhten Verkehr?

Antwort: Wir arbeiten eng mit unseren deutschen und österreichischen Kollegen zusammen. So sind wir nicht nur genau über die Ferientermine und andere Rahmenbedingungen informiert, wir bekommen auch ständig aktuelle Meldungen über die Stärke des anrollenden Verkehrs. Wir können die Personalstärke durch Umgruppierungen verdreifachen und die Zahl der Abfertigungsspuren von sieben auf zwölf erhöhen. Damit sind wir dann aber an unserer physischen Grenze angelangt.

Frage: Ist die schnellere Abfertigung also nur eine Frage der besseren Organisation?

Antwort: Nein, nicht nur. Beschleunigend auf unsere Arbeit hat sich die Tatsache ausgewirkt, dass wir seit dem 17. April, also einen Tag nach Ungarns Unterschrift unter dem Beitrittsvertrag in Athen, Bürger aus den EU-Ländern, den Beitrittskandidaten sowie Ländern wie der Schweiz und den USA nur noch nach dem so genannten Schengener Minimum kontrollieren.

Frage: Haben auch die anderen Beitrittskandidaten diese Praxis übernommen?

Antwort: Ja, aber teils nicht so schnell wie wir. Die Slowakei hat ihre Kontrollen erst mit Wirkung vom 1. Juli reduziert. Trotzdem kommt es seitdem immer wieder vor, dass unsere slowakischen Kollegen jeden auf die alte Weise kontrollieren und unnötige Staus entstehen.

Frage: Wie setzt sich der Strom der nach Ungarn Einreisenden zusammen?

Antwort: Nur etwa 40 Prozent sind Touristen. Das Gros machen Gastarbeiter aus. Besonders auffällig ist die hohe Zahl an Rumänen, die in Autos mit deutschem Kennzeichen unterwegs sind. Auch aus Frankreich und Italien kommen viele. Der Grund für diesen hohen Anteil ist, dass vor zwei Jahren in den EU-Ländern der Visumzwang für Rumänen aufgehoben wurde.

Frage: Welche Tage sollte man meiden, wenn man nicht in den großen Gastarbeiterstrom kommen möchte?

Antwort: Nach Ferienbeginn in einem Bundesland ist der Strom bereits ab Freitagabend an unserer Grenze. Das Gros erwarten wir ab Sonnabend Nachmittag. Schnell bilden sich dann bei der Einreise Schlangen. Das Merkwürdige ist, dass die meisten Einreisenden jedes Mal fast vollständig nur Hegyeshalom ansteuern. Während hier lange Wartezeiten in Kauf genommen werden, sind die nicht weit entfernten Übergänge in Sopron, Rajka und Kópháza fast leer. Das gleiche spielt sich auch am anderen Ende von Ungarn ab. Die Ausreisenden fahren lieber direkt Nagylak an, statt durch einen kleinen Umweg über Gyula oder Battonya viel Zeit zu sparen.

Frage: Auf was sollten sich Bustouristen gefasst machen?

Antwort: Normalerweise werden Busse in einer gesonderten Spur ohne Unterscheidung abgefertigt. Seit diesem Jahr hat aber der Busverkehr aus Rumänien enorm zugenommen. Die Busse fahren meist am Wochenbeginn nach Westeuropa und kommen gegen Donnerstag oder Freitag zurück. Da diese Busse gewöhnlich gut kontrolliert werden, kann es in Spitzenzeiten schnell zu Staus kommen. In solchen Situationen werden Busse aus Ungarn und den EU-Ländern gesondert abgefertigt.

Frage: Haben die geringeren Wartezeiten auch mit einem abflauenden Ein- und Ausreiseverkehr zu tun?

Antwort: Nein, ganz im Gegenteil: Dieser hat sogar noch zugenommen. So hatten wir am ersten Freitag im August allein in Hegyeshalom 125.000 Ein- und Ausreisen. Im letzten Jahr betrug dieser Wert noch etwa 110.000. Während die Zahl der Touristen nur leicht zugenommen hat, verzeichnen wir deutlich mehr transitreisende Gastarbeiter aus Rumänien und Serbien.

Frage: Wie hat sich die Zusammensetzung der Touristen verändert?

Antwort: Das Gros machen nach wie vor Deutsche und Österreicher aus. Überraschenderweise nutzen immer mehr deutsche Kroatienurlauber die Route über Ungarn. Da auch meine Landsleute ihren südlichen Nachbarn immer mehr als Urlaubsland entdecken, wird der Übergang Letenye immer stärker frequentiert. Während er noch im letzten Sommer an Wochenendtagen von durchschnittlich 7000 bis 8000 Reisenden passiert wurde, wurde am Sonnabend vor zwei Wochen mit 45.000 ein neuer Rekord aufgestellt. Doch selbst an solchen Spitzentagen muss niemand mehr als eine halbe Stunde warten.

Frage: Wie sehen Sie dem Formel-1-Wochenende entgegen?

Antwort: Ab dem 20. August rechnen wir mit einem verstärkten Einreiseverkehr. Wir erwarten insgesamt etwa 100.000 Gäste, die vor allem über Hegyeshalom einreisen werden. Mit größeren Staus rechnen wir nicht, da sich dieser Strom verteilt. Kritisch könnte es lediglich am Sonntagabend werden. Da wir dann aber unsere Kapazitäten auf maximal stellen, müssen die Formel-1-Fans im schlimmsten Fall eine Stunde warten. Wer es ganz eilig hat, sollte zur Sicherheit nach Rajka ausweichen. (fp)

  • Datum 12.08.2003
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