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Klimaschutz

Schafft Deutschland die Klimaziele von Paris?

Deutschland gilt weltweit als Vorreiter für den Klimaschutz. Doch der Ausstoß von CO2 sank in den letzten Jahren nur wenig. Ohne Kursänderung werden wir die gesetzten Klimaziele verfehlen.

2010 beschloss die Regierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel klare Klimaziele: Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sollten bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent sinken - und um 80 bis 95 Prozent bis 2050.

Laut Bundesumweltamt (UBA) hatte Deutschland bis 2014 die Treibhausgase gegenüber dem Referenzjahr 1990 jedoch nur um 28 Prozent gesenkt. Um das beschlossene Zwischenziel bis 2020 noch zu erreichen, müsste sich das Tempo zur Senkung von Treibhausgasen im Vergleich zu den Vorjahren etwa verdoppeln.

Ob das noch möglich ist? Das UBA hat in einer Analyse auch die eingeleiteten politischen Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele untersucht und dabei festgestellt, dass "die bisher beschlossenen und eingeleiteten Maßnahmen und Instrumente voraussichtlich nicht genügen werden". Um bis 2020 und 2050 die gesetzten Ziele noch zu erreichen, "müssen anspruchsvollere klimapolitische Entscheidungen getroffen und erfolgreich umgesetzt werden", so das Fazit.

Schneller Kohleausstieg hilft beim Klimaschutz

Rund 40 Prozent aller Treibhausgase entstehen in Deutschland bei der Stromerzeugung - vor allem durch die Kohlekraft. Damit werden derzeit rund 40 Prozent des deutschen Strombedarfs gedeckt.

Experten aus Regierung, Wissenschaft und von Umweltverbänden sehen im Kohleausstieg das größte und einfachste Einsparpotenzial.

Doch der Zeitplan für den Kohleausstieg ist in Deutschland heftig umstritten. Das NewClimate-Institut hält im Report für Greenpeace den Kohleausstieg bis etwa 2025 für notwendig, damit Deutschland seinen Klimaverpflichtungen im Einklang mit den Herausforderungen des 1,5 Grad-Ziels nachkommen kann.

Verfolgt die Bundesregierung jedoch das bisherige Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, so könnten die Kohlekraftwerke auch noch länger laufen. Nach einem Vorschlag von der Denkfabrik "Agora Energiewende" müssten so jedes Jahr etwa drei bis vier Kohlekraftwerke stillgelegt werden. Das letzte ginge dann 2040 vom Netz.

Auf ein genaues Ausstiegsszenario für Kohlekraft legte sich die Bundesregierung bisher jedoch noch nicht fest. Nach Bekanntwerden von Regierungsplänen zur Reduktion der Kohlekraft gab es von den Energiekonzernen und Gewerkschaften Protest.

Um potenzielle Wähler nicht zu verschrecken, wird es deshalb möglicherweise erst nach der nächsten Bundestagswahl in 2017 einen konkreten Fahrplan für den Kohleausstieg geben.

Schlechte Bilanz: Verkehr und Landwirtschaft

Mit besonders großer Sorge beobachten Klimaexperten die Entwicklungen in der Landwirtschaft und dem Verkehr, hier stiegen in den letzten Jahren sogar die Treibhausgasemissionen.

Der Verkehr ist für rund 18 Prozent aller Treibhausgase in Deutschland verantwortlich, vor allem durch den zunehmenden Autoverkehr. Im Vergleich zu 2010 nahmen die CO2-Emissionen hier sogar um rund fünf Prozent zu.

Symbolbild NRW Ferein Stau (picture alliance/dpa/R. Vennenbernd)

Der Verkehr schaffte die vorgegebenen Klimaziele in Deutschland nicht. Die Rufe für eine Verkehrswende werden lauter.

In der Landwirtschaft sorgen vor allem die Treibhausgase Methan und Lachgas in der industriellen Landwirtschaft für eine schlechte Klimabilanz: Methan entsteht in den Mägen von Kühen und Schafen und Lachgas wird durch die Düngung freigesetzt. Im Vergleich zu 2010 haben sich die Treibhausgase in der Landwirtschaft um rund sechs Prozent erhöht.

Wie schnell braucht Deutschland den Klimaschutz?

Zur Umsetzung der Klimaziele entwickelt die Bundesregierung umfangreiche Klimaschutzpläne. Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasen wurden bereits vor zwei Jahren im Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 vereinbart. Das darin formulierte Ziel war die Begrenzung der Erderwärmung noch auf maximal zwei Grad.

Im Entwurf des derzeit diskutierten "Klimaschutzplan 2050"beschreibt das Umweltministerium den Weg zu einer "weitgehenden Treibhausgasneutralität bis 2050", damit die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius bleibe und auf möglichst 1,5 Grad begrenzt werde.

Der entsprechende Umbau der Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland bis zur Mitte des Jahrhunderts sei "eine große Herausforderung - aber machbar", steht in der Einleitung. Zudem sei nach Einschätzung des Umweltministeriums ein langfristig ausgerichteter Klimaschutz, der auf Innovation und Modernisierung setzt, ein Motor für Wohlstand und Beschäftigung.

In einer Kurzstudie im Auftrag von Greenpeace berechnete das NewClimate- Institut ebenfalls den Zeitplan und erforderliche Maßnahmen, damit Deutschland seinen Beitrag zur Erreichung des Pariser 1,5 Grad-Ziels erfüllt. Demnach müsse der Anteil von erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bereits 2030 bei 100 Prozent liegen und im Bereich von Gebäudewärme, Verkehr und Industrie noch vor 2035.

Paris Klimagipfel Merkel mit Hendricks (Getty Images/AFP/J. Watson)

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Schafft es die Politik noch zur Klimakonferenz in Marokko?

Wie schnell kommt der Kohleausstieg und bis wann dürfen Autos mit Verbrennungsmotoren noch verkauft werden? Wie schnell müssen Gebäude energetisch saniert werden und welchen Beitrag leisten Industrie und Landwirtschaft für den Klimaschutz?

Konkrete Vorschläge und Zeitpläne für die Umsetzung gibt es in der Regierung, der Wissenschaft und den Umweltverbänden. Allen ist klar, dass die Zeit drängt und es unbequeme Entscheidungen gibt, für Teile der Industrie, der Landwirtschaft und auch Arbeitnehmer.

Bisher konnte sich die Bundesregierung noch nicht zu tiefgreifenden Entscheidung durchringen. Über den Klimaschutzplan 2050 wird noch weiter heftig gerungen. 

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