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Kultur

Schema 007

"James-Bond-Fans sind wie Kleinkinder", hat Roger Moore einmal gesagt. "Sie wollen jeden Abend die gleiche Gute-Nacht-Geschichte hören." Die Formel hinter der "neverending story" ist raffiniert und einfach zugleich.

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Neuer Bond-Film, alte Formel

James Bond ist keine reine Erfindung. Es hat ihn wirklich gegeben - als friedlichen Vogelkundler, dessen Namen sich der Schriftsteller und Bond-Erfinder Ian Fleming für seinen Helden auslieh. Nun ist er schon seit über 40 Jahren beim Film. Und inzwischen ist klar: Die Abenteuer des Doppel-Null-Agenten im Dienste von Königin Elizabeth II. sind die erfolgreichste Fortsetzungsstory der Filmgeschichte.

Den aktuellen Streifen ließen sich die Produzenten 142 Millionen Dollar kosten und wie alle vorangegangenen Bond-Filme hat er nur eine zentrale Botschaft: Im Kampf gegen das Böse wird das Gute immer siegen. "Agent 007" jettet zwischen Korea, Kuba und Island hin und her und rettet die Welt vor einem Größenwahnsinnigen aus dem totalitären Nord-Korea. Auch diesmal hat Bond schöne Girls, schnelle Autos und tödliche Waffen. Und natürlich gewinnt er – wie immer. "Gerade das ist sein Erfolgsgeheimnis", meint der italienische Schriftsteller Umberto Eco. "Jeder kennt die Spielregeln, jeder kann mitreden."

A wie "Anfang" und "Action"

James Bond Logo

Legendäres Bond-Logo

"Fast alle Bond-Filme laufen nach dem selben Schema ab", bestätigt Bond-Experte und Buchautor Siegfried Tesche im Gespräch mit DW-WORLD. "Nach dem legendären Vorspann mit dem für die Bond-Filme typischen Logo beginnt der Film vor dem Film." Diese ebenso rasante wie kurze Action-Sequenz sei inzwischen zum Markenzeichen der Bond-Filme geworden. "Erst danach folgt der Vorspann des Films, meist in Form eines technisch aufwändig gemachten Videoclips." Oftmals greift der Clip Motive des Films auf - im aktuellen Film "Die Another Day" zum Beispiel Haft und Folterung des Agenten.

Im Anschluss an den Filmvorspann erhält "Agent 007" in der Regel Instruktionen von "M" und wird von "Q" mit dem obligatorischen technischen Spielzeug ausgerüstet, nicht ohne vorher noch mit Miss Moneypenny geflirtet zu haben. Doch diesmal ist Bonds erste Begegnung mit seiner Chefin wenig erfreulich. Nachdem der Agent durch einen Hinterhalt in nordkoreanische Gefangenschaft geraten war, hat man ihm seine "Lizenz zum Töten" entzogen. Insofern stellt Bond-Experte Tesche "eine leichte Abweichung von der klassischen Bond-Struktur" fest.

Heißer Flirt in exotischer Umgebung

Jinx, Halle Berry, im neuen James Bond Film Stirb an einem anderen Tag

Hommage an Ursula Andress

Die Suspendierung hält Bond jedoch nicht davon ab, auf eigene Faust weiter zu ermitteln. Schon bei der dann folgenden Reise, die den entmachteten Agenten nach Cuba führt, läuft wieder alles nach dem klassischen Drehplan. "Bond auf Reisen trifft in exotischen Gefilden auf eine Frau. Er flirtet mit ihr und beginnt zu spionieren", fasst Tesche zusammen. Die Frau ist übrigens Halle Berry in ihrer Rolle als NSA-Agentin Jinx. Sie entsteigt dem seichten Wasser der Karibik mit einem Badeanzug, der an den Look von Bond-"Honey" Ursula Andress erinnern soll. Mit Jinx verbindet den Agenten der "beste Sex seines (Film-)Lebens", wie Regisseur Lee Tamahori findet.

Nach der ersten Begegnung mit dem anderen Geschlecht nimmt Bond seine Ermittlungen auf oder führt sie fort. "Dabei begegnet James Bond entweder einem Killer oder dem Bösewicht selbst", erläutert Bond-Experte Tesche ein weiteres wichtiges Element der Bond-Formel. Im aktuellen Film begegnet der Agent nicht nur dem Killer Zao, sondern liefert sich später auch noch einen gnadenlosen Fechtkampf mit seinem Gegenspieler Gustav Graves (Toby Stephens). Eine Action-Szene, die Madonna in ihrer Gastrolle als Fechtlehrerin mit den doppeldeutigen Worten "I’m not interested in cock-fights" kommentiert.

Bond wird es immer geben

James Bond, Pierce Brosnan im neuen James Bond Film Stirb an einem anderen Tag

Allerhand technisches Gerät ...

Inzwischen wieder im Vollbesitz seines vollen Agentenstatus und mit allerhand technischem Gerät ausgerüstet, reist Bond auf Einladung des Filmschurken Graves nach Island in dessen gigantischen Eispalast. "Gemeinsam mit einem Agentenkollegen oder einer Gespielin wird ermittelt", so will es die Bond-Formel. Tatsächlich ist "Agentenkollegin" Mirinda Frost ebenfalls vor Ort. "Und man kommt sich gegebenenfalls näher" - auch in diesem Punkt werden die Spielregeln eingehalten.

Doch Bond wäre ein schlechter Agent, wenn er nach dem Vergnügen die Arbeit vergäße: "Nun ist es an der Zeit, dass 007 in das eigentliche Hauptquartier des Bösen eindringt", bringt Tesche das heimliche Drehbuch aller Bond-Filme weiter auf den Punkt. Dort werde Bond gestellt, jedoch gelinge es seinen Häschern nie, ihn - wie beabsichtigt - aus dem Weg zu räumen. Stattdessen rüstet der Agent sich zum Finale. "In einem actionreichen Showdown durchkreuzt Bond dann die Pläne des nach Weltherrschaft gierenden Bösewichts, zerstört dessen Hauptquartier und rettet die Frau, um sie zu verführen", weiß Tesche. Angesichts dieser "todsicheren" Erfolgsformel dürfte Bond-Darsteller Pierce Brosnan Recht behalten, wenn er voraussagt: "Bond wird es auch in 50 Jahren noch geben."

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