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Nahost

Schiiten machen mobil gegen ISIS

Die Situation im Irak eskaliert weiter: Die islamistische ISIS-Miliz stößt bei ihrer Blitzoffensive inzwischen auf energischen Widerstand. Großayatollah al-Sistani hat zum Kampf gegen die Terroristen aufgerufen.

Die Autorität des Großayatollahs ist ungebrochen. Unmittelbar nachdem Ali al-Sistani zu den Freitagsgebeten die Schiiten zum Kampf gegen ISIS aufgerufen hatte, fanden sich in der für sie heiligen Stadt Kerbela gleich über 1000 Freiwillige ein, die den Irak von den Terroristen befreien wollen. Mit Bussen werden nun alle nach Bagdad gebracht. Dort erhalten sie eine Schnellausbildung, um dann in den Anti-Terrorkrieg zu ziehen.

Großayatollah Ali al-Sistani - Foto: AFP

Großayatollah al-Sistani: Autorität ist ungebrochen

Es ist selten, dass sich der greise Geistliche politisch äußert. Religion und Politik sollten getrennt werden, sagte Sistani, als 2005 die neue irakische Verfassung ausgearbeitet wurde. Klar sprach er sich dafür aus, dass kein Turbanträger ein Ministeramt übernehmen sollte. Damit grenzte sich die höchste Instanz der irakischen Schiiten eindeutig gegen den Iran ab, dessen Führungsspitze ausschließlich aus Klerikern besteht. Angesichts des drohenden Chaos, in das der Irak zu versinken droht, fühlt Sistani sich jedoch gezwungen, an die Einheit des Landes zu appellieren. Schon zu den Parlamentswahlen am 30. April ließ er seinen Sprecher verkünden, dass die Wähler mit Bedacht zu den Urnen schreiten sollten. Das war die diplomatische Umschreibung dafür, dass der Großayatollah unzufrieden ist mit der jetzigen Regierung. Seit Anfang dieser Woche eroberten geschätzte 10.000 Kämpfer der terroristischen Dachorganisation "Islamischer Staat im Irak und Syrien" (ISIS) im Sturm weite Teile der nördlichen Provinzen Iraks.

Angriff auf Heiligtum befürchtet

Mit Schrecken haben die Schiiten zur Kenntnis genommen, dass die sunnitischen ISIS-Kämpfer die Stadt Samara erobern wollen. Das Spiralminarett der Großen Moschee dort ist weltberühmt und ein Heiligtum der Schiiten, obwohl die Mehrheit der 160.000 Einwohner der Stadt Sunniten sind. Im Februar 2006 zerstörte eine Bombe die goldene Kuppel der al-Askari Moschee.

Daraufhin brachen blutige Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten aus, die Tausenden das Leben kosteten und für die Iraker zum Albtraum wurden. Plötzlich waren Nachbarn Feinde geworden, brachten sunnitische und schiitische Familienmitglieder einander um. Das dürfe nie wieder passieren, war das Fazit der Mehrheit am Ende eines zweijährigen Bürgerkrieges.

Entsprechend groß ist die Angst, dass sich das wiederholen könnte. Laut Augenzeugen sollen ISIS-Kämpfer zahlreiche Fahrzeuge zwischen Tikrit und Samara zusammengezogen haben. Beobachter deuten dies als Vorbereitung auf einen bevorstehenden Kampf um die Stadt. Außerdem seien Bewaffnete im Norden, Osten und Südosten von Samara aufmarschiert. Die Stadt liegt 110 Kilometer nördlich von Bagdad.

Unterstützung aus dem Iran

Irans Präsident Hassan Ruhani - Foto: Umit Bektas (Reuters)

Präsident Ruhani: "Iran wird alles im Kampf gegen die Terroristen unternehmen"

In der Hauptstadt selbst rechnet die Bevölkerung seit Tagen mit einem Einmarsch der Islamisten. Aus insgesamt drei Richtungen treffen Nachrichten über ein Vordringen der Aufständischen ein: aus der Provinz Anbar im Westen, aus der Provinz Salah ad-Din im Norden und aus der Provinz Dijala im Osten. Allerdings ist Bagdad, anders als die nördlichen Provinzen mehrheitlich von Schiiten bewohnt. Hier sind die mächtigen Milizen Muktada al-Sadrs, die "Mahdi-Armee" und deren Abspaltung Assaib-Ahl-al-Hak beheimatet. Letztere hat sich nach eigenen Angaben schon auf den Kampf gegen die Terrororganisation ISIS vorbereitet.

Außerdem habe der Iran, wie das "Wall Street Journal" meldet, bereits Hilfe geschickt und mindestens drei Bataillone seiner Al-Kuds-Brigaden nach Bagdad entsandt. Die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden soll die ISIS-Kämpfer zurückdrängen. Der Iran werde sowohl auf regionaler als auch internationaler Ebene alles im Kampf gegen die Terroristen im Irak unternehmen, sagte der iranische Präsident Hassan Ruhani dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki zu.

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