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Politik

Schneller Sieg, langsamer Fortschritt

Die Operation 'Enduring Freedom', die vor fünf Jahren begann, sollte ein neues politisches System nach Afghanistan bringen. Doch der Wiederaufbau verläuft schleppend und die Taliban werden immer stärker.

Soldat mit Maschinengewehr steht im Vordergrund, während mit einer Burka verhüllte Frau im Hintergrund vorbei läuft.

Britischer Soldat in Kabul

Fünf Jahre nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in Afghanistan stellen sich viele dieselbe Frage: Wieso sind die Taliban, die 2001 vollständig entmachtet worden waren, wieder so stark geworden? Es gibt viele Antworten: Einige halten die Regierung in Kabul für korrupt oder verweisen auf die massiven Fehler der Amerikaner, die ohne ein umfassendes Konzept das Taliban-Problem nur militärisch lösen wollten. Andere bemängeln den nicht koordinierten Wiederaufbau des Landes. Wiederum andere geben den hunderten NGOs die Schuld, die enorme Summen der Hilfsgelder für sich behielten.

Für die Regierung in Kabul liegen die Wurzeln dieses Übels im pakistanischen Grenzgebiet, wo die Taliban Unterstützung und Zuflucht finden. Die pakistanische Seite weist jede Schuld von sich und sieht im Widerstand der Taliban die Unzufriedenheit der Paschtunen, die sich als größte Volksgruppe im Land benachteiligt fühlen. Viele Vermutungen, die nicht alle unbegründet sind. Doch Fakt ist, sagt, der afghanische Intellektuelle Hamza Waehzi, "dass Afghanistan heute vom Frieden und Stabilität weit entfernt ist und an einem sehr schwierigen und gefährlichen Punkt angekommen ist."

Große Leistungen

Frau mit Burka sitzt auf einem Stuhl und hält zwei Gehhilfen fest.

Afghanische Kriegswitwe

Begonnen hatte die gegenwärtige Ära mit der US-Militäraktion "Enduring Freedom" am 7. Oktober 2001: Luftangriffe auf Kabul markierten den Anfang des weltweiten Krieges gegen den internationalen Terrorismus. Ziele der Operation: Osama Bin Laden, der Chef der Terrororganisation Al-Kaida, sollte tot oder lebendig ergriffen, seine Organisation, die für die Anschläge am 11. September 2001 verantwortlich gemacht wurde, zerschlagen und das Talibanregime abgesetzt werden. Bis Ende des Jahres 2001 wurden die Taliban entmachtet.

Die Interimsregierung in Kabul sollte eine neue Epoche in der Geschichte des Landes einläuten - Frieden, Demokratie und Wiederaufbau. Bald bekam das Land - trotz vieler bis heute andauernder Grabenkämpfe der Regierungsmitglieder - eine neue demokratische Verfassung. Weiterhin fanden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt - große Leistungen für ein vom Krieg zerrissenes Land.

Kein Ende der Gewalt

Soldat steht vor einem ausgebombten Anhänger.

Soldat nach einem Anschlag

Doch der Wiederaufbau erzielte nicht die gewünschten Ergebnisse und die wirtschaftliche Lage der Menschen wurde vielerorts nicht besser. Der labile Frieden konnte nicht durch die Bildung einer schlagkräftigen Armee und Polizei gefestigt werden. Die Taliban meldeten sich zuerst mit Einzelaktionen, seit einem Jahr mit offenen Militäroperationen zurück. Worauf die Amerikaner mit Gegenangriffen zurückschlugen - ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. Viele Menschen sehen die amerikanischen Truppen - rund 20.000 Mann stark - nicht mehr als ihre Befreier, sondern als eine Besatzungsmacht.

Manchen Quellen zu Folge - genaue Angaben gibt es nicht - kamen bislang mehrere Tausend Zivilisten bei US-Bombardements ums Leben, die Verluste der Amerikaner werden auf rund 340 Soldaten beziffert. Viele Dörfer sind durch die permanenten Kämpfe dem Erdboden gleich gemacht worden. Nach neuesten UNO-Berichten sind allein im Süden des Landes über 80.000 Menschen auf der Flucht. Statt Demokratie und Menschenrechte, so der afghanische Oppositionelle Asef Baktasch, brächten die Amerikaner vielen Afghanen Tod und Zerstörung ihrer Häuser.

"Man muss mehr investieren"

Tom Koenigs, der Sonderbeauftragte der UNO für Afghanistan, glaubt, dass die internationale Gemeinschaft die vielfältigen Probleme Afghanistans nicht richtig eingeschätzt hat. Für Tom Koenigs wird es ohne Stabilität und Frieden in Afghanistan keine Sicherheit vor terroristischen Anschlägen in Berlin oder London geben. Die Chance, dass die Bevölkerung nach der Taliban-Erfahrung mit der internationalen Gemeinschaft zusammenarbeiten wolle, die müsse man wahren. "Wahrscheinlich muss man noch mehr investieren. Es wird eine Weile dauern - ein Aufwand, der sich aber lohnt", meint Koenigs.

Ob die internationale Gemeinschaft seinen Vorschlag annehmen wird, ist - trotz leiser Zustimmung vieler westlicher Regierungen - noch unklar. Klar ist jedoch, sagt der afghanische Verteidigungsminister Abdur-Rahim Wardak, dass sein Land fünf Jahre nach Beginn des US-Feldzugs gegen die Taliban an einem höchst kritischen Punkt angekommen ist. Er warnt mit deutlichen Worten vor einem Scheitern des Friedenprozesses in Afghanistan: "Zurzeit ist die Zukunft und Existenz unseres Landes in Gefahr. Die wichtigste Aufgabe ist es jetzt - vor allem Gerede über die Luxusware Demokratie - das Land zu retten. Ohne Sicherheit wird es keine Demokratie geben."

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