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Kultur

Schlimme Zeiten

Israel will sich aus dem Irakkrieg heraushalten. Dennoch erklärte sich das Land für "unmittelbar betroffen". Die israelische Schriftstellerin Batya Gur ist gegen den Krieg. Bettina Marx hat sie vor Kriegsbeginn besucht.

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Hölle auf Erden?

Batya Gur sitzt in ihrem Wohnzimmer in Jerusalem. Auf dem Tisch liegt ihr neuester Roman, der gerade auf Deutsch erschienen ist. Es ist der bislang letzte Fall des melancholischen Inspektors Michael Ochajon. So wie ihre Romanfigur neigt auch Batya Gur nicht zur Hysterie. Nein, sagt sie, sie werde keine Gasmaske aufsetzen und sie werde auch nicht ihre Wohnung mit Plastikfolie gegen Giftgas abdichten.

Panikmache passt einfach nicht zu ihr. "Ich selbst bin sehr fatalistisch in diesen Dingen. Außerdem lege ich großen Wert auf Stil", sagt Batya Gur. "Wenn ich also sterben muss, dann nicht wie eine Maus, sondern wie ein Mensch. Ich habe nicht so viel Angst vor dem Tod, vor meinem Tod, nur vor dem Tod der Menschen, die ich liebe. Ich möchte lieber schnell sterben und nicht erleben müssen, was denen geschieht, die ich liebe."

Krieg ist keine Lösung

Der Krieg, der ist wie ein Sturm, wie ein Hurrikan, gegen den man sich nicht wehren kann. Dennoch lehnt Batya Gur ihn strikt ab. Sie hält den Krieg für dumm und überflüssig und glaubt nicht, dass man so den Terror besiegen kann. "Natürlich bin ich dagegen. Ich glaube, auch hier in Israel gibt es keine Mehrheit für den Krieg. Ich weiß nicht, ob unsere Regierung wirklich die Menschen repräsentiert." Batya Gur hat so ihre Zweifel.

"Es gibt hier einfach Verrückte in diesem Land und nur so lässt sich diese rechte und faschistische Regierung erklären", geht die Schriftstellerin mit den Politikern um Ariel Scharon hart ins Gericht. "Vielleicht vermittelt die Regierung den Eindruck, dass wir für den Krieg sind, aber ich glaube, das ist nicht so. Warum auch? Wofür denn? Glaubt denn wirklich jemand, dass die USA so den Terror besiegen können? Das geht nicht mit Gewalt. Es gibt andere Wege."

Israelis sind gegen den Krieg - aber stumm

Nach einer Meinungsumfrage, die kürzlich veröffentlicht wurde, ist ungefähr die Hälfte der Bevölkerung in Israel tatsächlich gegen den Krieg. Im Unterschied zu den Pazifisten in Europa behalten die israelischen Kriegsgegner aber ihre Meinung für sich. Sie gehen nicht auf die Straße, um für den Frieden zu demonstrieren.

Batya Gur hat Sympathie für die weltweite Protestbewegung und für die Deutschen, die der amerikanischen Politik so vehementen Widerstand entgegen setzen. "Es ist ironisch, dass ausgerechnet die Deutschen so pazifistisch sind. Aber offenbar muss man ganz schlimme Dinge durchleben, um ein Staat zu werden, der sich gegen den Krieg ausspricht. Und offenbar haben die USA solche schlimmen Dinge noch nicht erlebt."

Die Hölle der schlechten Menschen

Eigentlich wissen ja auch die Israelis, was Krieg bedeutet. Darum versteht sie nicht, warum ihre Landsleute mit so überwältigender Mehrheit Likud-Chef Ariel Sharon gewählt haben. "Arik Sharon ist nicht mein Regierungschef und Benjamin Netanjahu nicht mein Finanzminister. Diese ganze Truppe ist für meine Begriffe eine Bande von fremden und schlechten Menschen."

Die Zeit, in der wir leben, ist eine schlimme Zeit, findet Batya Gur. "Es gibt im Judentum den Begriff der Wehen des Messias. Das bedeutet, dass vor dem Kommen des Messias die Hölle ausbricht. Vielleicht leben wir jetzt gerade in solchen Zeiten, in der Hölle vor der Ankunft des Messias."

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