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Syrien

Saudische Soldaten bald in Syrien?

Bislang kämpft Saudi-Arabien nur aus der Luft gegen den "Islamischen Staat" in Syrien. Nun denkt Riad öffentlich über Spezialeinheiten an der Seite der USA nach. Bleibt die Frage: Folgen bald Kampftruppen?

"Das Königreich und andere Golfstaaten haben erklärt, dass wir bereit sind, uns mit Spezialeinheiten an der Seite der USA zu beteiligen. Auch einige Länder aus der Islamischen Koalition gegen Terrorismus und Extremismus sind bereit, Truppen zu stellen", sagte der saudische Außenminister Adel al-Dschubeir in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). "Wir stimmen uns mit den USA ab, um zu sehen, was der Plan ist und was nötig ist, um ihn umzusetzen", fügte der Chefdiplomat aus Riad hinzu.

US-Präsident Donald Trump hatte seinen Verteidigungsminister James Mattis zuletzt angewiesen, innerhalb von 30 Tagen einen neuen Plan für den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) vorzulegen. Al-Dschubeir sagte nun der SZ, er rechne damit, dass dieser bald vorliegen werde. "Die grundlegende Idee ist, Gebiete vom IS zu befreien, aber gleichzeitig sicherzustellen, dass sie nicht an Hisbollah, Iran oder an das Regime fallen" führte der Außenminister Saudi-Arabiens weiter aus. Indirekt machte er damit deutlich, dass befreite Gebiete der Kontrolle der Rebellen übergeben werden sollen.

Adel al-Dschubeir Außenminister Saudi Arabien (Reuters/C. Barria)

Saudi-Arabiens Außenminister Adel al-Dschubeir

Stellvertreterkrieg in Syrien

Seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs positioniert sich Saudi-Arabien klar gegen das Regime unter Machthaber Baschar al-Assad und unterstützt die syrische Opposition. Kritiker werfen dem sunnitischen Golfstaat vor, in Syrien seine Konflikte mit dem schiitischen Iran auszutragen. Die iranische Führung unterstützt ihrerseits das Assad-Regime.

Bislang ist Saudi-Arabien Teil einer von den USA angeführte Militärkoalition, die Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien fliegt. Vor etwa einem Jahr hat Riad aber durchblicken lassen, dass es willens wäre, an einer Bodenoffensive in Syrien teilzunehmen - sollte die US-geführte Allianz eine solche Operation starten. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hat die Entsendung eigener Bodentruppen in das Bürgerkriegsland allerdings stets ausgeschlossen. Stattdessen sendete die vorherige Administration in Washington Spezialeinheiten nach Syrien. Diese Ausbilder, Berater und Bombenentschärfer unterstützen Aufständische im Kampf gegen den IS. Bislang sind 300 US-Soldaten vor Ort.

Schlechte Vorzeichen für Genf

Unterdessen drückten die UN nochmals ihre Besorgnis über die jüngste Zunahme der Gewalt in Syrien aus. UN-Sprecher Farhan Haq erklärte, die Vereinten Nationen seien "alarmiert" angesichts der zunehmenden Kämpfe im Großraum Damaskus in den vergangenen Tagen. In den betroffenen Gebieten lebten mehr als 100.000 Zivilisten in Not, führte er aus. Aktivisten hatten zuvor berichtet, dass die syrische Armee ihre Angriffe auf Rebellen nahe der Hauptstadt verstärkt. Die Viertel Barseh und Kabun seien von Luftangriffen und Raketen der Regierung getroffen worden, hatte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London gemeldet. Demnach gab es mehrere Tote.

Syrien Krieg - Kämpfe in Damaskus (Reuters/B. Khabieh)

Diese Bilder der Zerstörung bleiben nach den syrischen Bombardements auf Damaskus zurück

Der Zeitpunkt für die verstärkten Angriffe der syrischen Armee ist denkbar ungünstig. So kommen am Donnerstag Vertreter von Regierung und Rebellen in Genf zu neuen Friedensverhandlungen zusammen. Vermitteln sollen die UN. Die Opposition warf der Regierung in Damaskus vor, die Gespräche sabotieren zu wollen. Die Angriffe seien "eine blutige Botschaft", die zeige, dass die Regierung "jede politische Lösung ablehnt", erklärte das Hohe Verhandlungskomitee der Opposition. Die Rebellen sind in den vergangenen Monaten deutlich geschwächt worden. So mussten sie im Dezember nach monatelangen Kämpfen auch die Großstadt Aleppo räumen.

nin/se (dpa, afp)